Für radikale Klimaschützer hat die Schauspielerin Verständnis

Wie begrüßen Sie einen Alien, Sigourney Weaver?

Schauspielerin Sigourney Weaver l

Schauspielerin Sigourney Weaver: „Ich habe keine Lust auf den Mars. Ich finde die Erde wunderschön.“

Berühmt wurde Sigourney Weaver als Raumfahrerin im verschwitzten Unterhemd: In den „Alien“-Filmen kämpfte ihre Offizierin Ellen Ripley effektiver als jeder männliche Astronaut gegen schleimige Außerirdische und avancierte zu einer der ersten Actionheldinnen – und zugleich zu einer „feministischen Ikone“, wie sie sagt. Geplant hatte dies die 1,82 Meter große US-Amerikanerin nicht: „Ripley war angelegt als Durchschnittstyp, der sich selbst helfen muss. Da blieb keine Zeit für Nervenzusammenbrüche und weibliches Getue“, so die 73-Jährige. Nun kehrt Weaver im zweiten „Avatar“-Film auf den Planeten Pandora zurück – aber nicht als Wissenschaftlerin wie im ersten Film 2009, sondern erstaunlicherweise als Teenager.

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Frau Weaver, Ihr Regisseur James Cameron hat Ihnen in seinem neuen „Avatar“-Film etwas ermöglicht, wovon viele Menschen träumen: noch einmal jung zu sein. War das für Sie ein unwiderstehliches Angebot?

Im Film war es prima, noch einmal jung zu sein – in Gestalt eines Teenagermädchens namens Kiri. Dank moderner Filmtechnologie ist so etwas möglich. So konnte ich eine besondere Zeit im Leben in gewisser Weise noch einmal besichtigen. Ich erinnere mich ganz gut daran, wie ich mich mit 14 fühlte. Aber ich bin ganz froh, dass ich nicht in diesem Alter stecken bleiben musste.

Wie alt fühlen Sie sich im wirklichen Leben?

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Ich glaube, wir alle springen gefühlt zwischen allen möglichen Altersstufen herum. Das hängt ganz von der Situation ab. Manchmal werden wir auch zum Kind, also noch deutlich jünger als 14. Heute zum Beispiel fühle ich mich wie 16. Ganz sicher bin ich mir aber nicht.

Was war Ihre erste Reaktion, als Regisseur James Cameron Ihnen eröffnete, dass Sie sich in einen Teenager verwandeln sollen?

Darüber haben wir als Erstes gesprochen. Schließlich war das die verrückteste Idee, die ich je gehört hatte. Aber ich wusste, dass Jim (James Cameron, d. Red.) diese Idee nicht vorgeschlagen hätte, wenn er nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass sie auch funktioniert. Jim wollte eine Figur erfinden, die eine Verbindung zu der Wissenschaftlerin Grace Augustine hat, die ich im ersten „Avatar“-Film verkörperte und die am Ende starb. Das war 2010, also vor zwölf Jahren. Dann dauerte es noch einmal fünf Jahre, bis er die Drehbücher geschrieben hatte. Die Figur entwickelte sich in dieser Zeit und wurde immer konkreter. So wurde ich zu einem Mädchen, das im Wald lebt und sich umgeben von Tieren und Pflanzen am wohlsten fühlt.

Bedeutete diese Rolle eher eine physische oder doch eine mentale Herausforderung?

Beides. Aber vielleicht war das Hineinfühlen in eine 14-Jährige das Schwierigste. Da sind diese extremen Schwankungen zwischen „Ich weiß genau, wer ich bin“ und „Wer bin ich?“, zwischen Schüchternheit und Selbstvertrauen, zwischen Freiheit und Beengtheit. All diese Extreme passieren auch innerhalb der Geschichte, die wir in „Avatar: The Way of Water“ erzählen. Irgendwann habe ich mich entschieden, Kiri alle wichtigen Entscheidungen treffen zu lassen. Ich wollte ihr nicht im Weg herumstehen.

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Würden Sie sagen, dass Sie junge Menschen gut verstehen? Können Sie nachvollziehen, dass sich Teenager heute auf Autobahnen oder an kostbaren Gemälden in Museen festkleben, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen?

