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Neue Alben von Maximo Park, Edie Brickell, Willie Nelson und anderen

  • Schiller holt die Sonne aus dem Computer, Willie Nelson swingt ein weiteres Mal die Songs von Frank Sinatra.
  • The Hold Steady liefern das Rockalbum des Frühjahrs, Joanna Connors Blues klingt auf ihrem neuen Studioalbum so lebendig, als wäre ein Konzert eingefangen worden.
  • Und wer es mit der Weltmusik von Urban Village aus Soweto versucht, der wird deren hochmelodiöse Vielfalt so schnell nicht mehr aus der persönlichen Playlist nehmen.
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Manchmal klingen auch 87-Jährige noch jung, wie Country-Outlaw Willie Nelson, der auf „That‘s Life“ schon zum zweiten Mal Frank Sinatra mit der eigenen Stimme verehrt. Und dass man, wenn man vielseitig ist, nicht beliebig klingen muss, beweisen Maximo Park aus Newcastle, die mit „Nature Always Wins“ ihr vielseitigstes Album abliefern. Und dass Sommerklänge auch elektronisch sein können, zeigt Schiller auf seinem Synthpaket „Summer in Berlin“ – Ambiet zum Sich-Rausträumen aus der Corona-Ödnis.

„That’s Life“ – Willie Nelson erfühlt Songabgründe wie Sinatra

Sensibel zu sein für die Erfordernisse eines Liedes, das ist ein Pfund, mit dem Willie Nelson schon immer wuchern konnte. Dabei ist seine Stimme trocken, würzig, nicht besonders umfangreich. Aber sie war immer auf dem Punkt, ob der Country-Outlaw nun Country sang oder Soul. Und wie Frank Sinatra muss er nicht an der Melodie entlang singen, den Rhythmus nicht stimmlich begleiten, sondern den Song und seine Abgründe erfühlen. Deshalb ist es auch nicht schlimm, sondern schön, dass der 87-Jährige seinem „My Way“ ein weiteres Album mit Sinatra-Sachen hinterherschickt. Und die, denen Coverversionen von Country-Gold wie „Detroit City“ oder „Sixteen Tons“ besser gefallen hätten, sei mit dem Albumtitel gesagt: „That’s Life“.

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Denn Nelson singt ja nicht Duseleien wie „Strangers in the Night“ sondern „I Won’t Dance“ – ein Duett mit der bestmöglichen Partnerin: Diana Krall. Er singt Liebeslieder wie Cole Porters „I’ve Got You Under My Skin“ und melancholische Herrlichkeiten wie „Luck Be a Lady“ und „In the Wee Small Hours of The Morning“ – und ist auf seine Weise im Erfühlen der Tiefe so gut wie Frankieboy. Der zuversichtliche Lovesong „You Make Me Feel So Young“ ist wie eine Signatur des Albums. Willieboy ist kein alter Zopf, klingt glatt 40 Jahre jünger. Und wer trotz dieser formidabel arrangierten Songs (erneut mit Buddy Cannon) über den Mangel an Eigentlichem klagt, der erinnere sich. Nach drei Sinatra-Alben hat Dylan sein Spät-Meisterwerk „Rough And Rowdy Ways“ vorgelegt. Alles klar?

Willie Nelson – „That’s Life“ (Legacy/Sony)

Bones Owens und das Erbe von Creedence Clearwater Revival

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Hier swampt alles. Unter „Swamprock“ verstand man in den Sechzigerjahren das, was Creedence Clearwater Revival machten. Vier Kalifornier verstanden es, mit Songs wie „Bad Moon Rising“, „Proud Mary“ und „Fortunate Son“, den Eindruck zu erwecken, sie kämen aus den Sümpfen des amerikanischen Südens, der Heimat des Blues, der Geburtsstätte des Rock’n‘Rolls, wo Elvis, Fats Domino, Chuck Berry, Little Richard und Jerry Lee Lewis ihre ersten Platten aufnahmen.

