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Neue Alben von Bryan Adams, Cowboy Junkies, Scorpions, Midnight Oil und anderen

Die Cowboy Junkies: Alan Anton, Margo Timmins, Peter Timmins und Michael Timmins (v.l.).

Die Entdeckung der Langsamkeit: Die Cowboy Junkies (Alan Anton, Margo Timmins, Peter Timmins und Michael Timmins (von links) haben ein Album mit traumhaft schönen Coverversionen am Start.

„Mit Musik geht alles besser“ sang einst Rudi Schuricke. Das versuchen wir uns jetzt auch wieder einzureden, auch wenn das betäubende Gefühl, das der völlig irrationale Krieg des russischen Despoten gegen die Ukraine verursacht hat, nicht nachlässt. Schurickes Lied entstand im Krieg, war ein Hit, als die Nazis die Welt zu unterwerfen suchten und als in den polnischen Vernichtungslagern der Holocaust an den europäischen Juden (und vielen anderen) stattfand. Nein, mit Musik wird nicht alles gut und so manches übertüncht. Dennoch schauen wir auch in dieser Woche auf eine Reihe neuer Musiken, die jetzt auf den Markt kommen.

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Die Gang of Youths erzählen eine krasse Vater-Sohn-Geschichte

„Ich werde dich für alles brauchen“, singt David Le’aupepe. „Ich werde dich in allem hören“ und „Ich werde in allen Dingen nach dir Ausschau halten“. „You in Everything“ ist ein Lied für seinen toten Vater auf einem Album, das der Tote durchdringt und auf dem der Sänger der australischen Band Gang of Youths von sich, seinen Problemen als jungem Halbstarken, seiner Familie, seinem Erwachsenwerden und der nie nachlassenden Bewunderung für seinen alten Herrn singt. Aber „Angel in Realtime“ ist auch ein Album der Täuschungen. Sein Vater, an dessen Sterbebett er bis zuletzt saß, war zehn Jahre älter als er angegeben hatte, hatte über seine Maori-/deutsche-Jüdin-Abstammung gelogen. Auf Neuseeland hatte er zwei Söhne, die er weggegeben hatte und so hatte David Le’aupepe plötzlich zwei Brüder und eine Menge Neuigkeiten. Wie ein Roman oder eine Sammlung von Kurzgeschichten, die sich zu einem Ganzen fügen, wirkt dieses Album über zwei Menschen im selben.

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Und ähnlich klingt Le’aupepe wie zwei. Auf „You in Everything“ oder „Returner“ gemahnt er schwer an Neil Diamond, dessen sonore Salbe von einer Stimme ja von Telefonnummern und Bankraub singen könnte – und trotzdem würde man sich vollkommen eingelullt fühlen. Und bei anderen Songs wie „In the Wake of Your Leave“, „Unison“ oder „The Kingdom Is within You“ erinnert er an die euphorisch-pathetischen Gitarrenrockcrooner der Achtzigerjahre wie U2s Bono oder Jim Kerr von den Simple Minds. Mit Streichern und Synthesizern und erstaunlich ohrgängigen Melodien zelebriert die Band aus Sydney ein Großfest des Pop. Wenn Le’aupepe dann aber seine Brüder vorstellt, ist da nur er, die Melancholie und sein Piano. Mit dem Satz „Willst du wissen, was das Leben ist? Dann nimm es Tag für Tag“ im Song „Goal of the Century“ schließt optimistisch ein Album, das trotz oder gerade wegen seiner Geschichte zu den Großen dieses Jahrgangs zählen wird.

