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No Angels veröffentlichen neues Album: „Man ist heute als Künstler sehr viel autonomer“

  • Die No Angels sind zurück. Am 4. Juni erscheint ihr neues Album „20″.
  • Im RND-Interview blicken die Sängerinnen Lucy Diakovska und Nadja Benaissa auf die Anfangszeit zurück.
  • Außerdem berichten sie, was sie zwischenzeitig gemacht haben und wie es für die Girlgroup weitergeht.
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21 Jahre ist die Bandgründung der No Angels her. Wie war es, jetzt wieder zusammen zu kommen?

Lucy Diakovska: Es war spannend. Wir werden jetzt aber erst wirklich wieder zusammen Musik machen. Das Album haben wir wegen der Pandemie separat voneinander aufgenommen. Das war außergewöhnlich, weil wir die Aufnahmen getrennt voneinander eingesungen haben, und uns dann am Ende des Tages anhören konnten, was die anderen gemacht haben. Im Resultat sieht man aber dennoch, was diese 20 Jahre aus uns gemacht haben, wie uns das trotz Abwesenheit zusammen geschweißt hat, und dass es sich auch musikalisch trotz der Distanz homogen anhört. In den kommenden Monaten steht jetzt aber richtig was an, wir wollen unter anderem an unserem Liveprogramm arbeiten.

Wie ist das, im Pandemiejahr dieses Jubiläum zu feiern?

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Diakovska: Ich empfinde als einzigen Unterschied zu sonst, dass wir nicht die Möglichkeit haben, auf die Bühne zu gehen. Alles andere bekommen wir recht gut hin. Natürlich gibt es die Maßnahmen und die Tests. Aber dann können wir uns als Gruppe bewegen und gemeinsam arbeiten und zusammen sein. Das ist das Schwierigste in dieser Pandemie, dass viele Menschen voneinander getrennt werden. Natürlich fehlt uns wie allen Künstlern die Bühne und der Austausch mit dem Publikum. Das ist das größte Manko an der Pandemie. Ich glaube aber, dass unsere Arbeit in der Pandemie viel Licht, Hoffnung und einen Neubeginn darstellt. Wir zeigen damit, dass es möglich ist, sich auch in dieser Zeit auf Neues zu freuen und nach vorne zu schauen.

Wenn Sie auf die Anfangszeit Ihrer Musikkarriere zurückblicken: Wie hat sich die Branche seitdem verändert?

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Nadja Benaissa: Die Musikbranche hat sich in vielen Bereichen stark verändert. Die erste große Veränderung kam schon einige Jahre nach unserer Bandgründung, als der digitale Vertrieb von Musik anfing. Vorher gab es nur die Hardware, CDs, Vinyl, und VHS-Kassetten. Das liegt noch alles bei meinen Eltern im Keller. Diese Veränderung hat man deutlich gespürt. Der nächste große Schritt war dann Social Media. Das war bei uns damals noch MySpace und Facebook. Das hat sich in den letzten zehn Jahren, in denen wir als Band nicht da waren, nochmal wahnsinnig verändert, auch die Kommunikation mit Medien und Fans. Man ist heute als Künstler sehr viel autonomer und kann selbst steuern, wann, wie und wo man welche Infos herausgibt. Früher ging das nur in Koordination mit der Presse. Das ist heute ein großer Vorteil, den man als Künstler hat, aber es ist auch ein ganz neuer Bereich und wir müssen da viel lernen. Es ist heute alles so schnell, und das bedeutet auch viel Arbeit. Und jetzt in der Corona-Zeit erlebt die Branche nochmal eine starke Veränderung. Aber wir hoffen, wenn irgendwann Lockerungen kommen und die Menschen halbwegs durchgeimpft sind, dass es wieder einen Boom für unsere Branche geben wird. Ich denke, die Menschen – und ich persönlich auch – möchten alle wieder ins Theater, zum Konzert, auf Festivals. Natürlich gibt es jetzt existenziell wichtigere Bereiche, aber man merkt, wie sehr die Seele Kunst und Kultur braucht.

„Daylight In Your Eyes“ war damals Ihr größter Hit. Viele, die jetzt so zwischen Ende 20 und Ende 30 sind, verbinden Kindheits- und Jugenderinnerungen mit dem Song. Was ist Ihre persönlichste Erinnerung an den Song und die Zeit der Entstehung?

