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  • „Respect“ im Kino: Jennifer Hudson als Aretha Franklin mit toller Vorstellung

Kino-Biopic „Respect“ – Aretha, die vereinnahmte Königin

  • In den Sechzigerjahren stieg der Stern von Aretha Franklin auf – sie wurde die Queen of Soul.
  • Musicalregisseurin Liesl Tommy erzählt das von Tragik und Unterdrückung geprägte Leben der legendären Sängerin anrührend.
  • Aretha-Darstellerin Jennifer Hudson gibt in „Respect“ (Kinostart am 25. November) eine beeindruckende Vorstellung.
Martin Schwickert
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Seit ihrem Tod im August 2018 wird die unangefochtene „Queen of Soul“ Aretha Franklin (1942–2018) im Medium Film auf vielfache Weise wieder zum Leben erweckt. Den Anfang machte der faszinierende Dokumentarfilm „Amazing Grace“ (2018), der die Liveaufnahme von Franklins populärstem Album 1972 in der „New Temple Missionary Baptist Church“ in Watts, Los Angeles, verfolgte. Im Sommer dieses Jahres folgte auf Disney+ die Serie „Genius: Aretha Franklin“, die sich über acht Episoden entlang verschiedener Songtitel durch einzelne Aspekte und Lebensphasen in Franklins Biografie klickte. Die fabelhafte Cynthia Erivo überzeugte hier in der Titelrolle mit Charisma, Sensibilität und brillanten Gesangseinlagen.

Aber damit nicht genug. In „Respect“ bereitet nun Regisseurin Liesl Tommy das Leben der Souldiva noch einmal für die große Kinoleinwand auf – und da gehört es auch hin. Das Drehbuch von Tracey Scott Wilson wirkt auf den ersten Blick etwas konventionell und wandert anhand einer linearen Stationendramaturgie durch Franklins wendungsreiche Biografie.

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Der Film beginnt mit der zehnjährigen Aretha (Skye Dakota Turner), die am Samstag mitten in der Nacht von ihrem Vater C. L. Franklin (Forest Whitaker) geweckt wird. Unten im Wohnzimmer ist die Party in vollem Gange. Artig grüßt Aretha im Vorbeigehen Onkel Duke (Ellington), Tante Ella (Fitzgerald) und Tante Dinah (Washington), bevor sie mit einer Verve, die weit über ihr Alter hinausgeht, „My Baby Likes to Bebop“ zum Besten gibt. Mit ähnlicher Inbrunst singt sie sonntags in der baptistischen Kirchengemeinde, wo ihr Vater als prominenter Prediger auf der Bühne steht und seinen Freund Martin Luther King Jr. (Gilbert Glenn Brown) als Gast begrüßt. Aretha wächst mitten im musikalischen, religiösen und politischen Adel der afroamerikanischen Community auf und C. L. führt seine hochbegabte Tochter nur zu gerne vor.

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Nach einer Vergewaltigung bekommt Aretha mit zwölf Jahren ein Kind

„Deine Stimme gehört nicht deinem Vater. Sie gehört niemandem außer Gott“, sagt die Mutter, die seit der Scheidung im fernen New York wohnt und noch vor Arethas elften Geburtstag stirbt. Ein Jahr später folgt ein weiteres, traumatisierendes Erlebnis: Ein Partygast vergeht sich an dem Mädchen, das bereits im Alter von zwölf Jahren ein Kind und mit 14 das zweite Kind zur Welt bringt.

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Regisseurin Tommy zeigt diese Ereignisse mit einer angemessenen Diskretion, nicht um das Pu­blikum zu schonen, sondern aus Respekt gegenüber dem Missbrauchsopfer. Aber diese schweren Kindheitstraumata sind prägend für den weiteren Lebensweg Arethas, deren Talent in den frühen Jahren ihrer Karriere maßgeblich von zwei Männern vereinnahmt wird: Ihr Vater besorgt ihr einen lukrativen Plattenvertrag bei Columbia Records und führt seine Tochter beim Vorstellungsgespräch wie ein Zirkustier vor. Um dem dominanten Vater zu entfliehen, stürzt sich Are­tha (Jennifer Hudson) in die Beziehung zu Ted White (Marlon Wayans). Der charismatische Alphamann kommt aus durchaus zwielichtigen Verhältnissen, übernimmt schon bald wenig fachkundig das Management und neigt auch in der Ehe zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Bei Atlantic Records findet Aretha Franklin ihren Sound

Acht Jahre braucht Franklin, um sich aus der gewalttätigen Beziehung zu lösen. Derweil engagiert sie sich zunehmend in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und wechselt zu Atlantic Records, wo sie mit Produzent Jerry Wexler (Marc Maron) und einer Gruppe von hippen, weißen Musikern im Studio ihren eigenen Sound findet. Aber auch der lässige Wexler ist einer der Männer, die Franklin für ihre Zwecke zu manipulieren versuchen. Als Are­tha darauf besteht, 1972 in einer baptistischen Kirche ein reines Gospelalbum aufzunehmen, erklärt er sie für verrückt. Die Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln markiert für die Sängerin eine spirituelle Aussöhnung mit der eigenen Vergangenheit.

Mit dem Konzert in der „New Temple Missionary Baptist Church“ endet der Erzählbogen von „Respect“, in dem eine Emanzipations- und persönliche wie ­musikalische Selbstfindungsgeschichte vorgeführt wird. Dass der Film, dessen Hauptdarstellerin von Franklin noch zu Lebzeiten abgesegnet wurde, an diesem Narrativ nicht erstickt, liegt daran, dass er maßgeblich über die Musik erzählt wird. Regisseurin Tommy kommt aus der Musicalbranche und das merkt man ihrem Kinodebüt wohltuend an. Die Allgegenwart von Musik in Franklins Leben, einzelne Songs und ihre Entstehung nehmen gefühlt ein Drittel der 145 Filmminuten ein.

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Besonders gelungen sind die Szenen im Studio oder zu Hause am Klavier mit den Schwestern als Backgroundsängerinnen, in denen die Songs im kollektiven Musizieren Gestalt annehmen. Grandios sind natürlich auch die glamourösen Konzertauftritte, wo die begnadete Jennifer Hudson mit ihrer eigenen Interpretation der Soulklassiker auch die Herzen des Publikums im Kino zum Fliegen bringt.

„Respect“, Regie: Liesl Tommy, mit Jennifer Hudson, Forest Whitaker, Marlon Wayans, 145 Minuten, FSK 12

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