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Pop 2020 – neue Alben von Dion, Peter Gabriel, Haftbefehl

Ihr Song “Walking in The Snow” scheint die Geschichte von George Floyd zu erzählen: El-P (Jaime Meline, links) und Killer Mike (Michael Render) sind Run The Jewels und rappen auf ihrem neuen Album auch über Polizeigewalt in den USA.

Sammy Brue – ein 18-Jähriger, zu Großem berufen

Die Gitarrensaiten schrammeln, die leicht weinerliche Stimme klingt verzerrt wie von frisch verkratztem Vinyl. “Ich warte darauf, dass das Teenagechaos hereinbricht”, schreit Sammy Brue. Und dann klatscht dem Hörer mit dem Song “Teenage Mayhem” auch gleich ein punkiges Rock-’n’-Roll-Gewitter ins Gesicht, um ihm klarzumachen, dass alles Chaos natürlich längst am Wirbeln ist und der Sänger allenfalls gerade im Auge des Sturms verschnauft. Im galoppierenden “Die Before You Live” geht es darum, dass gute Dinge wie die Liebe oder die Band nicht ewig halten, dass einen ihre Verluste schier umzubringen scheinen, dass man – hey! - aber (meist) mit dem Leben davonkommt: “Ruhet in Frieden, meine Trauertage”, ruft Brue den üblen Erfahrungen hinterher.

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Der 18-jährige Youngster aus Odgen, Utah, fing mit dem Liederschreiben an, als er zehn Jahre alt war, war im US-Livezirkus schon vor seinem 15. Geburtstag ein Kollateralbegriff und zählt mittlerweile zu den erklärten Lieblingen von Americana-Koryphäen wie Lucinda Williams und Justin Town Earle. Mit “Crash Test Kid”, entstanden unter Regie und Co-Autorenschaft des irischen Songwriters und Jake-Bugg-Produzenten Iain Archer, legt er schon seinen zweiten Longplayer vor – ein raues, ungeschliffenes, temperamentvolles folkrock’n’rolliges Liederbuch über apokalyptische Zeiten und wie man in ihnen besteht. Ein Album mit großen Liebeserklärungen wie “True Believer”, Zweite-Chance-Postulaten wie “Pendulum Thieves” und dem zu einem Meeresgrundpiano und Wehmutsstreichern gesungenen Titelsong über einen, der zum Verlieren verdammt scheint, aber nicht klanglos untergehen möchte (und es gewiss auch nicht wird). In dem gezupften Handclapper “Gravity” sagen die Leute zu Sammy: “Du führst nicht, du folgst nur.” Und er antwortet: “Ich fühle da keine Schwerkraft.” Eindeutig zu Größerem berufen!

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Sammy Brue – “Crash Test Kid” (New West Records)

Mt. Joy – das Quintett für positive Botschaften

Hab Vertrauen ins Gute, lass deine Liebe durchscheinen, lass los, wachse! Sänger Matt Quinn, Gitarrist Sam Cooper, Bassist Michael Byrnes, Drummer Sotiris Eliopoulos und Tastenfrau Jackie Miclau, verwurzelt in Philadelphia, sesshaft in Los Angeles, haben diese und noch mehr positive Botschaften für ihre Fans. Mit dem Zweitling ihrer Band Mt. Joy haben sie ein Sonnen- und Wonnenalbum aufgenommen, ein folkbasiertes, selbstreflexives Hoffnungs-, Trost- und Umarmungswerk in Zeiten, in denen uns die Musik umarmen muss, weil wir, naja, einander besser nicht umarmen. Dass Fledermäuse und Gürteltiere den bunten Freudenberg auf dem Cover umschwirren, ist vermutlich eher dem Zufall geschuldet als ein Bezug auf die aktuelle Weltseuche, es umkreisen den Hügel schließlich auch Pelikane, Papageien, Raben, Phönixe und Vogelmenschwesen.

