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Ringo Starr mit neuer Platte: „Ich kann jetzt mit euch allen abhängen“

  • Mit ein bisschen Hilfe von seinen Freunden veröffentlicht Ringo Starr heute (19. März) die EP „Zoom In“.
  • Paul McCartney, Lenny Kravitz und Sheryl Crow sind unter denen, die dem Musiker bei seinen neuen Songs zur Seite standen.
  • Musiziert wurde unter Corona-Regeln: „Das war schon eine verrückte Art, eine Platte zu machen“, sagt der Ex-Beatle, der sich darüber freut, geimpft zu sein.
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„Lasst mich erst mal ‚peace and love‘ sagen“, begrüßt Ringo Starr 110 Journalisten zu einer von seiner Managerin Elizabeth Freund moderierten virtuellen Pressekonferenz. In der Pandemie hat Ringo eine EP eingespielt, eine „Extended Play“-Platte, quasi ein halbes Album. „Zoom In“ heißt sie, erscheint am Freitag (19. März) und überhaupt will er künftig dieses Eine-Handvoll-Songs-Format bevorzugen, das schon die Beatles bedienten. „Sagt’s nicht weiter, ich arbeite schon an EP Nummer zwei.“ Er lacht.

Ringo macht Musik – mit ein wenig Hilfe vieler Freunde

Richard „Ringo Starr“ Starkey war bei „Zoom In“ Produzent, Schlagzeuger und Sänger. Und viele Freunde singen mit – beispielsweise Lenny Kravitz, Dave Grohl, Sheryl Crow und Ringos früherer Mitbeatle Paul McCartney, der im Homeoffice vor der Kamera noch ein kleines Plüschnagetier schwingt. „Ich glaube“, sagt Ringo Starr, „jeder hielt in diesen Zeiten danach Ausschau, irgendetwas zu tun.“ „Here’s to the Nights“ ist ein Lied über Freunde, das Feiern und die Kraft der guten Erinnerungen und wurde vorab ausgekoppelt.

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Fast alle Songs auf „Zoom In“ sind fürs positive Denken in Zeiten, in denen das ob der schwarzen pandemischen Weltwolke und der Lockdownkaskaden zunehmend schwerfällt. Nein, als thematisches Werk sei es nicht geplant gewesen, er habe Songs angefragt, starke Songs seien gekommen, man habe sie nach und nach eingespielt, sie seien alle „peace and love“. Um dafür ein wenig die Trommel zu rühren, hat der inzwischen 80-jährige Schlagzeuger (und Bandleader von Ringo Starr’s All Starr Band) zu diesem Meeting geladen. Kurz nach 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit blickt man denn also direkt in Ringos morgendliches kalifornisches Heim.

Corona-Sessions: „Wenigstens konnten wir einander fühlen“

Im schwarzen Sweatshirt, eine Kette mit dem Peace-Zeichen um den Hals, sitzt Ringo Starr vor einer weißen Wand, an der eine Regenbogen- und eine Sternengitarre hängen, hinter ihm steht ein Keyboard. Hier in seinem Homestudio wurde die EP aufgenommen. „Das war schon eine verrückte Art, eine Platte zu machen.“ Wenn Ringo etwas aufnehmen wollte, musste erst Produzent Bruce Sugar rüberkommen und das System starten. Denn: „Ich habe keine Ahnung, wie man das macht.“ Es sei auch niemals eine komplette Gang am Musizieren gewesen, immer höchstens zwei Musiker mit Masken auf Distanz, vorher getestet, „wir waren vorsichtig“. „Wenigstens konnten wir einander fühlen“, sagt Ringo.

Reggae, Blues, Rock und Pop sind die stilistischen Ingredienzen von „Zoom In“. Die Lieder sind allesamt eingängige Singalongs. Ringo spendet im bluesigen „Zoom in Zoom out“ Trost in Zeiten des Isoliertseins – „wir sind alle verbunden“. Zum Offbeat von „Waiting for the Tide to Turn“ (mit Nathan East am Bass) singt er das Hohelied von Bob Marley und Burning Spear, dass der Tag mit „Reggae music“ besser wird, und dass das Licht am Tunnelende das der Hoffnung ist. Freilich – und dabei helfen ihm die Toto-Mitglieder Steve Lukather und Joseph Williams an Gitarre und Keyboard – räumt Ringo auf der poppigen Abschlussnummer, dem Song, der es als letztes auf die EP schaffte, ein, dass es „Not Enough Love in the World“ gebe, es um „peace“ und „hope“ ähnlich bestellt sei, dass man deshalb aber sein „Herz nicht verschließen“ dürfe.

Es gab keinen Druck, keinen Abgabetermin, alles sei total relaxt gewesen. „Wir spielten, machten andere Dinge, nein, wir konnten ja gar nichts anderes machen.“ Er seufzt. „Ich habe mein Haus in diesem Jahr nur achtmal verlassen.“ Dabei war 2020 voller Pläne gewesen. Die große Feier seines 80. Geburtstags fiel ins Wasser, die Familie konnte nicht nach Los Angeles kommen, zwei Tourneen der All Starr Band wurden gecancelt.