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Diakovska: Der erste Auftritt in der TV-Show „The Dome“ war auf jeden Fall besonders. Wir wussten irgendwie, dass es großes Interesse an der Band gibt, aber standen das erste Mal vor Publikum und jeder hatte eine gewisse Vorstellung davon, aber keiner wusste, wie es sich anfühlen würde. Das war überwältigend, dass alle Menschen in dieser Halle diesen Song nach wenigen Tagen kannten und es der Lieblingssong vieler wurde. Dieser Auftritt hat jeden von uns so geprägt, dass dieses Empfinden bis heute keinen von uns losgelassen hat. Diese Wertschätzung, die wir an dem Abend empfunden haben, war einfach besonders – die Menschen um uns herum haben geweint, weil sie gemerkt haben, was all diese Arbeit und die Geschichten, die jede von uns in der Sendung erzählt hat, bewirkt haben, und wo diese Reise hingehen könnte. 20 Jahre später ist das ein Song, der Millionen Menschen durchs Leben begleitet hat, und der es immer schafft, ein Lächeln auf die Gesichter zu zaubern. Mit diesem Song verbinden auch alle unsere Erfolgsgeschichte, die sie mitverfolgt haben, und auch die Tiefen, die wir mit all diesen Menschen erlebt haben. All das ist in 3:30 Minuten inbegriffen. (lacht)

Was waren damals bei Auftritten und Co. die größten Pannen, über die Sie heute lachen können?

Benaissa: Es gab viele Pannen (lacht). Auf der Bühne ist uns glaube ich alles passiert, was passieren kann – von Text vergessen über Stolpern bis zum geplatzten Kostüm.

Diakovska: Einmal ist auch die CD gesprungen, damals war noch das Instrumental auf CD.

Benaissa: Dann gab es mal eine Panne, an die ich mich noch gut erinnern kann. Da sind wir mit einem Privatjet zu einem Auftritt geflogen. Die Hälfte von uns hat im Flugzeug geschlafen, und als ich meine Augen aufgemacht habe, habe ich gemerkt, dass wir eigentlich schon lange hätten landen sollen. Und das Flugzeug drehte eine Runde nach der anderen. Dann habe ich erfahren, dass unser Triebwerk nicht ausgefahren ist, unten waren schon Feuerwehr und Rettungssanitäter und alles war voller Blaulicht, weil unser Tank auch langsam zur Neige ging. Aber irgendwie haben sie es geschafft, das Triebwerk noch auszufahren, und dann konnten wir landen. Da hatten wir echt Glück und können heute darüber lachen.

Diakovska: Ob Sandy darüber lachen kann …

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Benaissa: Ja, Sandy hat Gott sei Dank noch geschlafen. Wir haben es ihr damals gar nicht erzählt. Sandy hat sehr starke Flugangst. In so kleine Maschinen ist sie sonst erst gar nicht eingestiegen. Von dem Vorfall hat sie erst ein Jahr später oder so erfahren (lacht). Sonst wäre sie nicht mit uns zurückgeflogen.

Nach der Auflösung der No Angels wurde es irgendwann ruhig um Sie. Was haben Sie in den Jahren so gemacht?

Benaissa: Ich habe die letzten eineinhalb Jahre, bevor es mit den No Angels wieder losging, in einer Dresdner A-cappella-Frauenband namens Medlz gesungen. Davor habe ich in verschiedenen Projekten gesungen, von Gospel bis Popmusik. Aber ich habe in der Zeit auch mein Abitur nachgemacht und eine Ausbildung als Veranstaltungskauffrau.

Diakovska: Ich war Jahre lang als Laufbotin für die deutsche Post unterwegs. Das war natürlich was ganz anderes. Ich habe auch einen Song namens „Laufen durch die Stadt“ für die Post produziert. (lacht) Ansonsten habe ich in Deutschland mit Florian Silbereisen eine Tour gemacht, war auf zwei Musicaltourneen und zwei Tourneen mit Musikern, die leider nicht mehr unter uns sind. In Bulgarien war ich auch viel tätig, weil ich dort seit 2015 wieder lebe. Das konnte ich mir vorher nie vorstellen, aber ich habe hier großartige Möglichkeiten bekommen. Seitdem mache ich tolle Musicaltourneen und Konzerte. Ich kann mich hier einfach beweisen, das hätte ich in Deutschland nie schaffen können. Hier habe ich die Bühne auf eine andere Art wiederentdeckt für mich. Ich singe auch immer wieder auf Bulgarisch für Sendungen. Das gelingt mir auch gut, weil ich eine starke Artikulation habe. Die neue Generation wird bei der Artikulation ja immer fauler, auch im Englischen und Deutschen merkt man das. Ich versuche, zumindest meinen Neffen und Nichten beizubringen, dass sie beim Sprechen nicht so faulenzen. (lacht)

Sie haben jetzt den Song „Daylight In Your Eyes“ neu aufgenommen und hatten damit auch schon einen TV-Auftritt bei den „Schlagerchampions“. Wie war das Feedback der Fans?