Manchmal bekommt Quinn, der Mann mit dem Vibrato, die Zähne beim Singen der melodieschönen Songs kaum auseinander (“Us”), dann wieder steigt er in ein klares, elysisches Falsett (das bluesige “Let Loose”). Sakral anmutende Chöre zu Beginn des temperamentvollen “Come With Me” oder die elegischen Hörner zum Ende von “Every Holiday” – Mt. Joy servieren dem Hörer auf “Rearrange Us” noch mehr Verspieltheit als auf ihrem Debüt vor zwei Jahren. „"Es ist immer Weihnachten, wo du bist", macht Quinn in “Acrobats” der Liebsten ein Kompliment, wozu sowohl poppige “ooh-la-las” als auch rockig schwirrende Indiegitarren gereicht werden. Aber jetzt kommt erstmal der Mundschutzsommer, bevor dann unterm Mistelzweig hoffentlich wieder geküsst werden darf.

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Mt. Joy – “Rearrange Us” (Dualtone Records)

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Kip Moores Songs sehnen sich nach Arenen

Der Ich-Erzähler des Songs kriegt sich nicht so recht in den Griff, hat ein unbesonnenes Herz, ist irgendwo zwischen Feuer und Flamme und hat immer noch nicht gefunden, wonach er Ausschau hielt. Tja, und so ist der Song “Fire and Flame” auch unverkennbar ein kleines Brüderchen von U2s “I Still Haven’t Found What I’m Looking For” geworden – ganz ansehnlich, durchaus mit religiösem Schmuckwerk aber insgesamt weder in Text noch Melodie so bezwingend wie das Original. Kip Moore, Songwriter aus Georgia mit musikalischer Basis Nashville, hat mit “Wild World” eine klassische, leicht kantige Countryrockscheibe vorgelegt, bei der die Betonung des Öfteren auf “-rock” liegt und bei der sich alle Midtemporocker und Balladen ausnahmslos nach großen Konzertarenen sehnen.

“Wild World” klingt nach Bryan Adams meets Bon Jovi und Smokie und enthält rustikale Texte. Da ist “Red White Blue Jean American Dream”, in dem der uns wie ein Americafirster erscheinende Protagonist den Eiffelturm in Paris, Texas, besteigen will. Er braucht die außeramerikanische restliche Welt (hier Dublin) nicht zu sehen, solange er nur sein Baby im Auto neben sich hat. “Glaub‘ nicht so sehr an den Dollar”, hat die irgendwo zwischen Binsenweisheiten und Platitüden steckengebliebene Mom dem Helden des Titelsongs empfohlen, “aber sei stolz auf deinen blauen Arbeiterkragen.” Und wenn Moore in “She’s Mine” davon ausgeht, dass irgendwo auf der Welt schon das richtige Mädel auf ihn wartet, formuliert er das in “She’s Mine” besitzergreifender und weit weniger humorvoll als das einst sein Berufskollege Wreckless Eric in “I’d Go the Whole Wide World” tat. Die Texte sind leider oft flach und manchmal so mackerhaft, dass sie nur in schlimmeren Truckerkneipen verfangen könnten. Es scheint also, als habe der 40-Jährige Moore nicht wirklich viel zu sagen, aber wie er das tut – ist in Stimme, Arrangement, Melodien und Sound das Hinhören wert.

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Kip Moore – “Wild World” (MCA/Snakefarm Records)

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Erstes Haftbefehl-Abum seit fünf Jahren

Prince und Jay-Z hatten ihr “black album”, die Beatles ihr weißes und ein solches veröffentlicht jetzt auch der Offenbacher Rapper mit dem Krawallnamen Haftbefehl. Der Mann dessen “babo” (für Boss oder Vater) zum Jugendwort des Jahres 2013 wurde, legt mit “Das weiße Album” seinen ersten Longplayer seit fünf Jahren vor. Der Mann ist inzwischen 34, seine Welt ist schon lange nicht mehr die, in der er als Jugendlicher in Konflikt mit dem Gesetz geriet. In den Teilen “IV”, “V” und “VI” seines “1999”-Zyklus arbeitet Aykut Anhan die einstige Abwärtsspirale auf, in die er mit 14 Jahren geraten war. “Gib mir eine Tonne weiße Ziegelsteine und ich bau ein Iglu / Ich hab‘ mehr Weiß gesehen als ein Eskimo”, rappt er zum Beginn des Albumöffners “Bolon” und gemeint ist mit der Albumfarbe natürlich Kokain, “kolumbianische Ware”.

