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Rückkehr ins Overlook: So ist das “Shining”-Sequel “Doctor Sleeps Erwachen”

  • Ewan McGregor spielt in der Stephen-King-Verfilmung “Doctor Sleeps Erwachen” den erwachsen gewordenen Danny aus dem Horrorklassiker “Shining”.
  • Regisseur Mike Flanagan erschafft in dem Sequel (Kinostart am 21. November) die Kulissen aus Stanley Kubricks Meisterwerk neu
  • Dennoch bleibt der überlange Film seltsam kraftlos und wird viel zu selten gruselig.
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Das Overlook ist das ultimative Gruselfilmhotel. Die Horrorherberge sah schon von außen aus, als habe Mephistopheles selbst am Reißbrett gesessen. Stanley Kubrick hat Stephen Kings Roman “Shining” 1980 für die Leinwand perfektioniert – hat ein freudianisches Gothicrätsel gestellt.

“Shining” – einer der unheimlichsten Filme aller Zeiten

39 Jahre ist das her. Nie zuvor und danach war das Übernatürliche im Kino so präsent und versteckt zugleich. Erzählt wurde die Geschichte einer Schreibblockade, eines Familienhassers, seiner Klaustrophobie und Wahnsinnigwerdung sowie (möglicherweise bis sehr wahrscheinlich) die Geschichte von Geistern. Einer der unheimlichsten Filme aller Zeiten, Jack Nicholson ist darin ein Fest geistiger Selbstzerfledderung.

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Und jetzt kommt also “Doctor Sleeps Erwachen”, die Fortsetzung von “Shining”, in der der kleine Danny, den Papa Jack Torrance (Nicholson) mit der Axt ins Heckenlabyrinth verfolgte, aber nicht zu töten vermochte, jetzt ein erwachsener Dan ist und immer noch die seherische Gabe, Shining genannt, besitzt. Ewan McGregor spielt diesen Mann, der in einem Hospiz arbeitet, der es nicht leicht hatte, der an der Flasche hing, jetzt trocken ist, und dem immer noch das Overlook im Kopf herumkriecht – das “Redrum” an der Tür, die Hexe in der Badewanne in Zimmer 237. Die Geister spuken und spuken und spuken.

Doctor Sleep hat ein Händchen für Leute, die todgeweiht sind

Dan ist sensibel, er hat ein Händchen für die Leute, die an der Himmelstür anklopfen, man nennt ihn deshalb auf der Arbeit Doctor Sleep. Dass er in einer Welt der Wunder lebt, zeigt ihm die Hospizkatze, die genau weiß, wer als nächstes sterben wird. Und das zeigt ihm auch der Teenager Abra (Kyliegh Curran), der ebenfalls über seine Gabe verfügt und der dringend Dans Anleitung benötigt.

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Und zuletzt ist da noch Rose the Hat (Rebecca Ferguson), die einen schrecklichen Hut besitzt, eine schreckliche Begleittruppe hinter sich schart und eine schreckliche Angewohnheit hat: Rose und ihre Gang bringen Kinder, die “sehen” können, zu Tode und atmen den Dampf ein, den die sterbenden Shiner ausströmen, was die Mörder quasi unsterblich macht.

Eine Geschichte aus der Schublade “Vampirisches”

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Das ist eine irgendwie weiter hergeholte Greuelgeschichte aus der Schublade “Vampirisches”. Die Sauger hier müssen freilich anders bekämpft werden als mit Kreuz, Pfahl und Knoblauch, vor allem aber muss das Trauma des Helden bewältigt werden. McGregor spielt das leider weitgehend auf Autopilot, sein Dan ist einer von jenen Dans, die Freund und Feind mit “Erde an Dan!” begrüßen. Ferguson ist dagegen schon ein kleines Fest, aber so gruselig wie das große Fest Jack Nicholson ist sie nie.

Regisseur Mike Flanagan, erwiesener “Shining”-Fan, der im Vorjahr mit dem Serienremake von “Haunting of Hill House” ein Glanzstück von Gänsehautverursacher bei Netflix ablieferte, hat einen passablen Horrorfilm gemacht, der mit seinen zweieinhalb Stunden Länge dem Zuschauer zu selten an den Nerven zerrt sondern ihm indes öfter auf selbige geht. Er verhält sich wie Peter Hyams Hommage “2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen” (1984) zu Kubricks Sci-Fi-Klassiker “2001 – Odyssee im Weltraum” (1968).

Man hat sich auf den alten Schreckensort gefreut

Auf was man sich richtig gefreut hatte, waren die klassischen “Shining”-Kulissen, Flanagans Neuerschaffung des Overlook-Hotels, das auf dem Berg liegt wie ein geducktes Ungeheuer. Aber weil man nie so recht begreift, was die verquaste neue überhaupt mit der großartigen, alten Geschichte zu tun haben soll, verkümmert der Hort des Terrors zum Ort der Nostalgie. Eine unnötige Geschichte, ein unnötiger Film. Das seltsame Geräusch, das sensiblere Zuschauer hören können, kommt möglicherweise von Stanley Kubrick, der sich im Grabe umdreht.

“Doctor Sleeps Erwachen”, Regie: Mike Flanagan, mit Ewan McGregor, Rebecca Ferguson, 151 Minuten, FSK 16

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