„Noch nie habe ich Kinder und Enkel so lange nicht um mich gehabt“

Was sich nun 2021 fortsetzt: „Wir wollten erst in Mai und Juni loslegen, dann dachten wir, wir kriegen es für September und Oktober hin. Das habe ich vor zwei Tagen abgesagt.“ Er warte auf 2022, um wieder „on the road“ zu sein, und verspricht seinen Fans für die Zeit davor noch so vier bis fünf EPs. „Noch nie habe ich meine Kinder und Enkel so lange nicht um mich gehabt. Immerhin: Heute hat mir meine Enkelin ein kleines Video mit meinem Urenkel geschickt, der mein Lied singt. Die BBC spielt es – danke sehr. Aber ja – es ist hart.“

Ringo wirkt heute in seinem Studio nicht viel älter und anders als auf dem Cover seines Debütalbums „Sentimental Journey“ von 1970. Noch immer löst sein Anblick Gefühle aus, die über das bloße „Hey, da sitzt jetzt aber mal eine Legende“ hinausgehen. Er war immer „unser“ Beatle mit dem Seehundblick, der spontane Fürsorge- und Trostimpulse auslöste. Aber er war auch der fröhliche Beatle, dem jederzeit ein trockener Britwitz im Kopf herumzugeistern schien und mit dem man sofort losgezogen wäre, um ein paar Pints kleinzukriegen. Das ist jetzt zumindest theoretisch möglich: „Ich habe beide Impfungen – ich kann mit euch allen hier auf dem Bildschirm abhängen.“ Er lacht.

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Bei welcher Band er mehr gewachsen sei, bei der All Star Band oder den Beatles, will jemand wissen. Und Ringo Starr verweist auf Rory Storm & The Hurricanes, mit denen er vor seiner Beatles-Zeit in den Hamburger Etablissements die Nächte durchspielte. Zwei Bands, die Beatles und die Hurricanes im selben Club, zwölf Stunden Rock ’n‘ Roll live, das habe ihm viel gebracht. Ob das Plattenmachen sich seit den Beatles-Tagen stark verändert habe, fragt ein anderer, und da macht Ringo Starr ein „Echt jetzt?“-Gesicht. „Wir haben Hammer und Meißel verwendet, als ich mit dem Plattenmachen anfing“, juxt er, freut sich aber, dass genau diese Platten Generationen später immer noch angesagt sind.

Ringo freut sich auf Peter Jacksons Beatles-Doku „Get Back“

Und er freut sich vor allem auf Peter Jacksons Beatles-Doku „Get Back“ über die Sessions zum Album „Let It Be“, die im August anlaufen soll. Nur sieben Minuten habe die alte Doku von Michael Lindsay-Hogg 1970 vom berühmten Beatles-Dachkonzert gezeigt. „Auf dem Dach mit Peter sind es 43 Minuten.“ 56 Stunden nicht verwendetes Dokumaterial seien gesichtet worden und hätten Ringo bestätigt, dass die Sessions eben nicht von Zergelei und Miesepetertum zwischen zwei der Beatles bestimmt gewesen seien. „Wir lachten viel und hatten viel Spaß.“ Er müsse es wissen, schließlich sei er dabei gewesen.

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Damals bei den Beatles schrieb er seine beiden Singalongs „Don’t Pass Me By“ und „Octopus’s Garden“. Aber er sang auch Lennon-&-McCartney-Songs wie „Yellow Submarine“, das Beatles-Lied, das bis heute Babys schon im Laufstall mitkrähen können. Und natürlich „With a Little Help from My Friends“ von „Sergeant Pepper“, das auch eine Art Lebensmotto des Liverpoolers wurde. Seine Fab-Four-Freunde halfen immer wieder mal bei Songwriting und im Studio mit und veredelten damit Ringos Alben zu Ex-Beatles-Tummelplätzen.

Alben, die dezent philosophisch „Stop and Smell the Roses“ (1981), „Time Takes Time“ (1992) oder „Choose Love“ (2005) hießen. Ringo war immer für das Gute und Besondere zu haben. Seine Best-of-Platte „Blast from the Past“ trug 1975 nicht den üblichen aufgeschnittenen Granny-Smith-Apfel des Apple-Labels. Sondern – einmalig – ein knackig rotes, rundes Märchenobst. Und auf dem Cover des Albums „Goodnight Vienna“ entstieg er 1974 einem Ufo – die Hand zum Gruß erhoben – als Klaatu aus dem Film „Der Tag, an dem die Erde stillstand“, sinnigerweise der erste „Peace and love“-Außerirdische der Filmgeschichte.

„Peace and love“ sind wie ein Paddel im Ozean

„Peace and love“, das kommt oft während der Pressekonferenz, ist aber keine Floskel, nichts Dahergesagtes für ihn. „In den vier Sekunden, in denen ich das sage, denke ich auch wirklich nur an Frieden und Liebe“, sagt er. Man könne das niemandem aufzwingen, es liege an jedem selbst. Mit diesen Gedanken sei es aber „wie mit dem Paddel im Ozean, die Kreise breiten sich weiter und weiter aus“.

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Dann hat er die Idee, dass zum Abschied auf drei alle 110 Journalisten dieser weltweiten Pressekonferenz „peace and love“ sagen und das Friedenszeichen zeigen könnten. Ringo Starr, der eigentlich Richard Starkey heißt, umarmt einen mit seinem Optimismus. Und man macht mit, hat das Gefühl, den Traum des Mannes, dessen bürgerlicher Name sich auch mit „Sternenschlüssel“ übersetzen ließe, mitträumen zu können. Man fühlt sich buchstäblich aufgeschlossen von Ringo. „Jetzt würde ich gern Fotos von euch machen, Screenshots“, feixt der Technikabholde. „Bloß weiß ich nicht, wie so was geht.“

Ringo Starr – „Zoom In“ (Universal) erscheint am 19. März

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