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Mit Sandra Hüller als Hamlet geht es los: Theatertreffen ab heute online

  • Eigentlich hätte ab dem 1. Mai das 57. Berliner Theatertreffen stattfinden sollen.
  • Wie immer waren die zehn besten Theaterstücke des Jahres eingeladen. Doch wegen Corona fällt es aus.
  • Nun werden immerhin sechs Stücke der diesjährigen Zehnerauswahl online gezeigt. Los geht es heute Abend mit "Hamlet".
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Hamlet hat es schon immer gewusst: “Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.” Dass quasi von jetzt auf gleich das gesamte Kulturleben eines Landes – und nicht nur das – brach- und stillliegen könnte, das hätte sich unsere Schulweisheit bis vor zwei Monaten nicht träumen lassen. Aber nun gibt es dieses Ding auf Erden, das wir Coronavirus nennen, und das dafür sorgt, dass wir den “Hamlet” am heutigen 1. Mai nicht auf der Bühne in Berlin, sondern im Netz sehen. Immerhin ist er zu sehen.

Das Berliner Theatertreffen gibt es seit 1964. Jedes Jahr wählt eine unabhängige Jury zehn bemerkenswerte Theaterinszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum aus. Daneben gibt es weitere Veranstaltungen wie den Stückemarkt, bei dem Gegenwartsdramatik gezeigt wird. In diesem Jahr fällt das Theatertreffen zum ersten Mal in seiner Geschichte aus.

Sechs von zehn Inszenierungen sind zu sehen

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Stattdessen präsentieren die Berliner Festspiele als Veranstalter nun an neun Tagen ein virtuelles Theatertreffen mit sechs Theateraufzeichnungen der Zehnerauswahl, einem Diskursprogramm zum Themenschwerpunkt Digitale Praxis am Theater sowie Gesprächen und der Juryabschlussdiskussion.

Ein schöner Nebeneffekt: Die Stücke sind während des Berliner Theatertreffens eigentlich immer ausverkauft – nun können viele Menschen an den Inszenierungen teilhaben. Alle Mitschnitte sind kostenlos. Wer möchte, kann für Künstler und Künstlerinnen spenden, muss es aber nicht. Zu sehen sind die Stücke und Probenmitschnitte unter diesem Link. Immer im Anschluss sprechen Schauspieler, Regisseure und Mitglieder der Jury über die jeweilige Inszenierung.

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Sandra Hüller erhält den Theaterpreis Berlin

Die sechs Inszenierungen, die gezeigt werden, wurden ausgewählt, weil sie “aus künstlerischer Perspektive und/oder in den technischen Voraussetzungen der digitalen Präsentationsform entsprechen”, wie es von den Berliner Festspielen heißt.

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Nach einem Grußwort der Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer um 20 Uhr eröffnet das virtuelle Theatertreffen am 1. Mai mit der im Rahmen der Reihe „Starke Stücke“ realisierten 3sat-Fernsehaufzeichnung der Bochumer Inszenierung “Hamlet” in der Regie von Johan Simons. In der Hauptrolle ist Sandra Hüller (“Toni Erdmann”) zu sehen. Hüller erhält in diesem Jahr auch den mit 20.000 Euro dotierten Theaterpreis Berlin, den die Stiftung Preußische Seehandlung verleiht. Wann die Preisverleihung nachgeholt wird, steht noch nicht fest.

Leiterin der Theatertreffens: Yvonne Büdenhölzer. © Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Die Aufzeichnung von “Hamlet” steht ab 1. Mai um 20 Uhr auch in der 3sat-Mediathek zum Abruf bereit und wird am 2. Mai um 20.15 Uhr im Programm von 3sat gesendet, erstmalig mit einer Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Menschen und Untertiteln für gehörlose und schwerhörige Menschen.

Des Weiteren zu sehen sind jeweils ab 20 Uhr:

- am 2. Mai “Anatomie eines Suizids” in der Regie von Katie Mitchell (Deutsches Schauspielhaus Hamburg)

- am 3. Mai “Die Kränkungen der Menschheit” in der Regie von Anta Helena Recke (eine Produktion von Anta Helena Recke mit den Münchner Kammerspielen in Koproduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer in Berlin, Kampnagel in Hamburg und dem Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt)

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- am 5. Mai “Süßer Vogel Jugend” in der Regie von Claudia Bauer (Schauspiel Leipzig)

- am 6. Mai “Chinchilla Arschloch, waswas” in der Regie von Helgard Haug (eine Produktion von Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt, Schauspiel Frankfurt und Rimini Apparat in Co-Produktion mit dem Westdeutschen Rundfunk und HAU Hebbel am Ufer, Berlin)

- am 8. Mai “The Vacuum Cleaner” in der Regie von Toshiki Okada (Münchner Kammerspiele)

Die Aufzeichnungen stehen jeweils ab 20 Uhr für 24 Stunden zum Abruf bereit. Begleitet werden die Online-Theatertreffen-Premieren von anschließenden Gesprächen mit beteiligten Künstlerinnen und Künstlern sowie Vertretern und Vertreterinnen der Theatertreffenjury.

Auch nominiert: Das Stück "Süßer Vogel Jugend". © Quelle: Rolf Arnold

“Wir sind auch systemrelevant”

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“Wir wissen natürlich, dass diese Arbeiten, die wir jetzt zeigen, nicht fürs Netz entstanden sind”, sagte Büdenhölzer der dpa. “Wir machen das aber trotzdem, weil wir signalisieren wollen: ‘Wir sind da, wir sind auch systemrelevant.’” Sie erwartet, dass angesichts der Pandemie nun mehr Theaterarbeiten speziell fürs Netz entstehen.

Den mit 10.000 Euro dotierten 3sat-Preis erhält in diesem Jahr der Theaterregisseur Alexander Giesche für seine Inszenierung “Der Mensch erscheint im Holozän” am Schauspielhaus Zürich. Die Preisverleihung wird wegen des ausfallenden Theatertreffens zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

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