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Benaissa: Das Feedback war toll. Die meisten Fans waren total begeistert, weil wir das auf die Bühne zurückgebracht haben, wofür wir stehen: für Tanzen, tolle Looks, eine Einheit, Frauenpower. Wir haben uns auch wirklich reingehängt und hatten den Ehrgeiz, etwas wirklich Tolles auf die Bühne zu bringen nach 20 Jahren, und uns nicht nur einfach dort hinzustellen. Das war ein riesiges Gesamtpaket, in dem sehr viel Arbeit steckte für so einen Drei-Minuten-Auftritt.

Diakovska: Es war auch beeindruckend, weil es sonst bei Florian sehr oft alles sehr statisch ist. Das war ungewöhnlich, wie das Kamerateam da mit uns gearbeitet hat. Man hat da wirklich zugelegt, alle wollten etwas Außergewöhnliches mit uns zeigen.

Sie haben ein ganzes Album („20“) mit alten Songs neu eingesungen. Können Sie einen kleinen Ausblick geben, was uns darauf erwartet?

Diakovska: Die Songs sind nicht nur neu eingesungen, sie sind wirklich neu entstanden. 20 Jahre später verbindet man so viel mehr mit diesen Liedern und uns als Menschen. All das ist in die Songs eingeflossen. Wir hatten noch nie so ein Album. Wir haben mit „Destiny“ und „Welcome to the Dance“ schon Alben, die einen tollen einheitlichen Sound hatten, im Gegensatz zu den ersten drei Alben. Aber es gab noch kein Album, das von einem Produzenten von vorne bis hinten durchdacht worden ist. Das hört man auch in der Art, wie die Songs miteinander harmonieren. Einfach ein Best-of herausbringen wollte keiner von uns. Wir wollten zeigen, wie sich die No Angels in den 20 Jahren entwickelt haben. So viel ist in unsere Stimmen eingeflossen, in der Art, wie wir die Songs interpretiert haben, auch wenn das Songs sind, die wir schon tausende Male gesungen haben wie „Rivers Of Joy“, „There Must Be An Angel“ oder „Still in Love with You“. Trotzdem haben wir neue Wege gefunden, diese Songs aus heutiger Sicht einzusingen, ihnen ein ganz neues Leben zu geben.

Benaissa: Man darf nicht vergessen: Wir haben auch vier neue Songs auf dem Album. Das hat uns auch sehr gefreut. Es war aber auch aufregend, die alten Songs auszusuchen. Wir hatten einen Pool an Songs, die wir separat durchgehört haben, und haben uns dann unser Ranking geschickt. Wir hatten alle dieselben Songs in den Top 5. Da hat man gemerkt, dass wir eine Band sind und wir spüren, was gut zu uns passt, und dass man nicht nur von seinem persönlichen Geschmack ausgeht, sondern der Bandgedanke immer dahintersteht.

Wie geht es jetzt für die No Angels weiter? Wollen Sie wieder häufiger zusammen Musik machen oder ist das „nur“ ein Jubiläumscomeback?

Diakovska: Wir feiern jetzt erstmal. Wir wollten erst nur „Daylight“ aufnehmen, und jetzt ist ein ganzes Album daraus geworden. Keiner wusste, wie die Resonanz sein wird. Natürlich haben wir es ein bisschen erahnen können, aber wissen kann man es nie. Der nächste Schritt, der uns alle sehr glücklich machen würde, wäre eine Aussicht darauf, wieder auf die Bühne zu gehen. Wir müssen erstmal diese Schritte gehen, bevor wir für die nächsten fünf Jahre irgendwas planen. Das haben wir früher so gemacht, und gesehen, dass es nicht gut, so weit im voraus zu planen und sein Leben komplett zur Seite zu stellen dafür. Es ist sehr wichtig, dass wir in diesem Moment arbeiten, in dem wir sind.

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