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NaNoWriMo 2019: Wie schreibt man einen Roman in einem Monat?

  • Ein ganzer Monat, der dem Schreiben des eigenen Romans gewidmet ist.
  • Der NaNoWriMo („National Novel Writing Month“) soll Autoren dabei helfen, ihr Schreibprojekt zu realisieren.
  • Die Herausforderung: Sie haben nur 30 Tage Zeit.
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San Francisco. Wer sich schon einmal daran probiert hat, weiß, wie schwierig das ist: das Schreiben eines eigenen Buchs. Die Angst vor dem weißen Blatt lässt nicht nur viele Hobbyautoren regelmäßig verzweifeln. Dabei ist es weniger ein Mangel an Ideen, der dazu führt, dass viele Schreiber schon bei der ersten Seite kapitulieren. Im Gegenteil, meist kreisen in den Köpfen viel zu viele Gedanken. Diese zu ordnen und in sprachlich ansprechende Sätze zu verwandeln ist die hohe Kunst. Und damit steigen auch die Ansprüche an sich selbst.

Was ist der NaNoWriMo?

Zu Unrecht, wie sich der freie Autor Chris Baty dachte. Und so rief er 1999 den ersten NaNoWriMo ins Leben – einen Monat, der dem Verfassen eines kompletten Romans gewidmet sein sollte. Seitdem soll der „National Novel Writing Month“ (zu Deutsch Nationaler-Roman-schreib-Monat) schreibgehemmten Autoren dabei helfen, ihre Blockaden abzubauen. Mit Erfolg: Inzwischen verzeichnet der NaNoWriMo mehrere Hunderttausend Teilnehmer auf der ganzen Welt. Auch in diesem Jahr findet das Schreibprojekt im November statt.

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Nach Angaben der Organisatoren haben sich inzwischen knapp 800.000 Schreiber aktiv an dem jährlichen Schreibevent beteiligt, aus dem bislang mehr als 360.000 Romane hervorgegangen sind.

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Wie funktioniert der NaNoWriMo?

Die Aufgabe ist simpel und doch fordernd: 50.000 Wörter in 30 Tagen. Natürlich reicht das nicht, um einen perfekten Roman abzuliefern. Aber darum geht es beim NaNoWriMo auch nicht. Viel mehr als die Qualität des Geschriebenen steht bei dem Kreativprojekt das Überwinden von Hemmungen im Vordergrund. Frei nach dem Motto „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

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Und zu gewinnen gibt es auch etwas, wenn auch eher Symbolisches. Wer es schafft, innerhalb des festgelegten Zeitlimits 50.000 Wörter zu schreiben, hält am Ende immerhin die Rohversion seines eigenen Romans in der Hand. Darüber hinaus erhält jeder Gewinner eine Urkunde. Zudem belohnen einige Sponsoren, zu denen in den vergangenen Jahren immer wieder auch Amazon und diverse Tochterunternehmen gehörten, Teilnehmer des NaNoWriMo mit Rabatten und eigenen Preisen.

Weltweite Autoren-Community aus „Wrimos“

Im Mittelpunkt der Aktion steht der Community-Gedanke. Als Non-Profit-Organisation bietet NaNoWriMo Teilnehmern zwar die Werkzeuge, Struktur und Unterstützung für die Realisierung ihres Schreibprojekts, zur Verfügung stellen das aber nicht nur die Organisatoren, sondern auch die Teilnehmer, „Wrimos“ genannt, selbst.

In Foren können sie sich über Ideen austauschen, Tipps gegen Schreibblockaden und Motivationsprobleme geben oder in kleinen Schreibsprints gegeneinander antreten. Hauptsache, jede Autorin und jeder Autor bekommt die Unterstützung, die er oder sie benötigt. Schließlich muss jeder und jede von ihnen rund 1667 Wörter pro Tag schreiben, um die 50.000-Marke am Ende der 30 Tage zu knacken.

NaNoWriMo: Welche Regeln gibt es?

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Hilfe finden die Teilnehmer zudem in Webinaren, in sozialen Medien und auf der Website der Veranstalter. Auf Twitter bieten Schreibcoaches in Livechats ihre Unterstützung an. Im Vorfeld können Interessierte an sogenannten Prep-Workshops teilnehmen, die rund zwei Monate vor dem eigentlichen Schreibevent beginnen. Dabei widmen sie sich der Ideenfindung, der Entwicklung von Handlung und Charakteren sowie dem richtigen Zeitmanagement.

Die einzigen Regeln: Das erste Wort darf erst um Punkt Mitternacht am 1. November geschrieben werden. Kurz vor Mitternacht am 30. November endet der NaNoWriMo. Bis dahin müssen alle Teilnehmer ihre Wortzahl online übermittelt haben. Notizen aus der Planungsphase dürfen verwendet, aber nicht in den Text übernommen werden.

Wer überprüft die Texte?

Für Sprache, Genre und Form gibt es keine Vorgaben. Alles ist legitim, solange die Teilnehmer selbst glauben, einen Roman zu schreiben. Von Seiten der Organisatoren erfolgt keinerlei Überprüfung der Texte im Hinblick auf Inhalt, Rechtschreibung und Form, auch die Einhaltung der Regeln wird nicht kontrolliert. Lediglich die Wörter werden mithilfe einer eigenen Software gezählt.

