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Open-Air-Festivals, Konzerte, Clubs und Co.: Was bringen die Modellprojekte?

  • Mehr als ein Jahr lang war es nicht möglich, in Deutschland feiern und tanzen zu gehen.
  • Unter Testbedingungen öffnen nun nach und nach Clubs – drinnen wie draußen.
  • Dabei profitieren sie auch von Modellprojekten aus dem Ausland.
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Festivals, Open-Air-Konzerte und andere Freiluft-Veranstaltungen - normalerweise wird der Sommer davon dominiert. Und dank sinkender Corona-Infektionszahlen werden in diesem Jahr nach etwa einem Jahr Corona-Pause einige Outdoor-Events und sogar Indoor-Feiereien wieder möglich sein. Modellprojekte sollen dafür sorgen, dass im Sommer wieder unbeschwerter gefeiert werden kann, draußen wie drinnen – und das sogar ohne Maske.

Vielerorts in Deutschland starteten solche Tests in den vergangenen Wochen oder sind für die nächsten Wochen geplant. In Ravensburg beispielsweise darf in zwei Clubs bald wieder getanzt und gefeiert werden – ohne Abstand, ohne Masken. Vier Wochen lang soll beobachtet werden, wie sich die Infektionszahlen entwickeln, wenn die Menschen wieder wie vor Corona zusammen Party machen. Ausgewählt wurden hierfür die Discos Douala und Kantine, Start soll noch im Juni sein. Besucher müssen vor dem Club-Eintritt einen PCR-Test machen und sich über die Luca-App registrieren.

Tanzen ohne Maske: Modellprojekte in Leipzig, Berlin und Hannover gestartet

In Leipzig hat am vergangenen Wochenende erstmals wieder eine Disco geöffnet. 200 Gäste feierten in der Distillery, auch hier ohne Masken und Abstand. Alle Teilnehmenden wurden vor dem Konzert sowohl per Antigen-Schnelltest als auch per Gurgel-PCR-Test getestet. In diesen Tagen werden sie erneut getestet, um herauszufinden, ob das Event als Infektionstreiber gewirkt hat.

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In Berlin wurde der erste Modellversuch abgebrochen, als die Inzidenzen im Frühjahr wieder stiegen. Inzwischen ist wieder eine schrittweise Öffnung in Gang. Seit Mitte Mai dürfen die Clubs draußen öffnen – für bis zu 250 Personen, die getestet, geimpft oder genesen sind. Noch im Juni soll es weitere Lockerungen geben.

Niedersachsen erlaubt Tanzen in Clubs, aber nicht im Freien

In Niedersachsen sind die Club-Öffnungen sogar ohne Modellprojekt möglich. Da alle Landkreise eine stabile Inzidenz unter 35 aufweisen, sind die Clubs dort schon wieder geöffnet. Allerdings gelten Zugangsbeschränkungen und auf der Tanzfläche muss eine Maske getragen werden. Ähnliche Regelungen gelten seit dieser Woche in Brandenburg, auch Sachsen-Anhalt will nachziehen.

In Niedersachsen ist es indes ein wenig absurd: Denn während Discos drinnen öffnen dürfen und auch die Tanzflächen wieder in Betrieb sind, sind Festivals draußen zwar mit bis zu 1000 Personen, aber nur mit festen Sitzplätzen erlaubt. Sprich: Drinnen ist tanzen erlaubt, draußen verboten – obwohl längst erwiesen ist, dass die Ansteckungsgefahr draußen deutlich geringer ist. Deshalb startet in Hannover an diesem Freitag ein Modellprojekt: Am 18. Juni, 2., 3. und 4. Juli wird bei „Back to Dance“ im Musikzentrum Hannover unter freiem Himmel getanzt – unter der Aufsicht des Gesundheitsamtes sowie Soziologen der Universität Hannover.