Ich glaube, junge Menschen müssen solche Dinge tun. Einer der Gründe, warum wir diesen Film erzählen wollten, war, dass er von so vielen Dingen handelt, die sich gerade auf unserer Erde abspielen. Es geht um die Beziehung zu unserem Planeten, ganz besonders bei meiner Figur Kiri, die sich so sehr zur Natur hingezogen fühlt. Es passieren ausgesprochen zeitgemäße Dinge im Film. Es herrscht Krieg, Familien sind Flüchtlinge und suchen Asyl. Das geschieht auf sehr emotionale Weise in dieser Geschichte. Jim hat das alles schon vor Jahren geschrieben, aber es reflektiert, was heute passiert.

„Avatar“ erzählt genauso von der Gier nach Rohstoffen: Glauben Sie, dass die Menschheit die Kurve noch hinkriegt, um auf diesem Planeten zu überleben?

Ich weiß nicht recht, ob ich das beantworten soll. Meine Antwort hängt von meiner Tagesform ab. Ich setze viel Hoffnung auf die jüngeren Generationen. Sie lassen hoffentlich nicht locker, Druck auszuüben, damit sich etwas verändert auf der Erde. Wenn wir mal von ein paar Leuten in Amerika absehen, sollten wir jetzt alle kapiert haben, dass sich die Dinge in einer Weise beschleunigen, wie es die Wissenschaft nicht vorhergesagt hat. Obwohl, ich muss gestehen: Auch wenn Wissenschaftler sagten, dass es in 50 Jahren zu Pro­ble­men kommen würde, habe ich ihnen nicht geglaubt und die Warnung für eine voreilige Vermutung gehalten. Aber nun können wir nicht einfach so weitermachen.

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Ich befinde mich hier in einem bestens beleuchteten Hotelzimmer. Es ist auch schön warm. Eigentlich sollte ich bei diesem Gespräch in einem Schlafsack sitzen, einen dicken Mantel tragen und eine Kerze in der Hand halten. Aber warten wir mal ab. Ich habe keine Zweifel, dass uns beim gemeinsamen Nachdenken etwas einfällt. Dazu braucht es die Mithilfe eines jeden Landes. Das ist ein bisschen so wie mit der Covid-Pandemie. Da haben alle versucht, einander zu helfen – na gut, manche mehr, manche weniger. Aber es war eine hilfreiche Erfahrung zu sehen, wie der Planet zusammenarbeiten kann, wenn es wichtig ist. Das gibt mir Hoffnung mit Blick auf unsere Klimaprobleme.

Sind Sie manchmal wütend auf Ihre Kollegen in Hollywood, die ihre privaten Swimmingpools immer noch mit Tausenden Litern Wasser befüllen und in Privatjets um den Globus fliegen?

Ich würde da nicht nach Hollywood schauen, sondern auf die Tech-Community. Nicht die Schauspielerinnen und Schauspieler fliegen in Privatjets herum, jedenfalls keine, die ich kenne. Es sei denn, die Studios organisieren so einen Trip. Das Big Business fliegt aber dauernd um die Welt. Außer in Notfällen sollten wir so etwas vermeiden.

Sollten sich die älteren Generationen, also auch wir beide, schuldig fühlen, weil wir diesen Planeten so zugerichtet haben?

Tja, wir sollten uns schuldig fühlen, wenn uns das irgendwie weiterbringt. Wir sollten aber mehr als das tun. Wir sollten die Veränderungen anführen. Wir wollen zum Beispiel alle E-Autos fahren. Aber in Amerika haben wir bis jetzt nicht einmal die Infrastruktur dafür. Wer auf eine längere Tour aufbricht, findet keine Aufladestationen. Das wird jetzt aber ein bisschen besser unter Präsident Joe Biden. Es gibt Fortschritte.

Fortschritt ist ein gutes Stichwort: In einem anderen aktuellen Film von Ihnen, im Kinodrama „Call Jane“, geht es um den Kampf für das Recht auf Abtreibung in den USA in den Sechzigern. Heute müssen die Amerikanerinnen wieder für dieses Recht kämpfen: Werden Sie da nicht zur Pessimistin?

