Neues Album von Carla Bruni: Lieder aus der Isolation

  • Ganz reibungslos verlief es nicht, als die Familie ­Bruni-Sarkozy sich im Corona-Sommer gemeinsam aufs südfranzösische Anwesen zurückzog.
  • Doch die Musikerin hat während der Zeit an ihrem neuen Album gearbeitet, das am heutigen Freitag erscheint. Es heißt schlicht “Carla Bruni”.
  • Wir haben mit der Musikerin gesprochen.
Steffen Rüth
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Eigentlich waren wir mit Carla Bruni zum Videointerview verabredet, doch aus “logistischen Gründen”, wie es hieß, musste kurzfristig umdisponiert und auf Telefon umgestellt werden. Als Bruni schließlich zur vereinbarten Zeit anruft, läuft der “logistische Grund” neben ihr her und bepackt die Mutter fröhlich mit Schultasche und sonstigem Kram. “Meine Tochter denkt, ich sei ein Esel”, sagt Carla Bruni und lacht. Gerade hat sie Giulia (fast neun, Vater ist Brunis Ehemann, der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy) von der Schule abgeholt, nun marschieren die beiden durch die Straßen.

Bruni ist bestens gelaunt. Sicher, Corona hält Paris weiterhin im Würgegriff, doch sei sie froh und erleichtert, wieder regulär zu arbeiten. Noch glücklicher mache es sie, dass die Schule wieder geöffnet habe. “Ich bin ja gern im Urlaub, aber die Auszeit im Sommer war wirklich sehr ausgedehnt”, sagt sie.

“Ich dachte ständig, ich werde meine Mutter töten”

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Bruni, ihr Mann, die Tochter, der 19-jährige Sohn Aurélien aus der Beziehung mit dem Philosophen Raphaël Enthoven, aber auch ihre Schwester Valeria Bruni Tedeschi, die gleich für ein Duett verpflichtet wurde, und die 90 Jahre alte Mutter – sie alle verbrachten einen langen Corona-Sommer auf dem Familienanwesen in Südfrankreich. Eine Erfahrung, die Carla Brunis Nerven durchaus strapaziert habe. “Mein Mann und ich, wir sind sowieso die ganze Zeit sehr eng miteinander verbunden. Da war kein Unterschied zu sonst. Und um meine Kinder kümmere ich mich immer viel und so gut ich kann. Also, ich brauchte jetzt nicht diesen Lockdown, um Aurélien und Giulia für mich zu entdecken”, sagt sie.

Nicolas Sarkozy und Carla Bruni sind seit zwölf Jahren Mann und Frau.

Kurzes Luftholen, jetzt kommt das “Aber”: “Mit wem ich echt sehr, sehr viel enger war als normalerweise, das waren meine Mutter und meine Schwester. Ich dachte ständig, ich werde meine Mutter töten. Habe ich dann doch nicht gemacht, denn ich liebe sie.” Warum diese Gewaltfantasien, Madame Bruni? “Weil mich meine Mutter in den drei Monaten, in denen wir aufeinander hockten, behandelt hat, als wäre ich vier. Und meine Schwester, als wäre sie sieben”, schildert Bruni. “Mit der eigenen Familie war es wirklich die reine Freude. Aber mit der Geburtsfamilie, also, wie soll ich sagen, wir mussten uns alle ein bisschen entspannen und geduldig sein.”

“Nicolas und ich, wir sind wie Sonne und Mond”

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Allerdings hatte die Quarantäne für Carla Bruni auch ihre guten Seiten. Da es sonst nicht viel zu tun gab, die üblichen Abendvergnügungen entfielen und selbst eine Carla Bruni nach zwei täglichen Stunden rennen und Yoga ihr Sportpensum erfüllt habe, konnte sie sich ganz der Kunst widmen. Fünf Lieder waren vorher schon fertig, neun weitere schrieb sie in der luxuriösen Isolation. Am Ende des Sommers nahm sie die Lieder innerhalb von nur sechs Tagen gemeinsam mit dem Produzenten Albin de la Simone auf.