Gang of Youths – „Angel in Realtime“ (Mosy Music)

Tears for Fears kehren zur alten Klasse zurück

Die Geschichte von Tears for Fears hätte ganz andere Kapitel haben können. Roland Orzabal und Curt Smith waren die Köpfe und irgendwann verbliebenen Zwei der Band aus Bath, die zunächst einige der maßgeblichen Synthpop-Klassiker schrieben („Mad World“, „Pale Shelter“, „Shout“) und dann mit dem Album „Seeds of Love“ ihr eigenes „Sergeant Pepper“ vorlegte. Dann gingen sie noch mit Pomp und Doppelpomp sowie der großartigen Oleta Adams als Pianistin und gospelig-gänsehauterregender Backgroundsängerin auf Tour. Und dann war plötzlich nur noch Orzabal übrig und der verlor sich im Mittelmaß. Tränen für eine verlorene Band.

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Nach der Reunion 2004 lief nicht viel. Dafür jetzt umso mehr. „The Tipping Point“, das Ergebnis einer Dekade Arbeit, unterbrochen von Todesfällen und der Pandemie, beginnt mit Akustikgitarren und ruft das Wort von Heinz Rudolf Kunze in Erinnerung, wonach „Country und Americana der Rock’n’Roll der Älteren seien“. Doch noch innerhalb des zunächst simon-and-garfunkelnden Eröffnungssongs „No Small Thing“ werden Smith und Orzabal wieder zu der Popwaffe, die sie in den Achtzigern waren. Es gibt sphärische Kuschelrockballaden wie „Rivers of Mercy“, Synthrocker wie „My Demons“ oder „End of Night“ und Beatleskes wie „Master Plan“. Es geht in den zehn Liedern um Sterblichkeit, um die Irrwege des menschlichen Verstands. „Please Be Happy“ (jazzig und bombastisch zugleich) heißt ein Ratschlag „Sei gut zu dir selbst“ ein anderer. Das nehmen wir gerne an wie auch dieses hübsche Sammelsurium, das wiewohl die alte Grandezza nicht erreicht wird, das beste Album seit den „Seeds“ ist. Vielleicht tatsächlich noch mal ein „Umkipppunkt“.

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Tears for Fears – „The Tipping Point“ (Concord Records)

Die Scorpions rocken immer noch rechtschaffen

Lauter! Kein Bling-bling! Sondern Rock’n’Roll! Die Scorps haben ab und zu danebengehauen, stimmt. Beim Hitversuch „To Be Number One“ etwa klangen sie wie Roxette ohne Marie Fredriksson und die Neuaufnahme von zum Beispiel „Rock You Like a Hurricane“ braucht wirklich keiner, weil auf Partys in der Rockrunde immer noch das Original aufgelegt wird und nix sonst. Studioversion 2.0 – no thanks. Aber die letzten Studioalben mit neuem Stoff waren Klassekracher, und der „Rockbeliever“ ist da nicht nur keine Ausnahme, sondern das Sahnemützchen auf dem Spätwerk einer Band, die ihr Genre markant mitbeeinflusst hat und neben den Elektrogöttern von Kraftwerk wohl die weltweiteste deutsche Formation sind.

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Dass Songtitel hier etwas mackerhaft „Roots in My Boots“, „Knock ’em Dead“ oder „Gas in the Tank“ heißen, ist dem Genre geschuldet. Aber die Songs dahinter sind einfach Bretter vom Fettesten und „When I Lay My Bones To Rest“ jagt dahin wie eine schnieke Corvette Stingray. Wenn die Scorpions dann zum Reggaerock von „Shining of Your Soul“ noch beatleske Sphären und ein wunderschönes Gitarrensolo packen, steht da am Ende ein Song wie aus den Zeiten, als Rock jung und ein Held war. Die Walze „Seventh Sun“ erweckt Assoziationen zu Bowies „Dark Star“. Und eine feine Ballade über Bodenständigkeit zum Schluss: „When You Know (Where You Come From)“. Bisschen erinnert das Cover dann auch noch an den Siebzigerjahre-Klassiker „Goats Head Soup“ von den Rolling Stones. Und jetzt mach ma’ hin, Rock’n’Roll Hall of Fame! Die müssen da jetzt rein!