Caleb Owens, Spitz- und Künstlername Bones Owens, kommt aus Missouri, lebt in Nashville, und arbeitete als Gitarrenmann für so unterschiedliche Acts wie Bon Jovi oder Hip-Hopper Yelawolf. Er zählt Country, Gospel, Bluegrass und Folk zu seinen Einflüssen, wurde aber zur Musik erweckt durch ein Album von Creedence aus den Beständen seines Vaters. Und nachdem sich einige EPs seit 2014 wacker verkauften, sein digital veröffentlichter Song „Keep It Close“ zum Millionenstream wurde, lässt er auf dem „Bones Owens“ betitelten Album dem John Fogerty in sich freien Lauf. Dieses Ding ist ein Tipp für alle, die wieder mal richtig rocken wollen, ohne dabei gleich auf Metal zurückgreifen zu wollen. Kerlemusik vom Feinsten, mit viel Weh und Ach wie „White Lines“ oder „Blind Eyes“ und der guten alten verheerenden Schönen, die wie ein Sturm in die Stadt einzieht in „Lightning Strike“. Gibt aber auch Alles-fein-Gesänge wie „Good Day“: „Ich könnte nichts nennen, das geändert werden sollte“, singt Owens über diesen Tag. Gilt auch für diese Platte.

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Bones Owens – „Bones Owens“ (Black Ranch/Thirty Tigers)

Der Blues lebt wirklich – und zwar in Joanna Connors Stimmbändern (und in ihrer Gitarre)

Schrängg! macht ihre Gitarre, wenn Joanna Connor „Trouble! Trouble!“ röhrt. Ganz zweifellos steckt diese Blues(rock)lady in Schwierigkeiten, aber es hört sich doch verdammt gut an. Der Titel „4801 South Indiana Avenue“ ihres 14. Albums bezieht sich auf Theresa’s Lounge, den legendären, 1949 eröffneten Club von Theresa Needham, der Godmother of Blues. Und so klingen die Songs der Gitarrenvirtuosin aus Chicago auch, als habe Produzent und Mitmusiker Joe Bonamassa ein Konzert von ihr in einem klassischen Schuppen eingefangen. Es klingt, als zwinge Connor gerade ein Publikum auf die Knie. Gitarren! Gitarren! Gitarren! Orgel auch. Bei „Part Time Love“ sogar Bläsersätze. Aber vor allem Gitarren. Heulende, brüllende, kreischende, vogelfreie Gitarren.

Und diese Stimme. Connor klingt immer wieder, als sei der Geist von Janis Joplin in sie gefahren, als rette Silbe um Silbe sie aus einem brennenden Haus. Sie rockt „Destination“ von Jimmy Thackerays vergessenen Assassins, schlängelt sich sexy durch Luther Allisons „Bad News“, rackert sich an „Come Back Home“ ab und explodiert zum nervösen Groove von „I Feel Good“, über den sie ihr Instrument so richtig schlittern lässt. Der Blues lebt, sagt man seit Jahrzehnten immer mal wieder pflichtgemäß. Hier ist er sogar wieder jung. „It’s My Time“ heißt Connors psychedelische Sprechgesang mit seinem CCR-Gitarrentwang, der das Album beschließt. Dem ist nur ein „zweifellos“ hinzuzufügen.

Joanna Connor – „4801 South Indiana Avenue“ (Keeping The Blues Alive)

Edie Brickell erzählt, woher man am besten Nachrichten bezieht

Ganz neu sind Edie Brickell und ihre Bohemians nicht mehr, sie kommen einem nur immer wieder so neu vor, weil man eher selten was von ihnen hört. Aber so bezwingend und funkelnd wie auf „Hunter and the Dogstar“ waren sie seit ihrem ebenfalls sternennahen Debüt „Shooting Rubberbands at the Stars“ (1988) nicht mehr (okay, der relativ kurz zurückliegende Vorgänger „Rocket“ – ad astra! – war auch ziemlich gut). Folk („I Found You“), Blues („Rough Beginnings“), Glamrock („My Power“), Beat („Sleeve“), Countryswing („Horse’s Mouth“) und sogar Funk („Don’t Get in the Bed Dirty“) finden sich auf dem erst fünften Studioalbum der Band. Alles schön zum Mitpfeifen, stilbunt und trotzdem magisch miteinander verbunden – fast wie die Songs auf den späteren Beatles-Alben. Die Melodie, sie lebe hoch!