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Feiern trotz Pandemie: Modellprojekte in Barcelona, Liverpool und Amsterdam

In Deutschland gibt es noch keine Auswertungen der Modellprojekte. Andernorts aber schon. Eines der ersten größten Konzerte fand im März in Barcelona statt. Dort trat die Band Love of Lesbian auf. 4600 Menschen durften zu dem Konzert kommen, vorab wurden sie in eigens eingerichteten Zelten getestet und mussten während des gesamten Konzertes FFP2-Masken tragen. Die strengen Richtlinien zahlten sich aus: Einen Monat nach dem Konzert gab es bei keinem Fan eine Corona-Infektion, die auf den Besuch des Konzerts zurückzuführen war.

Andernorts wurden die Auswirkungen untersucht, wenn Menschen ohne Maske und Social Distancing feiern, etwa in der Niederlande. Dort findet seit Anfang März ein Modellprojekt statt, in dem beispielsweise Konferenzen, Konzerte und Sportveranstaltungen wissenschaftlich von „Fieldlab“ begleitet werden. Bei einer Club-Nacht wurden Menschen in verschiedene Gruppen eingeteilt, einige mussten Masken tragen und Abstand halten, andere hatten völlige Bewegungsfreiheit. Einige sollten sich eher bedeckt halten, andere wurden aufgefordert, laut mitzusingen. So sollte beispielsweise die Verbreitung von Aerosolen untersucht werden.

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Corona-Lage in Deutschland: Bundesweite Inzidenz sinkt unter 30
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Trotz 3165 Corona-Neuinfektionen und 86 neuer Todesfälle ist die bundesweite Inzidenz unter 30 gesunken.  © dpa

Menschen feiern ohne Maske, doch Partys sind offenbar keine Pandemietreiber

Nach den ersten Events zeigte sich: Zwar nahmen sehr viele Partygäste schnell ihre Masken ab, die Infektionszahlen waren aber dennoch sehr niedrig. Von 6000 Teilnehmenden auf den ersten Veranstaltungen wurden nach fünf Tagen nur fünf positiv getestet. Andere Events fanden inzwischen ohne Hygieneauflagen beim Feiern statt – allerdings ist der Besuch in allen Modellprojekten nur mit einem negativen Corona-Test vor Veranstaltungsbeginn erlaubt. Nach Kritik aus Politik und Gesellschaft wurde das bisher größte angedachte Konzert aber abgesagt: 10.000 Besucher und Besucherinnen sollten Ende April nach Breda kommen, um gemeinsam zu feiern.

Auch in Liverpool war es im April und Mai möglich, wie vor Corona-Zeiten zu feiern. Insgesamt 13.000 Menschen nahmen an drei verschiedenen Events teil. An zwei Tagen tanzten jeweils 3000 Menschen in einem Club in der britischen Stadt – ganz ohne Maske und Social Distancing. Alle Teilnehmer wurden vor Beginn der Party getestet und verpflichteten sich, fünf Tage nach dem Event ebenfalls einen Corona-Test zu machen. Nach den beiden Club-Events, bei denen auch berühmte DJs wie Sven Väth und Fatboy Slim auflegten, wurden insgesamt neun Teilnehmende positiv auf Covid-19 getestet. Da sich die Infizierten aber allesamt kannten, sei es auch möglich, dass sie sich nach dem Konzert angesteckt haben, berichtet „BBC“.

Erkenntnisse und Modelle kommen für deutschen Festivalsommer zu spät

Die Projekte in den Niederlanden, in Großbritannien und Spanien haben gezeigt, dass auch in der Pandemie ein Feiern möglich ist, etwa indem alle Teilnehmenden vorab getestet werden. Für den deutschen Festivalsommer kommen die Erkenntnisse aber weitestgehend zu spät – nahezu alle Musikfestivals sind bereits abgesagt. Ein kleines Highlight soll aber zum Sommerausklang stattfinden: Das Wacken Open-Air soll in abgespeckter Variante als „Bullhead City“ gefeiert werden – mit 20.000 Besuchern und Bands wie Nightwish und Powerwolf.

RND/msk

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