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Scorpions – „Rockbeliever“ (Vertigo)

Midnight Oil verpacken Protestsongs in knackige Songs

Der Refrain ihres wohl bekanntesten Songs handelte vom Verhältnis der Australier zu ihren Ureinwohnern, von Landnahme, Missbrauch heiligen Bodens, Vertreibung und der Aufforderung zu Rückgabe. Midnight Oils politischer Hit „Beds Are Burning“ hatte diesen Refrain, der auf vieles passt – von Europas Position im Ukraine-Konflikt bis zum Nichtstun im Angesicht des Klimawandels. „Wie können wir tanzen / wenn die Welt sich wandelt? / Wie können wir schlafen / wenn unsere Betten brennen?“ hieß es da. Midnight Oil waren eine politische Rockband. Sänger und Aktivist Peter Garrett ging in die Politik, war von 2007 an unter anderem Australiens Minister für Umwelt, Kulturerbe und Kunst. Jetzt sind Midnight Oil wieder da.

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Schon der Albumtitel des 2019 aufgenommenen „Resist“ zeigt, dass sich nichts verändert hat, was Ambition und Haltung betrifft. Auf der ersten Single „Rising Seas“, die mit Barretts flehender Stimme und Harmonium beginnt und dann von einem mächtigen Bass getrieben wird, werden die Kinder ins Haus zurückgerufen, man erzählt ihnen, sie „billig verkauft zu haben“. Die Generationen, die gehen, hinterlassen brennende Landschaften und steigende Ozeane. Midnight Oil meinen, was sie singen und sie packen ihre Postulate und Haltung in Melodien, die den Worten Gehör versprechen, weil sie einfach bezwingend sind. Es ist kein Konstatieren des Untergangs, mehr eine Beschwörung der Tatkraft, dass alles Erdenkliche unternommen werden muss. In „Tarkine“ besingt Garrett die Schönheit vom Baumriesen, eine Überwältigung durch die Pracht der Natur. „Resist“ soll das letzte Album von Midnight Oil werden. Was schade wäre.

Midnight Oil – „Resist“ (Sony)

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Der dunkle Sonnenschein von The Dead South

„You Are My Sunshine“ gibt es in Moll, die kanadischen Bluegrasser The Dead South machen es dem Publikum mit dem „leichten Hören“ jetzt nicht superleicht. Zwei EPs namens „Easy Listening for Jerks Parts 1 & 2“ mit je sechs Stücken liefert das Quartett bestehend aus Nate Hilts (Gesang, Gitarre, Mandoline), Scott Pringle (Gitarre, Mandoline), Danny Kenyon (Cello) und Colton Crawford (Banjo) und das Ergebnis ist so rau und kantig wie virtuos. Traditionellere Songs sind auf der ersten Ausgabe zu hören – etwa die durch June Carter Cash bekannten „Keep on the Sunny Side“ oder „Will the Circle Be Unbroken“, deren Ausformung ebenfalls ironisch zum Titel steht. Höhepunkte sind das banjogetriebene Instrumental „Flint Hill Special“ (im Original von Lester Flatt und Earl Scruggs) und das vergessene „Matterhorn“, mit dem die Country Gentlemen 1968 eine tödliche Bergtour in der Schweiz besangen.

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Auf der zweiten Disc zwingen The Dead South Musik aus der Rockmusik unters Banjo – so etwa Weens „Help Me Scrape the Mucus off My Brain“ oder „Chop Suey“ von System of a Down. Der potenzielle Hit dieses Albums aber ist „People Are Strange“. Der kabarettartige Song, mit dem die Doors einen Höhepunkt des überaus wundersamen Popjahres 1967 setzten, und der heute zu einem Oldie der Nostalgiesender herabgewürdigt wurde, bekommt durch das neue Arrangement seine Gravitas und Intensität zurück. In den Verwebungen der akustischen Saiteninstrumente tritt auch der Text wieder ins Bewusstsein. Und wann fühlte man sich je mehr als Außenseiter, wann kamen einem die Zeitgenossen fremder vor als in diesen Tagen und Jahren?