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Und die Band ist weit mehr als die dienstbare Begleittruppe ihrer Sängerin, sondern eine inspirierte, sorgfältig Songs erschaffende Gemeinschaft. Die rockt uns am Ende mit „My Power“ den Kopf zurecht: Sich von niemandem einspannen lassen, den Verstand einschalten, sich nicht niederquatschen lassen. Und im lustigen „Horse’s Mouth“ erinnern diese Bohemiens mit ihrer hörbar belustigten Frontfrau daran, dass, wenn man die Nachricht nicht aus direkter und/oder verlässlicher Quelle hört (dem Maul des Pferdes), man eine unzuverlässige, verdrehte aus zweiter Hand erhält (aus dem Pferdehintern). Tja, genau so!

Edie Brickell & The New Bohemians – „Hunter and The Dog Star“ (Shuffle Records)

Spannende Vielheit statt dröger Folk - die Neue von Weather Station

Ab sofort gehört sie zu den besten Songwritern ihres Landes. Auf ihrem neuen Album „Ignorance“ ist der Folk der 36-jährigen Tamara Lindeman reifer und um vieles gefälliger geworden, ohne dass die Kanadierin je hörbar nach den Charts schielen würde. 15 Jahre nach der Gründung ihrer Folkband The Weather Station hat die Frau mit der unaufdringlichen Stimme, die Meisterin des leisen Falsetts, der introvertiert gemurmelten und geflüsterten Botschaften eine Dringlichkeit auf den zweiten Horch erreicht. Schon die Eröffnung mit „Robber“, einer von Piano, Streichern und Saxofon dominierten Kapitalismuskritik, zeigt den Quantensprung. Ein Song, eine jazzige Brise, viele Songs in einem – man kann sich dieser spannenden Vielheit kaum entziehen.

So ist das ganze Album geraten – ob Lindeman nun eine leicht sperrige Ballade wie „Wear“ oder den Ohrwurm „Parking Lot“ – ein „Liebeslied für einen Vogel“ ins Rennen schickt. Und im flirrenden „Atlantic“ bewundert die Klimaaktivistin Lindeman auf einer Klippe stehend einen Sonnenuntergang überm Meer und sinniert darüber, sie müsse die „Schlagzeilen aus dem Kopf kriegen“. Ein Idyll wird gemalt, so schön und zart-intensiv, dass sein Verlust dem Hörer zum unerträglichen Gedanken wird. Hatte man früher dazu geneigt, die Band den Freunden drögen Folks zu überlassen, kann man The Weather Station ab diesem fünften Album nicht mehr ignorieren. Weder ihre Klänge noch ihre Worte – schon jetzt eins der Meilensteine des Jahres 2021.

The Weather Station – „Ignorance“ (Fat Possum)

Auf Wirklichkeitsflucht mit Schiller

Einen kleine Vorgeschmack auf den Sommer gab es dieser Tage ja schon mit 18 bis 20 Grad in Deutschland, Sonne und Leuten in T-Shirts. Parallel ging „Summer in Berlin“, das neue Album von Christopher von Deylen alias Schiller auf Platz Eins, ein Doppelalbum, das aus einem neuen Studiowerk und einer Konzertscheibe besteht und das den Entspannungsregler im Kopf umlegt wie alle zehn Schilleriaden davor. Augen zu und durch – durch ein elektronisches Sounduniversum, zu dem innere Filme zwangsläufig entstehen und man in sich selbst hineinfliehen kann aus der anhaltenden öden Corona-Haft. Dauert ein Stück, besser eine „Stimmung“ 20 Minuten, wie das mystisch schwadende „Der Klang der Stadt“, dann verschwindet man schon einmal in seinen Träumen. Überraschungen Fehlanzeige – Ambient halt. Außer, naja, der Titelsong, der ist eine Neubearbeitung von Alphavilles Hit „Summer in Berlin“ von 1984. Und es gibt Gastgesänge von Janet Devlin („Better Now“) oder Tricia McTeague („Guardian Angel“), die das Schillern der Maschinenmusik unterbrechen.