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Wir haben in den USA gerade eine Wahl hinter uns, in der sich die Menschen ziemlich deutlich dafür ausgesprochen haben, dass Frauen reproduktive Gesundheitsfürsorge erhalten sollen. Allerdings war das eine sehr ernüchternde Zeit. Ich glaube, dass sich jetzt alle darauf konzentrieren, einige dieser Rechte für Frauen zu schützen, die wir für grundlegend halten. Ich hoffe sehr, dass wir das schaffen.

Befürchten Sie Schlimmes für die nächste US-Wahl in zwei Jahren?

Ich hatte Angst vor der jüngsten Midterms-Wahl, bei der so viele Wahlleugner kandidierten. Aber all diese Leute hatten praktisch keinen Erfolg, weil sie verrückt waren und keine guten Kandidaten. Diese Wahl war also ein großer und wichtiger Wendepunkt für uns. Wir können jetzt wenigstens weitermachen. Wir werden in den USA auch künftig unsere Differenzen haben, aber keinen psychopathischen Präsidenten. Wir werden mit dem Präsidenten nicht immer einverstanden sein. Aber das ist etwas anderes.

Sie sind seit Jahrzehnten aktiv im Naturschutz. Hat Ihr Engagement mit der Primatenforscherin Dian Fossey begonnen, die Sie Ende der Achtziger im Film „Gorillas im Nebel“ spielten?

Damals hatte ich mich zum ersten Mal aktiv mit dem Schutz von Wildtieren beschäftigt. Heute arbeite ich für die Botanischen Gärten in New York. Sie engagieren sich für den Naturschutz und arbeiten mit anderen Parks auf der ganzen Welt zusammen. Sie tauschen seltene Exemplare aus und unterhalten Samenbänke. Wir haben eben schon darüber gesprochen: Ich glaube, dass es eine ganze Reihe von Berufen gibt, bei denen man sich weltweit austauschen kann und sogar muss. Wenn wir beim Naturschutz nicht alle zusammenarbeiten, wird es viel schwieriger.

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Gelingt diese Zusammenarbeit?

Ich weiß zum Beispiel, dass die von Dian Fossey gegründete Gorilla-Stiftung viel für die Gesundheit der Menschen in der Virunga-Region an der Grenze zwischen dem Kongo, Ruanda und Uganda tut. Wir haben ein Krankenhaus für Mütter gebaut. Es gibt dort inzwischen auch ein komplettes Ge­sund­heits­zen­trum. Denn wenn wir Tierschützer die Menschen unterstützen, können diese etwas für die Gorillas tun. Es kann nicht sein, dass Tiere und Menschen ständig um dasselbe Land und dieselbe Nahrung kämpfen. Wir wissen inzwischen ziemlich viel, und wir nutzen dieses Wissen, um die Dinge ein bisschen besser zu machen.

Pandora ist in „Avatar 2″ ein Fluchtplanet für die Menschen, weil die Erde unbewohnbar geworden ist. So eine Funktion könnte irgendwann vielleicht auch der Mars haben, wenn es nach Elon Musk geht: Würden Sie ihm auf den Mars folgen?

Ich habe keine Lust auf den Mars. Ich finde die Erde wunderschön. Es gibt hier so vieles, was ich noch nicht gesehen habe. Und es gibt so vieles zu tun: Wir sollten viel mehr auf unser Wasser, unsere Luft und auf die Artenvielfalt achten. In Amerika haben wir in den vergangenen 20 Jahren bereits jede vierte Vogelart verloren. Wir befinden uns also in einem Notfall. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Elon Musk etwas mehr Energie darauf verwenden würde, die Erde zu einem sichereren und saubereren Ort zu machen. Allerdings: Ich kann mir vorstellen, dass mein Regisseur James Cameron wahrscheinlich gern zum Mars fliegen würde.

Zumindest als Schauspielern hatten Sie viel Kontakt mit Aliens, nicht immer nur freundlichen: Wie würden Sie Außerirdische auf der Erde begrüßen?

Meine Begrüßung würde ausfallen wie bei „Avatar“ – und nicht so sehr wie in den „Alien“-Filmen. Ich spiele mit dem Teenager Kiri ja in gewisser Weise sogar eine Außerirdische. Sie hat gelernt, wie man mit Messern kämpft, und sie kann eine erbitterte Gegnerin sein. Aber sie ist sanftmütig. Sie löst Probleme nicht mit Waffen.

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