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Rassismus und Blackfacing als Teil der Comedy - Immer mehr Komiker reflektieren alte Gags

  • Früher lustig und jetzt peinlich?
  • Comedians wie Bernhard Hoëcker, Kaya Yanar und Anke Engelke setzen sich kritisch mit früheren Gags auseinander.
  • Dabei geht es zum Beispiel um da Thema Blackfacing.
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Baden-Baden. “Eigentlich müsste man den ganzen Zeitgeist, der damals herrschte, angreifen”, sagt der Comedian Kaya Yanar. Nicht nur er, sondern auch Bernhard Hoëcker und zuvor schon Anke Engelke gehen mit früheren eigenen Sketchen hart ins Gericht. Meist geht es dabei um sogenanntes Blackfacing - also darum, dass sich weiße Menschen schminken, um schwarze Menschen stereotyp darzustellen, und die Hautfarbe damit zu einer Verkleidung degradieren. In den USA oder auch Großbritannien gibt es solche Debatten schon länger.

"Natürlich war auch schon 2006 das Blackfacing nicht in Ordnung, deshalb ist es durchaus eine Frage, kann man sich diese Sachen von früher mit dem Wissen von heute völlig unbedarft ansehen", sagt Hoëcker in der neuen SWR-Show "Walulis Woche" vom Sonntag, die seit Donnerstag in der ARD-Mediathek abrufbar ist.

“Comedy soll das Gehirn anregen”

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"Eine Möglichkeit wäre: Wir löschen das Ganze", führt Hoëcker (50) aus. "Aber dann gibt es keinen Grund mehr, darüber nachzudenken. Aber genau das ist es, was Comedy, was Parodie, was Unterhaltung auch soll - das Gehirn anregen." Hoëcker bezieht sich auf einen Sketch der ProSieben-Sendung "Switch reloaded" mit Michael Kessler als Florian Silbereisen und Hoëcker als Rapper 50Cent - schwarz geschminkt. Darin fallen auch rassistische Begriffe für Schwarze.

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Auch Kaya Yanar (47) geht in der SWR-Sendung kritisch auf Sketche ein, in denen er sich dunkel schminkte. "Diese ganze Diskussion, die finde ich großartig. Die zwingt uns Komiker dazu zu reflektieren. Und 20 Jahre später zu sagen: Hey, was du damals gemacht hast, das geht nicht mehr", sagt Yanar. "Es ist natürlich einfach, eine einzelne Person anzugreifen, aber eigentlich müsste man den ganzen Zeitgeist, der damals herrschte, angreifen, was natürlich viel schwieriger ist."

Die Sendung "Warum Comedy-Helden jetzt gelöscht werden sollen" aus der Showreihe "Walulis Woche" mit Philipp Walulis zeigt auch frühere Darstellungen von Oliver Pocher, Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka und Anke Engelke, in denen meist der einzige Witz das Aussehen oder der Akzent sind - oder eben anders zu sein als ein weißer Deutscher.

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Engelke: “Einige Parodien würd ich nicht mehr machen”

Engelke hatte vor zwei Wochen in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Blackfacing, Yellowfacing - einige Parodien würde ich nicht mehr machen." Heute würde sie diese Rollen anders angehen, immer abchecken, ob Menschen betroffen seien, die struktureller Ausgrenzung oder Rassismus ausgesetzt seien. "Ich finde es gut, wenn wir heute ein anderes Bewusstsein haben."

Die SWR-Sendung reflektiert das Thema ausführlich zwischen den Extrempolen "Cancel Culture" (alles löschen) und "Humor darf alles" (Verharmlosung) und erklärt auch den oft vernachlässigten Unterschied zwischen Thema und Ziel eines Witzes - also ob Rassismus beispielsweise nur als Lacher dient oder aber entlarvt wird.

Auch die 90er-Jahre-Comedians Erkan und Stefan kritisieren sich selbst. Sie sagen: "Wir haben damals mal öfter das Wörtchen schwul verwendet für Dinge, die uncool waren oder die uns nicht männlich genug waren. Das würden wir heutzutage natürlich nicht mehr so tun. Heute sagen wir nicht mehr schwul, sondern etwas viel Differenzierteres: nicht schwul, sondern vegan."

Moderator Walulis sagte vergangene Woche in einem "DWDL.de"-Interview, er habe "festgestellt, dass wenn ich eine Diskussion über etwas anregen will, es nicht zielführend ist, den Leuten die eigene Meinung als einzig wahre entgegenzuschreien und dann im Zweifel alle Kritiker ans heilige Twitter-Kreuz der reinen Lehre zu nageln. Da machen die Leute innerlich sofort zu und es kommt kein Gespräch oder Nachdenken zustande."

RND/dpa

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