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Seine Omnipräsenz nervt manche: Lars Eidinger als Gesicht der Berlinale

  • Gleich in zwei Hauptrollen ist Lars Eidinger bei der Berlinale zu sehen.
  • Er spielt einen KZ-Kommandanten und einen Starschauspieler.
  • Jeden Moment Aufmerksamkeit scheint Eidinger zu genießen.
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Manchem geht dieser Typ tüchtig auf die Nerven. Er sei omnipräsent, heißt es dann gern, und das ist als Vorwurf zu verstehen. Lars Eidinger ist Theaterberserker (gerade als “Peer Gynt” an der Schaubühne), Instagram-Fotograf mit diversen Ausstellungen, Party-DJ, Designer von 550 Euro teuren Luxustaschen im Aldi-Look – und, ja genau, ein exzellenter Schauspieler ist er auch.

In einem Atemzug mit Willem Dafoe und Javier Bardem ist Eidinger bei dieser Berlinale annonciert worden. Viel mehr Ruhm geht für einen deutschen Schauspieler nicht. Gleich in zwei Hauptrollen ist der 44-Jährige zu sehen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.

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In “Persischstunden” verkörpert Eidinger einen KZ-Kommandanten

In “Persischstunden” verkörperte er am Wochenende einen KZ-Kommandanten, der sich Farsi von einem belgischen Juden beibringen lässt. Nur spricht dieser kein Wort Farsi und erfindet Ausdrücke, um sein Leben zu retten. in jedem Augenblick könnte der eine Opfer des anderen werden, und doch entsteht ein Band zwischen den beiden.

In “Schwesterlein” spielt Eidinger an diesem Montag das Brüderlein von Nina Hoss, das an Leukämie erkrankt. Er gibt einen Starschauspieler an der Berliner Schaubühne, und das kommt seiner eigenen Biografie ziemlich nahe. Diesem Schauspieler passiert das Schlimmste, was auch Eidinger passieren könnte: Er kann wegen seiner lebensbedrohlichen Krankheit nicht mehr auftreten.

Manchmal sind seine Antworten klüger als die Fragen

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Jeden Moment öffentlicher Aufmerksamkeit scheint Eidinger zu genießen. In Interviews haftet ihm gleichwohl nichts Herablassendes an. Da ist nichts vom schamlosen Provokateur mit Tendenz zum nackten Hinterteil, wie er ihn in seinen Theaterrollen gern auslebt. Manchmal sind seine Antworten klüger als die Fragen.

Sogar inmitten einer hektischen Berlinale nimmt er sich Zeit, beim Reden zu denken – und lässt sich auch zu Emotionen hinreißen: “Ich finde, unsere Gesellschaft ist so dermaßen vergiftet, was Hass und Missgunst angeht”, sagte er sichtlich angegriffen mit Blick aufs Internet und Verweis auf die Gefahr, dass sich deutsche Geschichte doch wiederholen könnte.

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Ob Eidinger Angst hat, vergessen zu werden?

Ob er Angst hat, vergessen zu werden, wenn er mal nicht vor der Kamera oder auf der Bühne steht? Eidingers Antwort auf diese Frage: Gelegentlich denke er schon darüber nach, ob er sich in ein Café setzen und Zeitung lesen solle. Er wisse, dass seine “Omnipräsenz” nicht bei allen gut ankomme. Da war das O-Wort also wieder.

“Aber ich bin viel glücklicher, wenn ich etwas schaffe, wenn ich lustvoll kreativ bin.” Bei Eidinger klingt das weniger eitel als ehrlich.

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