Die Sprache ist nicht stubenrein, Worte werden gebellt, aber in der alten Härte sind neue Zweifel spürbar, der Beat von “Bolon” ist schleppend, der Sound dunkel, ja fast traurig. Der erste Eindruck täuscht aber – hier wird kein Büßer auf Albumlänge beim Mea-culpa-Sprechgesang belauscht, hier regiert das Selbstbewusstsein der Straße, hier fliegen auch die Fetzen und mit (beispielsweise) UFO 361 und Shirin David hat Haftbefehl sich für sein fünftes Album hitverdächtige Begleiter ins Studio geholt. Das Brett unter den 14 Nummern ist dann sein Duett mit Marteria. “Papa war ein Rolling Stone” heißt es, womit die beiden Deutschrapper keinesfalls ihre eigenen Altvorderen in der Band von Mick Jagger verorten (auch wenn der britische Kollege Erwähnung findet). Mit dem balladesken Song über einen Herumtreiber wenden sie sich vielmehr direkt an ihre Söhne. Papa musste kämpfen, ist verrückt, ohne Vater großgeworden, die Kripo hat vor der Tür gewohnt, Sternzeichen Lebemann, aber er hat aus seinen Fehlern gelernt. Eine Warnung mit Stolz: Bloß den Alten nicht alles nachmachen, der aber natürlich seinen (schweren) Weg zum Ruhm gegangen ist. “Hip-Hop war mein Rock ’n’ Roll”. Nicht zu verwechseln mit dem Funkklassiker der Temptations.

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Haftbefehl – “Das weiße Album” (Urban/Universal)

Reinhard Mey führt ins Haus seiner Kindheit

Nun ist es mit ein paar Wochen Verspätung da, und wir alle können es uns mit ihm behaglich machen, es einlegen, anhören, uns darin verlieren und in seinen Songs herumstromern. Das neueste Album des bundesrepublikanischen Meisterbarden Reinhard Mey ist wie der Titel verspricht ein Haus, in dem gute, fremde Erinnerungen wohnen, deren durchaus kräftiger Hauch Melancholie nicht selten auf einen überspringt, weil man seine eigenen Erinnerungen auch gern so klar in Worte fassen würde und weil man ein paar der Mey’schen Memoiren überhaupt gern sein eigen nennen würde. “Das Haus an der Ampel” (gemeint ist das Haus, das er als Kind mit der Familie bewohnte) ist ein Bauwerk geworden, das uns neugierig auf jedes Zimmer macht.

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Ob der inzwischen 77-Jährige Mey nun im Lied “In Wien” zurück in die frühen Tage seiner Karriere hinabtaucht, wo er mit dem Gitarrenkoffer und Lampenfieber antrat, ein Stück Welt zu erobern; und das Wunder erlebt, die eigene Stimme erstmals im Radio zu hören. Oder ob er im “Hotel zum ewigen Gang der Gezeiten” der leer und fade gewordenen Zweisamkeit eines alten Paares Worte und Musik zugesellt, um deren kaum erträgliches Warten auf das Ende zu illuminieren. In “An meinen Bleistift” lässt Mey den Hörer Liedermachers Werkstatt betreten und ihn mit dem Bild vom aufgebrauchten Stift bangen, es könne kein weiteres Album geben. Anflüge von Abschiede ließen sich ja nun aber schon auf vergangenen Mey-Platten finden und solange man Bleistifte spitzen kann, aus denen dann gefühlige, zuweilen auch sentimentale Poeme wie der Titelsong, das beschwingte “Häng dein Herz nicht an deinen Hund” oder das Liebeslied “Bleib bei mir” an seine große Liebe Hella aufs Papier fließen, wird es wohl weitergehen.

