Semperopernball: Ballverein erkennt al-Sisi Orden ab

  • Nach breiter öffentlicher Kritik ziehen die Verantwortlichen des Semperopernball Konsequenzen.
  • Die umstrittene Auszeichnung von Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi soll aberkannt werden.
  • Rockmusiker Peter Maffay soll dabei eine entscheidende Rolle zugekommen sein.
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Dresden. Der Dresdner Semperopernball-Verein macht die umstrittene Verleihung seines St.-Georgs-Ordens an Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi rückgängig. Die Auszeichnung werde ihm wieder aberkannt, das habe Ballchef Hans-Joachim Frey nach einem Treffen mit Rocksänger Peter Maffay am Dienstag entschieden, sagte Pressesprecher Holger Zastrow der Deutschen Presse-Agentur. Angaben dazu, wie das erfolgen soll, machte der Sprecher nicht.

Das Ultimatum des Rockmusikers Maffay hat also offenbar Wirkung gezeigt. Denn der Sänger habe Opernballchef Hans-Joachim Frey zuvor eine klare Forderung für seine Anwesenheit gestellt: Seine Band werde nur auftreten, wenn Frey den verliehenen Orden wieder aberkennt, teilte er den „Dresdner Neuesten Nachrichten“ (DNN) mit.

Peter Maffay äußert Kritik an Ballorden

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Im Interview mit den „DNN“ zeigte Maffay sich bereits überzeugt, dass Frey seiner Forderung nachkommen werde: „Er wird es machen. Das sage ich Ihnen jetzt mit hundertprozentiger Sicherheit.“ Der Ballverein erklärte nach der breiten öffentlichen Empörung und den Absagen, dass es diesmal keine weiteren Ehrungen geben und komplett auf die Ordensverleihung verzichtet werde. Auch dazu fand Maffay klare Worte: „Die Leute, die einen Preis verdient hätten, werden nicht ausgezeichnet, aber der verliehene Preis bleibt bestehen? Das ist paradox.“

Zuvor hatte bereits SAP-Gründer Dietmar Hopp auf eine Auszeichnung mit dem Dresdner St.-Georgs-Orden verzichtet – aus Angst vor Anfeindungen und wegen Rücksicht auf seine Familie. Durch die Vergabe des St.-Georgs-Ordens an al-Sisi hatte sich aus Sicht von Hopp „ein dunkler Schatten“ über den Opernball gelegt. Er sei darüber verwundert gewesen, habe sich nach der öffentlichen Entschuldigung des Ballvereins aber zunächst doch entschieden, nach Dresden zu kommen.

Vor allem die Attacken auf Moderatorin Mareile Höppner hätten ihn schließlich bewogen, doch nicht zum Ball zu kommen. Nach Hopp hatte auch Laudator und Fußballmanager Uli Hoeneß abgesagt.

Für den Semperopernball hagelte es Absagen

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Die Ehrung von al-Sisi, der nach einem Militärputsch an die Macht kam und hart gegen Kritiker und Oppositionelle vorgeht, vor gut einer Woche in Kairo löste vielfach Widerstand und Protest aus. „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers hatte zuerst Abstand vom Semperopernball genommen, später verzichtete auch die für sie benannte Mareile Höppner auf die Moderation. Auch Schlagersänger Roland Kaiser distanzierte sich zunächst, entschied sich nach der Entschuldigung von Ballchef Hans-Joachim Frey aber doch dafür, durch den Abend zu führen.

RND/al/dpa

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