The Dead South – „Easy Listening for Jerks – Parts 1 & 2“ (Devil Duck Records)

Led-Zeppelin-Hommage: Beth Hart als Goldene Göttin

Gute Songwriterin, Stimme von Janis-Joplin-Format, aufrichtige Haltung – trotzdem (oder vielleicht auch deswegen) hat’s erst in den letzten Jahren geklappt mit Beth Hart und dem breiteren, deutschen Massengeschmack. Die letzten beiden Alben der Kalifornierin, deren Karriere 1993 begonnen hatte, schafften 2018 und 2019 bei uns Top-Ten-Platzierungen. Das könnte auch bei ihrem Herzensprojekt klappen. Von Kindesbeinen an war Hart Fan des Sounds von Led Zeppelin, des Gesangs von Robert Plant. Als Fünfjährige hatte sie deren „Black Dog“ im Nachbarhaus gehört.

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Led Zep wurden zu einem ihrer Fixsterne. Und jetzt singt sie den Song selbst. Und „Good Times, Bad Times“, und „No Quarter“ als Medley mit „Babe, I‘m Gonna Leave You“ sowie das funkige „The Crunge“. Anfangs hatte sie Rob Cavallo, dem Produzenten ihres Vorgängers „War in My Mind“, eine Absage für das Projekt erteilt. Man brauche Zorn in sich für Led Zep. Die Pandemie und der mit ihr verbundene Stopp aller Liveshows brachte Hart schließlich dermaßen in Wallung, dass sie doch zusagte. Was man „A Tribute to Led Zeppelin“ zuweilen anmerkt, ist, dass die gewaltige Stimme der inzwischen 50-Jährigen auf zuvor fertig eingespielter Musik tanzt. Aber der Zorn ist unzweifelhaft da und immer wieder ist da bei „Whole Lotta Love“ und „Kashmir“ so viel Ekstase, dass nicht mehr festzustellen ist, wer da eigentlich singt. Ganz nah dran an Plant, dem Goldenen Gott des Rock, ist Beth Hart, ganz nah!

Beth Hart – „A Tribute to Led Zeppelin“ (Provogue/Mascot Label Group)

Bryan Adams lässt den Rockmuskel zucken

Auch Bryan Adams war vom Lockdown niedergeschlagen. Nichts war mehr einfach, vor allem das Musikmachen nicht. Mit „oh-oh-oh“ (gern genutzter Adams’scher Grölgesang) und einem markanten Gitarrenriff rockt der Kanadier sein neues Album „So Happy It Hurts“ ein – eine Uptemponummer auf das Glück der kleinen Dinge, über die Normalität, die man nie zu schätzen wusste, als alles normal war. „You Lift Me Up“ (Liebeslied, gezügeltes Tempo), „I Ain‘t Worth Shit Without You“ (Liebeslied, Rocker mit Blues-Flair) heißen die Optimismus verbreitenden Songs. „Kick Ass“ erzählt das vergessene Kapitel der Schöpfungsgeschichte über die Erschaffung der Rockmusik – nach anderthalb Minuten biblischer Vorrede geht die Post ab. Adams lässt den Chuck Berry raus, den Rock’n’Roll-Muskel zucken.

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„Sie sagten, die Zeit ist ein Heiler, die Zeit wird deinen Schmerz wegnehmen“ singt er im bluesigen „Never Gonna Rain“. Ja, das sind radiotaugliche Aufbausongs von vornehmlich mittlerer oder gesteigerter Geschwindigkeit, Gute-Laune-Macher, schöne Versprechen in Zeiten, in denen man zum Himmel nach einem besseren Planeten Ausschau hält. Wahrscheinlich hat Adams recht, aber es wird noch eine Weile dauern, bis man wieder so happy ist, dass es wehtut.