“Wenn ich so zurückblicke, dann ist das Album wirklich in einer wundervollen Stimmung entstanden. Der Umstand des erzwungenen Festsitzens war ideal für meinen Job. Wenn ich mich aufs Schreiben konzentrieren will, dann muss ich ohnehin alleine sein”, erzählt die Sängerin. Während ihr Mann, der nach dem Ende seiner politischen Laufbahn heute wieder als Anwalt arbeitet, tagsüber fleißig sei, schreibe sie bevorzugt in den späten Abendstunden, so ab 22 Uhr. “Eine gute Beziehung lebt auch von Gegensätzen”, lautet ihre Überzeugung. “Nicolas und ich, wir sind wie Sonne und Mond.”

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Seit 2008 sind die beiden verheiratet. Carla Bruni war längst ein schillernder Star, als sie Sarkozy traf. Zwischen Mitte der Achtziger- und Mitte der Neunzigerjahre war die 1967 in Turin geborene Erbin einer Reifendynastie als eines der gefragtesten Supermodels tätig, Brunis Gesicht war schon damals eines der bekanntesten der Welt. Nach dem Abschied aus dem Modelgeschäft widmete sie sich ihrer Karriere als Sängerin, Gitarristin und Songschreiberin. Gleich ihr erstes, 2002 veröffentlichtes Album “Quelqu’un M’a Dit” wurde zum Überraschungserfolg und verkaufte sich zwei Millionen Mal. “Ich hatte in meiner Karriere immer viel Glück”, sagt sie heute. “Ich kann wirklich nur einfach dankbar sein.”

Der Beziehung zum damaligen französischen Präsidenten trauten Bruni-Beobachter anfangs keine lange Lebensdauer zu. Schließlich war sie in Männerdingen durchaus umtriebig und unter anderem mit Mick Jagger liiert gewesen.

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Den Jahren im Elysée-Palast weint Bruni nicht nach. Sie ist erleichtert, sich wieder auf ihre Musik konzentrieren zu können und nicht mehr an das Protokoll gebunden zu sein. “Meine Freiheit, meine Neugierde und meine Verspieltheit waren immer große Antriebe in meinem Leben”, sagt Carla Bruni. Dieses Leben hat sie zurück, und nach “French Touch” (2017), auf dem sie englische Songs covert, gibt es nun wieder ein Album mit selbst geschriebenen Liedern.

Zwei Songs sind Ehemann Nicolas Sarkozy gewidmet

“Die Lieder sind mir super nah, sie sind sehr persönlich”, sagt Bruni, deshalb habe sie das Album einfach “Carla Bruni” genannt. Der Liebe zu Sarkozy widmet sie gleich mehrere Songs. “Un Grand Amour” zum Beispiel. “Ja, der Text handelt von meinem Mann und mir”, sagt sie. “Und weitergefasst spricht der Song über Menschen, die sich treffen und verlieben. Am Anfang weiß niemand, ob es eine Liebe wird, die aus heißem Verlangen besteht, oder ob sie nur zwei Tage hält, obwohl du glaubtest, sie hält ein Leben lang. Oder ob es die eine, die Riesenliebe wird.”

Als Bruni sich in Sarkozy verliebte, wusste wohl auch niemand, wie es weitergehen würde. Oder? “Doch! Ich wusste es! Wir erlebten diese süße Erfahrung der Liebe auf den ersten Blick”, erzählt sie. “Womit ich aber nicht gerechnet hätte, das ist der beständige Teil unserer Liebe. Ich hätte es mir anfangs selbst nicht zugetraut, so eine wunderschöne Liebe leben zu können.”

Auch das zarte “Le Garçon Triste” (Der traurige Junge) ist ein Nicolas-Lied. “Ich mag meine Melancholie, aber mein Mann gesteht es sich partout nicht ein, dass auch er traurige Momente hat.” Daher dieses Lied. Für melancholisch halte sich der Gatte zwar immer noch nicht, “aber er liebt ‘Le Garçon Triste’. Wenn er zum Konzert kommt, bringt er oft Freunde mit. Denen sagt er dann stolz: ‘Dieser Song ist für mich’.”

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Giulias Lieblingslied sei das fidele “Le Petit Guepard”. Darin geht es um ein Mädchen, das eine Raubkatze aus dem Zoo befreit und mit nach Hause nimmt. Die Idee zu dem Text sei ihr gekommen, nachdem sie zusammen mit ihrem Mann den “Leoparden küsst man nicht” angeschaut habe. Aktuell beschränke sich der Haustierbestand auf Hunde und Katzen. Die Frage der Mutter, ob Giulia denn auch gern einen Gepard hätte, verneinte das Mädchen. “Sie möchte lieber einen Koala. Oder einen Löwen.”

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