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Otto über Otto: „Ich werde einfach nicht ernst genommen“

„Catweazle“ ist der Magier seines Vertrauens: Otto spielt den Zauberer im Kino.

Wer Otto Waalkes vor sich hat, weiß nie so recht zu sagen, wo die Grenze zwischen dem Künstler und der Kunstfigur verläuft. Womöglich weiß er das selbst nicht. Seit fünf Jahrzehnten unterhält der 1948 in Emden geborene Komiker, Comiczeichner, Musiker, Schauspieler, Regisseur und Synchronsprecher die Republik mit seinen Witzen. Da sind Grenzen vermutlich schwer zu ziehen.

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Otto, Ihr Film „Catweazle“ soll die Leute zurück ins Kino bringen. Ist das nicht eine ziemliche Bürde auf den schmalen Schultern eines zeitreisenden Magiers?

Vor allem, da der Magier ein wenig schusselig ist, wird das nicht einfach. Aber „Catweazle“ war und ist nun mal der Magier meines Vertrauens – einen anderen kenne ich ja nicht. Viel schwieriger war es, diesen Film in Corona-Zeiten zu drehen – mit einem hochkomplizierten Hygienekonzept!

Welche Beziehung hatten Sie vor diesem Film zu dem Magier aus dem Mittelalter, den es versehentlich in unsere Gegenwart verschlägt?

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Ich habe die Fernsehserie in den Siebzigerjahren gesehen. Da war ich elf... oder zweimal elf... (Anmerkung d. Red.: Ottos Geburtsjahr ist 1948). Damals ist mir das noch nicht aufgefallen: Aber heute gibt es eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen ihm und mir, auch eine Seelenverwandtschaft. Catweazle steht dieser neuen Welt genauso ratlos gegenüber wie ich. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich den mal spielen soll.

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Wieso nicht?

Ich bin ja nicht Gert Fröbe, der mal eben von „Goldfinger“ in die Rolle von Räuber Hotzenplotz schlüpft. Ich bin gar kein richtiger Schauspieler. Ein Komiker braucht Freiraum, und den hatte ich: Catweazle mit Otto zu mischen – das ist eine brisante Mixtur mit einem Schuss Selbstbewusstsein.

Die Maske musste Ihnen also nur noch einen Zauselbart ankleben?

Na, ein paar Haare obendrauf mussten schon noch sein (lüpft seine gelbe Kappe und zeigt seinen kahlen Schädel, d. Red.).

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„Catweazle“ war vor einem halben Jahrhundert im Fernsehen Kult. Aber was sollen Kids im Jahr 2021 mit diesem komischen Typen anfangen?

Das Thema ist zeitlos: Fremdheit, Freundschaft, die Tücke des Objekts und die Treue der Subjekte. Die Botschaft ist aber nicht ganz so rätselhaft wie bei Christopher Nolans Zeitreisefilm „Tenet“: Den habe ich drei Mal gesehen und immer noch nicht verstanden. „Catweazle“ braucht man sich nur zwei Mal anzuschauen.

Fühlen Sie sich auf der Bühne manchmal wie ein Zauberer?

Guter Gedanke. Wenn man zweieinhalb Stunden allein vor Tausenden Menschen steht, und am Ende ist aus mir und dem Publikum eine Einheit geworden ... Das hat schon was Magisches. Um diesen Moment zu erleben, gehe ich immer noch auf die Bühne. Ich könnte längst in Rente sein. Aber mich erwarten immer neue Fans. Im Grunde bin ich auch ein Zeitreisender durch die Generationen.

Und wie ist das, wenn Kinder vor der Bühne mit ihren Handys rumfuchteln?

Stört mich nicht, Sie akzeptieren meine Arbeit. Sie nehmen alles auf, weil sie meine Wortspielereien auswendig lernen wollen. Die sind pädagogisch besonders wertvoll.

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Haben Sie einen Lieblingszauberspruch von Catweazle?

Sogar einen Zaubersong, Moment … wo ist denn meine Gitarre? (Das Instrument wird ihm ins Zoom-Bild gereicht. d. Red.). So geht der: „Ich bin der große Meister, der die Dunkelheit erhellt. Catweazle, ja so heißt er. Ich bin das Licht der Welt. Es braucht nur etwas magisches Geschick. Und dann kommt auch schon der Elektrik-Trick: An. Aus. An. Aus. Das ist der Elektrik-Trick.“

Wie unterscheiden Sie zwischen der Kunstfigur Otto und Otto Waalkes?

Gar nicht. Ob Otto eine Kunstfigur ist, bleibt mein Geheimnis.

Flüchten Sie vor unangenehmen Situationen in Ihren Humor?

Vorbeugen ist besser als flüchten. Danach habe ich mein ganzes Leben gelebt. Und es funktioniert. Immerhin kann ich mir den Pulli leisten, den ich mir immer gewünscht habe.

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Ist es nicht anstrengend, immer noch einen Witz draufzulegen?

Wenn´s mir schwer fiele, würde ich es lassen. Ich will gar nicht immer witzig sein. Aber man lacht über mich, ich werde einfach nicht ernst genommen.

Lachen Zuschauer heute noch über Ihre alten Gags?

Manches hat sein Verfallsdatum immer noch nicht erreicht. Zeitlose Nummern, zum Beispiel „Großhirn an Kleinhirn“, die kann ich immer wieder bringen. Machen Sie mir das etwa zum Vorwurf?

Niemals. Und was ist hoffnungslos veraltet?

Wer Kuli liebt und Frankenfeld: Der hat ein Recht auf Krankengeld.

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In den Siebzigern haben Sie mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen zusammen in einer legendären WG gelebt. Hatten Sie gemeinsam Spaß?

Das war die Villa Kunterbunt in Hamburg. Udo hat noch um 4 Uhr morgens auf sein Schlagzeug eingedroschen. Marius und ich sind dann gerade von unserer Tour durch Musikkneipen nach Hause gekommen. Dann ist Udo auf seinem Wasserbett eingepennt, mit rauchender Zigarre natürlich. Mein Zimmer lag genau darunter. Irgendwann fing es von oben an zu regnen – und als ich aufwachte, hatte ich auch ein Wasserbett. Die Kunterbunt-Geschichten sollten endlich mal verfilmt werden, dann muss ich sie nicht immer wieder erzählen... Angebote gibt es. Aber was soll ich noch alles machen?

Dürfen wir womöglich künftig auf der Bühne auf eine „Catweazle“-Einlage hoffen?

Wer weiß. Ich muss ja das Programm dauernd aktualisieren, weil wir die Tournee aus den bekannten Gründen immer weiter hinausschieben mussten. Aber mit Catweazles Mittelalter-Kutte käme ich gut klar. Frische Luft von unten – das hat sich beinah damenhaft angefühlt. Da wir in der kalten Jahreszeit gedreht haben, waren die Schuhe von innen beheizbar. Darauf könnte ich auf der Bühne verzichten. Und einen passenden Song gibt´s auch schon: „Ich brauch nur etwas magisches Geschick, und dann folgt auch schon der Elektrik-Trick“...

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