Eine zweite CD heißt “Skizzenbuch” und enthält intimere Basisversionen der Lieder zur Klampfe. Der Mann ist und bleibt Herzensklempner von Beruf. Ein dreifach hoch ihm und den nimmermüden Musen, die ihn seit mehr als 50 Jahren umschwirren.

Reinhard Mey - “Das Haus an der Ampel” (Universal)

Someday Jacob erzeugen kalifornische Atmosphäre

Alles hier duftet nach Holz, alles hier schmeckt nach sonnengewärmten Äpfeln und Orangen, alles fühlt sich herrlich old-fashioned kalifornisch an! Crosby, Stills & Nash lassen in dem guten Dutzend Songs von “Oxygen Will Flow” grüßen, die Byrds und ihre Epigonen die Jayhawks aus Minnesota (der “Tomorrow the Green Grass”-Phase) grüßen mit und, hey, da glitzern doch glatt die in London gegründeten America, das Folkrock-Trio, das Produzent George Martin nach dem Ende der Beatles unter seine Fittiche nahm. Und irgendwo zwischendrin, im Song “Grenade Ravine”, befindet man sich – jedenfalls vom Beat her – plötzlich in den imaginären “dutch mountains” der niederländischen Indietruppe The Nits.

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Das alles und noch viel mehr findet sich auf diesem neuen, kostbar produzierten Album von Jörn Schlüters Band Someday Jacob. Die gar nicht kühlen Hanseaten aus Bremen und Hamburg bringen einen tröstlichen Soundtrack mit trauten Melodien, sanft hallenden Gesängen und nachdenklicher, zuweilen verrätselter Lyrik, mit traumgebogenen Lapsteeltönen und japsenden (jawohl!) Saxofonen – akustische Labsal für den Sommer 2020, in dem man bei “oxygen” nur noch an Leute in Bauchlage denkt, die abgedichtet und ins Koma versetzt in Intensivstationen Sauerstoff in ihre kaum aufnahmebereiten Lungen gepresst bekommen. Hier ist ein Fluchtpunkt San Francisco 2.0 mitten im Schland. “Ich bin immer auf der Flucht”, singt Schlüter denn auch in der zarten Klampfenpretiose “Always on the Run”. Warte eine Sekunde, wir kommen mit!

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Someday Jacob - “Oxygen Will Flow” (Haldern Pop Recordings)

Ashley McBryde trotzt allen Zweiflern

Eine Gitarre knurrt und grollt zum Auftakt von “Hang in There Girl”, fast so, als wär’s ein Stück von Bruder Keith. Rollingstonesk beginnt “Never Will”, das neue Album von Ashley McBryde, der authentischen Countryfrau mit der weißen Bonnie-Raitt-Strähne im dunkellockigen Haar, die bei den amerikanischen Country Music Association Awards 2019 nach ihrem spektakulären Debüt “Girl Going Nowhere” zum “New Artist of the Year” gekürt wurde. Unter Studioregie von Jay Joyce packt die 36-jährige Sängerin/Songwriterin aus Arkansas auf ihrem zweiten Major-Label-Album erneut eine satte Dosis Rock ’n’ Roll in ihren Countrysound. Das schläfrig anhebende “Shut Up, Sheila” über eine Familie, die sich den Abschied von der sterbenden Großmutter nicht durch die christlichen Anwandlungen einer Evangelikalen verderben lassen will, wandelt sich so zur veritablen Rockhymne inklusive Gitarrensolo.

