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Nachruf auf Roxette-Frontfrau Marie Fredriksson: „... but it’s over now“

  • Die Musikwelt trauert: Roxette-Sängerin Marie Fredriksson ist tot.
  • Im Alter von 61 Jahren erlag die Frontfrau ihrem Krebsleiden. 2002 wurde ein Gehirntumor diagnostiziert und das Kapitel Roxette schien vorbei – doch Fredriksson kämpfte sich auf die Bühne zurück.
  • Nun verlor sie den Kampf gegen den Krebs.
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Die Band hieß Roxette, was nach einem Staubsaugermodell der Fünfzigerjahre klang. Eine Single der britischen Pubrock-Truppe Dr. Feelgood war der Namensgeber der schwedischen Popgruppe gewesen. Und ab 1988 liebten zig Millionen Menschen in aller Welt die blonde, androgyne Marie Fredriksson und ihren Partner, den netten Multiinstrumentalisten und Songwriter Per Gessle. „The Look“ hieß die Single, mit der eine der größten Karrieren der späten Achtziger- und Neunzigerjahre begann.

Zuletzt traten sie 2016 in Kapstadt auf, jetzt endet das Kapitel Roxette. Am Montagmorgen starb Marie Fredriksson im Alter von 61 Jahren an Krebs. „Mit großer Trauer müssen wir mitteilen, dass eine unserer größten und beliebtesten Künstlerinnen verstorben ist“, schrieb Managerin Marie Dimberg am Dienstag. Fredriksson hinterlässt ihren Ehemann Mikael Bol­yos und ihre Kinder Josefin und Oscar.

Familie als Gegenpol zur Musikwelt

Schon vor Roxette war die 1958 in Össjö geborene Fredriksson in Schweden erfolgreich gewesen – mit der Punkband Strul und den kurzlebigen Mamas Barn. Immer wieder veröffentlichte sie in den Roxette-Pausen Soloalben – fast ausnahmslos in schwedischer Sprache. Ihre Familie war ihr wichtig, das Gegengewicht zum Popstartrubel, wie sie 2001 in einem Interview mit der „Neuen Presse“ verriet: „Es ist wichtig“, sagte sie damals, „das Kind nicht zu vergessen, das man war. Man verändert sich ganz schön im Lauf der Jahre. Und wenn man selbst Nachwuchs hat, macht einen diese Erinnerung einfühlsamer.“

Marie Fredriksson und Per Gessle während ihrer Tournee im Jahr 2012. © Quelle: imago images/TT
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Roxette, 1986 gegründet, und damit eine Band des CD-Zeitalters, roch noch nach der Ära des Vinyls, nach der Plastikwürze, die verströmte, wenn man eine nagelneue Schallplatte aus der Hülle hob. Eine Band für 45er-Singles waren Roxette, für Hits, Charts, Poster. Ein dynamischer Powerpop mit den Lidschatten und der Mascara von Rock, ein Hitding wie Creedence, die Eurythmics oder ihre Landsleute von Abba. Wenn Fredriksson in Konzerten die Aufforderung „Come, join the joyride!“ in die Saalnacht schickte, frei nach der „Magical Mystery Tour“ der Beatles, schwelgte und schauderte man mit.

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Roxette-Sängerin Marie Fredriksson ist gestorben
1:24 min
Jahrelang kämpfte sie gegen den Krebs. Nun ist Roxette-Sängerin Marie Fredriksson mit nur 61 Jahren gestorben.  © Matthias Halbig/dpa
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Erste Krebsdiagnose im Jahr 2002

2002 schlug der Krebs dann zum ersten Mal zu. Ein Gehirntumor wurde diagnostiziert und das Kapitel Roxette schien vorbei. Doch Fredriksson kämpfte sich auf die Bühne zurück. Im Dezember 2009 kündigte Moderator Uwe Bahn den Roxette-Auftritt bei der vorweihnachtlichen Nokia Night of the Proms als „Comeback des Jahres“ an. Fredriksson wirkte zwar gebrechlich, hatte sichtlich Geh- und Sehprobleme, dennoch zündeten Roxette damals die Adventskerzen an beiden Enden an. Marie gab alles, die einst so glockenhelle Stimme klang jetzt dunkler, ein wenig rauer auch. Sie untersang Höhen geschickt oder ließ das Publikum übernehmen. Und es gab stehenden Applaus für diesen Ausbund an Willenskraft in Hannovers Tui-Arena – glücklich die Fans, glücklich das Duo.

Roxette gingen 2011 wieder richtig auf Tour. Auch wenn die Hits kleiner geworden waren, waren die Konzerte Feste – nur leuchteten jetzt blaue Handyfensterchen statt Feuerzeugflämmchen. Fredriksson sang, bis der Kampf gegen den Krebs wieder all ihre Kraft brauchte. 2016 sagte sie Roxette auf Anraten der Ärzte endgültig adieu. Am Montag hat sie ihren Kampf verloren.

Emotionale Worte von Per Gessle

Per Gessle spielt die Roxette-Lieder weiter, mit seiner neuen, countrylastigen Band. Im Vorjahr erklärte er sich im RND-Interview. „Am Ende gab es nur zwei Optionen: Diese wunderbaren Songs nie mehr zu spielen oder es doch zu tun. Ich ersetze Marie nicht, ich bewahre nur unser Erbe. Wir spielen die Sachen zum Teil verändert – mit Violine und Pedal Steel. Fünf Sängerinnen wechseln sich auf der Bühne auf dem Platz von Marie ab.“ Bei Facebook schrieb er nun Trauerworte zum Abschied: „Danke, Marie, danke für alles ... danke dafür, dass du meine schwarz-weißen Songs mit den wunderschönsten Farben bemalt hast ...“

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Und diese bunten Songs werden in den kommenden Tagen wieder weltweit verstärkt Gehör finden: „Dangerous“, „Fading Like a Flower“ „Dressed for Success“ und natürlich das Lied aus dem Kinomärchen „Pretty Woman“ mit Julia Roberts, das Roxette als weltweites Popphänomen verankerte. Heute klingt es wie ein Abschied: „It must have been love … but it’s over now.“ Aber mit dem Leben von Popstars ist das so eine Sache. Mit der Liebe zu ihnen ist es nie vorbei. Sie sterben und sind doch unsterblich.