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Neustart nach 19 Monaten Corona-Pause: Gedämpft euphorische Stimmung in der Musicalbranche

  • 19 Monate war es still auf den Musicalbühnen in Deutschland.
  • Der Start nach dem Lockdown ist unter 3-G-Regelungen nun möglich, teilweise mit 2G als Option.
  • Die Flex-Option bei der Ticketbuchung wird bei einem Anbieter wegen Corona kostenfrei.
Kathleen Retzar
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Lange war es still auf den Musicalbühnen in Hamburg, Berlin und Co. Die letzten Aufführungen fanden am 12. März letzten Jahres statt. Seitdem kamen der Lockdown und die Pandemieeinschränkungen dazwischen.

Am Sonntag feierte dann endlich „Starlight Express“ in Bochum sein Comeback. „Der Tag, auf den wahrscheinlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch die Musicalbegeisterten sehnlich gewartet haben. Die Stimmung war grandios. Überall hat man die Vorfreude und das Kribbeln gespürt“, so Maik Klokow, Produzent und CEO von Mehr BB Entertainment. 1200 Zuschauerinnen und Zuschauer waren erlaubt. Weitere 450 Personen hätten normalerweise bei einer ausverkauften Show Platz gefunden. Die Einschränkung war notwendig, weil im Foyer die Abstandsregeln eingehalten werden mussten.

Vorverkauf läuft wieder an

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Der Pressesprecher von Stage Entertainment, des größten deutschen Musicalanbieters, äußerte sich einen Tag vor der mehrmals verschobenen Premiere von „Tanz der Vampire“ gedämpft euphorisch. Vor zwei Wochen sah das noch etwas anders aus“, erzählt er auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Seitdem es wieder losgehe, beispielsweise auch seit Samstag „Der König der Löwen“, ziehe der Ticketverkauf wieder an. Der Klassiker der Musicals in Hamburg ist für den Oktober bereits fast ausgebucht. „Die Leute haben wieder Lust, Kultur live zu erleben“, so Jaekel.

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Die Tickets werden mittlerweile auch wieder langfristiger gebucht. Auch weil die Flex-Option, die Möglichkeit das Ticket umzubuchen, nun kostenfrei ist. „Wir haben zwar auch Gäste aus den Musicalstandorten. Ein Teil der Gäste kommt aber von außerhalb, organisiert nicht nur das Ticket, sondern auch eine Unterkunft.“ Die Option erleichtere den Zuschauern die Entscheidung für die Buchung.

Welche Regeln dann im Theater gelten, hängt von den Corona-Regelungen des jeweiligen Bundeslandes ab. In Hamburg und Stuttgart muss während der gesamten Vorstellung eine Maske getragen werden – in Berlin kann diese am Sitzplatz abgenommen werden. In jedem Fall braucht es einen Impf- oder Genesenennachweis oder ein aktuelles und offizielles negatives Corona-Testergebnis. „An die Maske haben sich die Leute in den 18 Monaten schon gewöhnt. Das ist bei uns nicht das Problem“, sagt Jaekel. Es gebe auch immer wieder unangekündigte Kontrollen.

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Auch in bei Mehr BB Entertainment lässt sich die Vorfreude an den Ticketverkäufen ablesen. Die seien sogar besser als im Vergleichszeitrum 2019. „Auch das Thema Sicherheit ist uns sehr wichtig“, erklärt CEO Maik Klokow. „Wir setzen natürlich auf die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen. Unsere Lüftungsanlagen sind außerdem auf dem neusten Stand. Die können innerhalb von 15 Minuten die gesamte Saalluft einmal austauschen.“

2G als Option

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In Hamburg gibt es seit Ende August das 2-G-Optionsmodell. Die Einrichtungen können sich freiwillig dafür entscheiden, dass nur Geimpfte und Genese Zutritt bekommen, und müssen dann keine Masken mehr tragen, können auf den Mindestabstand verzichten und jeden Sitzplatz verkaufen. Momentan wird über die 2-G-Option bei Stage Entertainment für Hamburg diskutiert. Das könnte ein Vorteil sein, denn der Standort Hamburg kann noch nicht wieder kostendeckend arbeiten. „Wir können momentan trotz 3G nur 50 Prozent der Tickets verkaufen“, erklärt Jaekel. Auch einzelne 2-G-Veranstaltungen wären möglich.

2G bedeutet aber auch zwei Hürden. Menschen haben Tickets gebucht, die noch nicht geimpft sind und die dann nicht teilnehmen könnten. Andererseits müssten auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft sein, was arbeitsrechtlich schwierig ist. Es ist nur in bestimmten Berufsgruppen laut Infektionsschutzgesetz erlaubt, den Impfstatus der Mitarbeiter abzufragen. Die Kulturbranche gehört nicht dazu.

Keine Sparproduktionen

Die Produktionen selbst konnten in gewohntem Umfang stattfinden. „Wir haben ein Konzept, das uns erlaubt, auf der Bühne keinen Mindestabstand einhalten zu müssen. Jeder Künstler, jede Künstlerin – auch die Technikcrew – wird jeden Tag getestet“, so der Sprecher von Stage Entertainment. Zudem werden Künstler und Zuschauer strikt getrennt. „Bei Produktionen wie der ‚Blue Man Group‘ oder ‚Tanz der Vampire‘ gehört allerdings die Interaktion mit dem Publikum dazu. Das gesamte Team hat nach einer Lösung gesucht.“ Und wurde kreativ, wie man für das Publikum in den Shows trotzdem eine Überraschung einbauen kann. Mehr wollte Sprecher Jaekel nicht verraten.

Die Preise haben sie trotz erhöhter Ausgaben nicht erhöht. „Zwar gibt es im Kultursonderfonds des Bundes Zuschüsse für den Einkauf von Desinfektionsmittel und Plexiglasscheiben – doch die Verluste der vergangenen Monate kann das nicht auffangen“, so der Sprecher des Musicalanbieters. Die aktuelle Situation wollen sie dennoch nicht auf die Zuschauer umwälzen.

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