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Es gibt Kleinstadtgeschichten wie das klassische Countrylamento “One Night Standards”" und das treibende “Martha Divine” über eine Tochter, die der Frau, die sich zwischen Mutter und Vater drängt, alles Böse verspricht. Und es gibt versteckte Memoiren wie die Ballade “Stone” für die zahllosen Soldaten mit posttraumatischem Belastungssyndrom. McBrydes Bruder war einer von ihnen, er beging 2018 Selbstmord. “Das erste, nach dem ich mich streckte / ist das Letzte was ich brauchte”, singt McBryde über ihre Karriere in “First Thing I Reached for”. Und im Southern-Rock-Track “Never Will” erinnert McBryde an die, die ihr, angefangen von einer Lehrerin, prophezeiten, es niemals zu schaffen: “Ich könnte hier die Namen und Gesichter der Leute auflisten, die das gesagt haben / aber ich will ihnen keinen Credit gönnen.” Ein akustischer Mittelfinger.

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Ashley McBryde - “Never Will” (Warner)

Run The Jewels rappen über Polizeigewalt in den USA

Ist es zu glauben? “Und jeden Tag füttern sie dich in den Nachrichten mit Angst – ganz umsonst / Und du bist so stumpf geworden, dass du dem Cop dabei zuschaust / wie er einen Mann wie mich erstickt / Bis meine Stimme von einem Schrei zu einem Flüstern wird – ‘Ich kann nicht atmen’ .” Dieser Song heißt “Walking in the Snow”, klingt wie ein Epitaph auf den in der vorigen Woche von einem Polizisten in Minneapolis ermordeten George Floyd und ist auf “RTJ4” enthalten, dem neuen Album des Hip-Hop-Duos Run The Jewels aus Atlanta und New York. “Maximal erwähnst du es auf Twitter und nennst es eine Tragödie”, bringt Killer Mike dann sogleich die abgegriffenen Social-Media-Betroffenheitsrituale ins Spiel.

Killer Mike und El-P gehören zu den relevanten Hip-Hop-Acts der USA, die nicht nur selbstreflexiv sondern richtig brisant sprechsingen, die sich mit Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft auseinandersetzen, und dem Land unter dem Brandstifter im Oval Office auf den faulen Zahn fühlen. Und allein für dieses Stück lohnt es schon, sich das Album ins Regal zu stellen (ein physischer Tonträger ist allerdings erst für den Herbst geplant). Fette Bässe gibt’s indes in voller Albumlänge und mit Rage-Against-The-Machine-Frontmann Zack de la Rocha eine richtige (Rap-) Rocklegende als Partner beim Song “Ju$t”. Der Kreis schließt sich: Der RATM-Klassiker “Killing in the Name” über den Fall Rodney King 1991 gehört bis heute zu den großen Protestsongs über Polizeiwillkür und Rassismus.

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Run The Jewels – “RTJ4” (BMG/Warner)

Peter Gabriel lädt zum Filmmusikabend

Peter-Gabriel-Fans können ihre Lücken schließen. Auf der Disc “Rated PG” (ursprünglich zum Record Store Day 2019 veröffentlicht) werden musikalische Beiträge des ersten Genesis-Sängers zur Filmgeschichte versammelt. Der Brite mit der zartrauen und zugleich flehentlichen Stimme hat eine eigenwillige Auswahl an Filmen getroffen, zu denen er Songs beisteuerte, aber jede “Arbeit” ist mit der gleichen Akribie erbracht wie die Musik seiner Alben. Die muckelig-festliche Irish-Folk-Ballade “That’ll Do” (in ihrer Langversion), die er hier mit Chieftains-Chef Paddy Moloney und der Black Dyke Mills Band aufführt, war für das Sequel zu “Ein Schweinchen namens Babe” und lässt es einem mitten im Jahr adventlich ums Herz werden. Das folgende “Down to Earth” mit dem Soweto Gospel Choir hat der Trickfilmfan Gabriel für den Pixar-Klassiker “Wall-E” eingespielt und die tieftraurige Coverversion des Magnetic-Fields-Songs “The Book of Love” stammt aus der mittelprächtigen J-Lo-Romanze “Darf ich bitten?” (und ist in einer alternativen Version zu der Variante auf Gabriels Album “Scratch My Back” zu hören). Als rangerster westlicher Protegé der Weltmusik tritt Gabriel bei dem ekstatischen “Taboo” in Erinnerung, einer Zusammenarbeit mit dem 1997 verstorbenen pakistanischen Sänger Nusrat Fateh Ali Khan für die Filmmusik zu Oliver Stones auf einer Tarantino-Story basierendem Skandalthriller “Natural Born Killers”. Das rhythmische “This Is Party Man” aus dem Sci-Fi-Film “Virtuosity” (mit Denzel Washington) liegt hier in einer alternativen Version vor.