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Natürlich drängt sich da die Frage auf, wie es um die Fairness des Projektes bestellt ist. Da es aber weder Jury noch Kontrollfunktionen gibt, erübrigt sie sich. Schließlich steht jeder vor seiner eigenen Herausforderung. Wer meint, schummeln zu müssen, betrügt sich also letztlich selbst.

Bekannte NaNoWriMo-Teilnehmer

Wer ein Druckexemplar seines Romans am Ende des NaNoWriMo wünscht, erhält bei Blurb, einer Self-Publishing-Plattform, 30 Prozent Rabatt auf die erste Bestellung.

Nach Angaben der Organisatoren wurden bereits mehr als 400 Romane, die im Rahmen des NaNoWriMo verfasst wurden, von kleineren und größeren Verlagen veröffentlicht. Zu den bekanntesten und ins Deutsche übersetzten gehören:

  • „Wasser für die Elefanten“ von Sara Gruen, DuMont
  • „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern, Ullstein
  • „Fangirl“ von Rainbow Rowell, dtv
  • „The Forest – Wald der tausend Augen“ von Carrie Ryan, cbt
  • „Herzklopfen auf Französisch“ von Stephanie Perkins, cbj
  • „Wie Monde so silbern“ (erster Band der „Luna-Chroniken“) von Marissa Meyer, Carlsen

NaNoWriMo in Deutschland

Auch in Deutschland ist der NaNoWriMo für viele Hobbyschreiber und hauptberufliche Autoren eine Herzensangelegenheit und damit Pflichttermin im Kalender. Zu ihnen gehört Bianca Iosivoni, die bereits seit vielen Jahren am NaNoWriMo teilnimmt und mittlerweile den Sprung in Deutschlands Bestsellerlisten geschafft hat. Mit ihren New-Adult- und Fantasy-Romanen begeistert sie seitdem viele Leser, aktuelle Bücher sind beispielsweise das Finale der „Sturmtochter“-Saga oder die beiden zusammengehörenden Bände „Falling Fast“ und „Flying High“.

Mehr erfahren? Hier geht es zu den Büchern:

- Falling Fast (Hailee & Chase, Band 1)

- Flying High (Hailee & Chase, Band 2)

- Sturmtochter, Band 3: Für immer vereint

Im Interview mit dem RND hat Bianca Iosivoni einige Fragen zum NaNoWriMo beantwortet und berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit dem jährlichen Schreibmonat im November:

Wann hast du das erste Mal an dem Schreibprojekt teilgenommen, und wie bist du darauf aufmerksam geworden?

Das erste Mal habe ich 2012 teilgenommen und seither versucht, jedes Jahr dabei zu sein. Aufmerksam auf den NaNo bin ich online und durch Freunde geworden, die ebenfalls geschrieben und daran teilgenommen haben.

Hast du bereits öfter mitgemacht?

Ja! Dieses Jahr ist mein siebter NaNoWriMo.

Hier ein Überblick über meine bisherigen NaNos und Projekte: https://nanowrimo.org/participants/bianca_iosivoni/projects

Wie war deine Erfahrung? Hat es dir geholfen, wenn ja, inwiefern?

Obwohl ich mittlerweile hauptberuflich Autorin bin und regelmäßig schreibe, liebe ich den NaNo noch immer. Es macht einfach Spaß! Außerdem ist durch die öffentlich einsehbare Statistik auch ein gewisser (positiver!) Druck dabei, das Ziel zu erreichen, und es ist toll, sich mit anderen auszutauschen, die ebenfalls am NaNoWriMo teilnehmen und die 50.000 Wörter schaffen wollen.

Hast du die Challenge 50.000 Wörter in 30 Tagen geschafft?

Ja, schon fünfmal.

Ist aus dem, was du während des Projekts geschrieben hast, ein Roman entstanden, der veröffentlicht wurde? Wenn ja, welcher?

Alle Geschichten, die ich im NaNo geschrieben habe, wurden auf die eine oder andere Weise veröffentlicht, sei es im Verlag oder im Selfpublishing. Letztes Jahr habe ich im November an „Falling Fast“ geschrieben, das im Mai 2019 beim LYX-Verlag erschienen ist. Die Teilnahme am NaNo kann also durchaus helfen, etwas zu Papier zu bringen. Doch gerade zu Beginn meiner Schreibkarriere und bei den ersten NaNos musste ich die Geschichte später noch mal neu und besser schreiben, da ich eher drauflosgetippt hatte, statt mir Gedanken um den Plot zu machen. Mittlerweile landet das, was ich im NaNo schreibe, genauso bei meinen Verlagen auf dem Tisch wie alles, was ich das restliche Jahr über schreibe.

Weißt du, wie groß die Community in Deutschland ist? Kennt man sich? Wie ist der Austausch?

Das weiß ich tatsächlich nicht, aber ich hoffe, sie wächst mit jedem Jahr und es werden immer mehr Teilnehmer. Vor allem, wenn man nicht so viele Leute kennt, die ebenfalls schreiben, ist der Austausch beim NaNo sehr viel wert.

Kennst du andere Autoren aus Deutschland, deren NaNo-Material später von einem Verlag veröffentlicht worden ist?

Tatsächlich kenne ich einige Autoren und Autorinnen aus Deutschland, deren veröffentlichte Bücher ganz oder teilweise im NaNo entstanden sind. Mitmachen lohnt sich also auf jeden Fall. Im Idealfall hat man am Ende ein fertiges Manuskript.

RND

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