Es sind auch sonst die 80er und (70er-Jahre), die das elfte Werk von Deylens prägen, die Zeiten von Jean-Michel Jarre, Space, Sky, Tangerine Dream und La Düsseldorf. Schiller, der Niedersachse, der seinen Hörer verlässlich in einen angenehmen Ruhemodus versetzt, wird dieses Jahr 50, ist sesshaft geworden in der Nähe von Visselhövede, wo er geboren wurde. Ankunft heißt nicht Stillstand. Vielleicht kommt gerade hier ein wenig Experimentelleres à la Brian Eno ins Elektrospiel. Wir sind – aller Entspannung zum Trotz – darauf gespannt.

Schiller – „Summer in Berlin“ (Nitron)

Vom Politischen zum Menschlichen - das siebte Album von Maximo Park

Die Siebte ist da. „Nature Always Wins“ heißt das neue Album von Maximo Park. Die Britband macht auch anderthalb Dekaden nach ihrem Debüt „A Certain Trigger“ noch Musik, zu interessant und spannend, um nicht zur Nummer Eins (in unseren Herzen) zu werden. Setzte sich das Quintett um Sänger Paul Smith und Gitarrist Duncan Lloyd auf dem Vorgänger „Risk to Exist“ 2017 ernsthaft mit unserer seltsamen Sci-Fi-Satire-Realität von Brexit, weltweitem Rechtsdrift und der amerikanischen Idiotie des Trumpismus auseinander, wenden sich Maximo Park in der Welt, die Trump überstanden hat, aber mit Corona von einer globalen Krise geschüttelt wird, dem Menschlichen, Existentiellen zu. Wie unsere Vorstellungen unsere Handlungen beeinflussen, wie Eltern Kinder prägen und so weiter. Von einem Leben zwischen Mall und Fernseher singt Smith, der inzwischen Vater geworden ist, im rap-rockigen „Baby Sleep“. Was bedeutete einem die Welt noch, wenn das Baby so gut wie nie schlafen will.

Lukas Wooller ist raus, an seiner Statt sitzt Jemma Freese an den Keyboards und bringt ein jazziges Flair in den nach wie vor großartigen, nie auf Hitparadenplätze versessenen Pop der Newcastle-Five. Der ist mal 80er-Jahre-synthlastig („All of Me“) und mal soulig („Partly of My Making“), streift Triphop und Boogie-Rock und wird in all seiner Vielfalt doch nie beliebig. Aufgenommen hat die Parts pandemiebedingt jeder der Musiker bei sich zu Hause. Zusammengefügt und bereichert hat es Produzent Ben Allen in den USA. Die Sieben ist eine Glückszahl – liegt in ihrer Natur. Bei den Beatles war das siebte „Revolver“.

The Hold Steady rocken mit lyrischen Thrillern und musikalischen Herzstürmern

Dieses Album ist lang, aber niemals langweilig. Der Sänger spricht seine Sätze mehr als er sie singt, aber dennoch ist er kein Rapper und die Musik unter seiner Stimme ist ganz klar Rock’n‘Roll und noch dazu vom Feinsten, den man 2021 kriegen kann. The Hold Steady haben in Rhineback, New York, ihr achtes Studioalbum „Open Your Policy“ eingespielt. Es entstand vor der Pandemie, blieb lange liegen und hat ellenlange Lyrics wie Bruce Springsteen sie auf seinen frühen Alben lieferte. Die E-Street-Band ist in diesen Songs ebenso nah wie die Rolling Stones. Und dass sie jetzt mit Stuart Bogie und Jordan McLean zwei Bläser von der Afrobeattruppe Antibalas an Bord haben, macht ihre Musik nur umso fesselnder. Außerdem ist als festes Mitglied Gitarrist Steve Selvidge mit von der Partie und der Mitbegründer und Keyboardspieler Franz Nicolay zurückgekehrt.

„Zu Hause gab es nur das Summen der Heuschrecken“, sprechsingt Craig Finn in „Lanyards“, einem wunderschönen Song über seelische Zerrüttung, einen Ausbruchsversuch und die Rückkehr in die Arme des Arztes. Die Frauengeschichte, die der Protagonist im Lied ausbreitet, nimmt einen unschönen Verlauf („Als sie die Tür eingetreten hatten, sagten sie, das ist viel zu viel Blut für Nasenbluten“). Die Lady, auf die Finns Ich-Erzähler sich im Opener „The Feelers“ (mit einem Gitarrensolo der David-Gilmour-Klasse) besinnt, hatte „die Aura eines Engels / aber sie hatte auch ein paar Probleme / Ich schätze, das größte war, dass sie die Frau von nem anderen war“. Es sind herzzerreißende Kurgeschichten von Verlierern, von Untergang und Auferstehung, Songs, die lyrisch thrillen und musikalisch das Herz des Hörers stürmen. Das Publikum hat es nicht leicht, wird in Schwergewichte wie „Heavy Covenant“, „Family Farm“ oder die Fleetwood-Mac-Hommage „Hanover Camera“ geworfen, muss sich in den Sätzen sortieren, sich zurechtfinden zwischen den vielen Beobachtungen und Assoziationen, die einen endlos in Beschlag nehmen können, ehrlich!