Die Ausbeute für den Fan auf “Rated PG” ist enorm – alles hier ist rar oder bislang unveröffentlicht. Für hinlänglich bekannte Songs wie das epische “Biko”, das 1987 den Soundtrack zu Richard Attenboroughs Politbiopic “Schrei nach Freiheit” begleitete und schon sieben Jahre zuvor auf einem Soloalbum Gabriels erschienen war, wird hier kein Platz vergeudet. Zwar schließt der Gabriel-Hit “In Your Eyes” von 1986 die Compilation ab – aber der Beitrag zu Cameron Crowes Drama “Teen Lover” ist anders als die bekannte vom Album “So”. Und jetzt? Geht das Warten auf das neue Studioalbum des Meisters weiter. “Up“” erschien 2002! Some guys take all the time!


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Peter Gabriel – “Rated PG” (Caroline)

Dion liebt den Blues, alle lieben Dion

Dion – den kennen Omi und Opi noch aus ihrer Musiktruhe. Er war in den Rock-’n’-Roll-Tagen der König des stimmschönen Doo-Wop. Mit den Belmonts hatte er in den Fünfzigerjahren Hits wie “I Wonder Why” und “A Teenager in Love”, ohne die Band beschrieb der Mann in Klassikern wie “Runaround Sue” und “The Wanderer” Herumtreiberinnen und Herumtreiber, deren Beats sich heute noch in den Liedern etwa von Meghan Trainor finden. Hierzulande geriet der Mann, der neben Bob Dylan auch auf dem Cover des Beatles-Überalbums “Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band” abgebildet ist, danach etwas aus dem Fokus. In den USA aber lieferte Dion de Mucci immer wieder gut abgehangene Alben mit Americana, gilt heute als Legende der ersten Generation wie Chuck, Jerry Lee, Little Richard, Elvis, Fats Domino und Buddy Holly.

Und so sind die Freunde, die auf dem Album “Blues With Friends” singen und spielen, auch die ganz großen Väter und Altväter des Popbiz: Paul Simon, Van Morrison, Bruce Springsteen samt Ehefrau Patti oder Brian “Stray Cats” Setzer. Joe Bonamassa spielt eine auf der ersten Single “Blues Comin‘ On” Gitarre, Springsteen greift auf dem herrlichen Folkgospel “Hymn to Him” in die Saiten, während Patti Scialfa sich mit Dion das Mikrofon teilt. Setzer lässt den Rockabilly auf “Uptown Number Seven” swingen, Billy “ZZ Top” Gibbons begleitet Dion bei “Bam Bang Boom”, der Geschichte, wie Dion einst seine Frau kennenlernte, und Jeff Beck steht ihm bei dem countrylastigen “Can’t Start Over Again” an den Saiten zur Seite.

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Einer der Höhepunkte ist das Duett mit Paul Simon – “Song for Sam Cooke (Here in America)”. Die hier versammelten Songs sind keine Bluesklassiker, sie wurden eigens komponiert, Dion ist ein Blues-Afficionado, seit er in seinen frühen Jahren Willie Dixon und Jimmy Reed coverte, aber er weiß auch mit dem Blues zu spielen, ihn mit anderen Genres zu verbandeln. So ist dies auch keine der oft langweiligen, pflichtschuldigen Jubiläumsversammlungen von Superstars. “Dion weiß, wie man singt”, schreibt Dylan in den Liner Notes. Und das gilt uneingeschränkt auch für den 80-Jährigen.

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Dion – “Blues With Friends” (Keepig The Blues Alive Records)

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