Bryan Adams – „So Happy It Hurts“ (BMG)

Die wunderbaren Langsamkeiten der Cowboy Junkies

Die ergreifendsten Langsamkeiten im Rock’n’Roll-Geschäft lieferten neben den Walkabouts immer schon die Cowboy Junkies aus Kanada, die Americana machten, lange bevor der Begriff auftauchte, und deren Sängerin Margo Timmins sich bis heute darauf versteht, den Brunnen der Melancholie voll auszuschöpfen. Spätestens seit ihrem Album „The Trinity Sessions“ (1989) gehören sie zu den Must-Haves all jener, die aus trauriger Musik Kraft schöpfen können. Was wirklich funktioniert, wie der große deutsche Jazz-, Blues- und Rockimpresario Fritz Rau zeitlebens versicherte. Auf „Songs From the Recollection“ haben Timmins und ihre Mitstreiter sich (weitgehend) ihren Einflüssen gewidmet. Es gibt Coverversionen der kostbaren Art.

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Los geht es freilich nicht mit Americana, sondern mit dem gitarrendurchwölkten „Five Years“, dem Opener von Bowies „Ziggy Stardust“-Album. Die Cowboy Junkies lassen daraufhin Countryrock-Urvater Gram Parsons’ „Ooh Las Vegas“ so klingen, als sei’s ein Stück von CCR. Und Neil Youngs „Don‘t Let It Bring You Down“ ist eine schläfrige Umarmung für alle – in Zeiten, in denen guter Rat teuer und Trost keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Ganz bewusst steuern die Musikmaniacs der Band an den „Hits“ ihrer Vorbilder vorbei – sie lassen Dylans Lovesong „I‘ve Made up My Mind to Give Myself to You“ träge und texmexig walzern. Und von den Rolling Stones verzaubern sie deren Abschiedsblues „No Expectations“ in Junkies-Stoff: „Unsere Liebe ist wie unsere Musik“, heißt es darin, „sie ist da (…) und dann ist sie vergangen (…)“

Cowboy Junkies – „Songs of the Recollection“ (Proper Records)

Lo Moon beschwören den süßen Vogel Jugend

Wem die außerordentliche musikalische Verflachung der großen Coldplay zugunsten von Chartskompatibilität schon länger nicht mehr gefällt – erst recht nicht seit deren letztem Album „Music of the Spheres“, wer aber trotzdem auf Überwältigung durch Melodie steht, der sollte es vielleicht mal mit den Kaliforniern von Lo Moon versuchen. Auf „A Modern Life“, dem zweiten Album des Quartetts, bestimmen Keyboards den Klang. Aber auch Samuel Stewart – der Sohn von Eurythmics-Mitglied Dave Stewart und Siobhan „Bananarama“ Fahey – drückt dem Sound seinen Stempel mit traumverlorenen Gitarrenbögen und Twangs auf. Und dann ist da Matt Lowell, ein Mann, der die tröstliche Wirkung des Falsetts voll auslotet. Er „repariert uns“ mit seinem schönen Gesang, wie uns das Coldplays Chris Martin versprochen hatte.

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Der Mix aus zeitgenössischem Pop, Wave und Achtzigerjahre-Plucker-goes-Bummtschacka hat vom Opener „Carried Away“ an etwas völlig Verwunschenes, zugleich Euphorisierendes. In ihren Texten sind Lo Moon inzwischen reflektierter als auf ihrem Debüt, beschwören in „Dream Never Dies“ den süßen Vogel Jugend und bilanzieren in „Expectations“, welche Träume des 16-Jährigen sich alle nicht erfüllt haben: „Es wird ziemlich schwer, mich nicht selbst anzuklagen“, barmt Lowell. Völlige Verlorenheit im Titelsong, das Festhalten an verlorener Liebe in „Digging up the Dead“. Alles hier ist catchy, aber nie formelhaft. „Raincoats“ ist ein Fest der Leidenschaft für Musik. Und für die leben Lo Moon wie Lowell in „Eyes on the Prize“ versichert: „I’d rather be dead than live with no passion!“

Lo Moon – „A Modern Life“ (Strngr Records)

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