Oder man rockt vorher erst mal einfach ab, während uns Finn in „Unpleasant Breakfast“ etwas von Möwen erzählt, die im Hafen Kippen fressen und von Hotels, die von den Geistern ermordeter Seemänner heimgesucht werden. Die „whooooo!“s im Song klingen jedenfalls fantastisch nach Sirenen, nach denen von Einsatzfahrzeugen und denen von Odysseus zugleich.

The Hold Steady – „Open Door Policy“ (Positive Jams/Thirty Tigers)

Ein Gehstock für die Weltmusik – „Udondolo“ von Urban Village

Seit den Tagen, als Paul Simon mit Joseph Shabalalas Ladysmith Black Mambazo das Album „Graceland“ aufnahm, ist die sogenannte Weltmusik auf unseren Schirmen, Popmusik von außerhalb der klassischen Popnationen, faszinierende, bisweilen befremdliche Klangwelten, die auf Entdeckerherzen warten. Deren Zahl war überschaubar, die meisten Musiker und Bands sind außerhalb ihrer Länder und Kulturkreise randständig geblieben, allenfalls für kurze Zeit im Fokus breiterer Massen, wenn etwa ein gestandener Britpopper wie Damon Albarn mit ihnen gemeinsame Sache machen. Eine Band, die es auch ohne solches Zutun und auf Dauer schaffen könnte, sind Urban Village aus Soweto, die mit „Udondolo“ jetzt ihr Debütalbum herausgebracht hat.

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„Udondolo“ heißt „Gehstock“, ein afrikanisches Synonym für Aufbruch, Reise und Bewegung. In den Liedern geht es auch darum – um symbolische Reisen zu sich selbst. Im Song „Dindi“ mit seiner perlenden Gitarre ruft der Sänger zu Selbstbewusstsein auf, die eigene Hautfarbe zu lieben, stolz zu sein. Im bluesigen, teilweise in Englisch gesungenen „Sakhisizwe“ geht es darum, eine Nation entstehen zu lassen. Lerato Lichaba (jede Menge coole Gitarrenklänge), Tubatsi Moloi (Gesang), Smanga Dlamini (Bass) und Xolani Mtshali (Schlagzeug) sehen sich im Geist der Antiapartheitskämpfer Stephen Biko und Nelson Mandela. In der wunderschönen Akustikballade „Ubaba“ verneigt man sich vor den Generationen davor, die im rassistischen Land unter der Gewalt der Weißen lebten und litten. Weitere Tipps: „Inkani“, „Umuthi“, „Makolo Yongo“ – große Songs, allesamt.

Das einstige Township Soweto, ein Apartheitsort, in dem die schwarzen Südafrikaner aus allen Himmelsrichtungen getrennt von den Weißen leben mussten, hat sich in jener Zeit auch zu einem Schmelztiegel verschiedener Afrokulturen entwickelt. Die Früchte hört man in der stilbunten, hochmelodiösen Vielfalt von Urban Village, auf deren erstem Album Computertöne ebenso selbstverständlich Verwendung finden wie Molois Flöte und in der die Musikern bei „Marabi“ einfach mal bigbandmäßig losjazzen und im Lauf des Songs das „Wimoweh“ aus „Mbube“ einflechten, dem bei uns als „The Lion Sleeps Tonight“ (von den DooWoppern The Tokens) wohl immer noch bekanntesten Song afrikanischen Ursprungs. Der Tipp der Woche: Auch Anfänger in Sachen Weltmusik brauchen hier keine Gehhilfen.

Urban Village – „Udondolo“ (No Format!)

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