Ordnung ist das ganze Leben - Marie Kondo

Marie Kondo ist der internationale Superstar des Ausmistens. Das macht sie sehr erfolgreich. Offensichtlich braucht die Überflussgesellschaft eine mütterliche Instanz, die daran erinnert, dass Verzicht Glück bedeuten kann. Selbst beim Sex.

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"Ich bin ein ordentlicher Mensch. Socken kommen bei mir in die Sockenschublade und das Dope in die Dopeschachtel", hat George Harrison mal gesagt. Ordnung ist prima. Ordnung sorgt dafür, dass man nicht versehentlich einen Joint anzieht und eine alte Socke raucht, wobei die Gefahr, dass man eine alte Socke raucht, größer ist, wenn man zuvor die Dopeschachtel gefunden hat. Obwohl der Qualm einer alten Socke die gleiche bewusstseinserweiternde Wirkung haben soll wie ein Joint. Wo waren wir? Genau: Ordnung. Es gilt als ausgemacht, dass die Welt in Unordnung ist.

Mit der Hinterbacke auf der Pizza

Dagegen hilft Marie Kondo. Marie Kondo muss man den Jüngeren nicht erklären. Sie ist ein sehr berühmter Mensch. Ihr Nachname wurde in der englischen Sprache sogar zum Verb to kondo. Das bedeutet: einen Schrank aufräumen. Es ist die Kernkompetenz von Marie Kondo. Bei Netflix läuft mit großem Erfolg ihre Serie "Aufräumen mit Marie Kondo". Zu sehen ist Marie Kondo, wie sie aufräumt. Offensichtlich geht bei sehr vielen Menschen der Puls langsamer, wenn sie andere Menschen beim Aufräumen betrachten, während sie selbst mit der linken Hinterbacke auf einer halben Pizza Funghi und mit der rechten in einer Fantapfütze sitzen.

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Marie Kondo ist quasi die digitale Clementine des 21. Jahrhunderts. (Clementine? Jemand? Das war vor einer Million Jahren eine zum Sinnbild gewordene Frau, die dadurch berühmt wurde, dass sie Ordnung schuf und sauber machte - quasi die Marie Kondo des 20. Jahrhunderts). Kondos Bücher tragen Titel wie "Magic Cleaning 2: Wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben". Ihre Aufräummethode würden normale Menschen einfach als "Aufräumen" bezeichnen. Nicht so Marie-Kondo-Jünger.

Die fünf Gebote für Marie-Kondo-Jünger:

1. Du sollst alles auf einmal, in kurzer Zeit und perfekt aufräumen. (Oder wie wir sagen: "Mach hin!")

2. Du sollst alle Dinge zum Aufräumen auf einem Haufen sammeln. (Oder wie wir sagen: "Bilde Haufen!")

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3. Du sollst auf der Basis folgender Frage entscheiden, was du behalten möchtest: "Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?" (Oder wie wir sagen: "Brauchst du den Mist wirklich?"

4. Jeder Gegenstand, den man behält, bekommt seinen Platz zugewiesen. (Oder wie wir sagen: "Räum auf!")

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5. Alle Dinge müssen dort richtig verstaut werden. (Oder wie wir sagen: "Räum auf! Echt jetzt")

Marie Kondos Methode hat etwas Zwangsneurotisches. Sie geht von der Prämisse aus, dass alles, was nicht am "korrekten" Platz liegt, das Leben unverzüglich aus den Fugen geraten lässt. Das bedeutet: Ordnung ist bei Marie Kondo nicht das halbe, sondern das ganze Leben. Im Umkehrschluss: Ein "Lucky Luke"-Heft, das auf dem Sofa herumliegt, ist der Untergang der menschlichen Zivilisation und wird am Ende dafür sorgen, dass der Teufel das Regiment übernimmt.

Großer Fehler: Die Barbie auf der Fensterbank

Marie Kondo lebt in Los Angeles, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Über den Druck, der auf diesen Töchtern lastet, möchte man gar nicht nachdenken ("Die Barbie auf der Fensterbank?? Willst du, dass Mami nie wieder ein Buch verkauft???").

Die Marie-Kondo-Methode namens "KonMari" soll nicht nur Ordnung in die Zimmer bringen, sondern auch ins Liebesleben. Auch da gilt ja: Es ist gut, wenn man einigermaßen weiß, was an welchen Platz gehört. Das Problem ist nur: Wenn wir nur das behalten sollen, was uns glücklich macht, bleibt im Haus außer ein paar Familienangehörigen nichts übrig. Denn ein Teller macht nun mal nicht glücklich. Es sei denn, man hat vorher etwas von dem Zeug geraucht, das George Harrison in seiner Schachtel versteckt. Und das sind nicht die Socken.