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"Minamata“ mit Johnny Depp bei der Berlinale: Hollywoods müde Helden

  • Johnny Depp ist in "Minamata“ einem Umweltskandal auf der Spur.
  • Seinen neuen Film über die Massenvergiftung mit Quecksilber in einer japanischen Kleinstadt stellte der Hollywoodstar bei der Berlinale vor.
  • Im Wettbewerb läuft "Minamata“ allerdings nicht.
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Berlin. Das waren noch Zeiten, als Aktivistinnen wie „Erin Brockovich“ Umweltverbrechern das Handwerk legten und dafür in Hollywood gefeiert wurden. 2001 holte sich Julia Roberts mit dieser von der Wirklichkeit inspirierten Titelrolle den Oscar.

Das ist vorbei – beinahe jedenfalls. Das Kino, zumindest das aus Hollywood, glaubt immer weniger an die Anziehungskraft Normalsterblicher an der Kinokasse. Da müssen schon Superhelden mit Superkräften her.

Jetzt aber bricht doch noch mal ein versoffener Fotograf 1971 nach Japan auf, um einen Chemiekonzern auf die Anklagebank zu bringen. Wissentlich leitet das Unternehmen Chisso quecksilberhaltige Abwässer in Seen ein und vergiftet Fischerfamilien.

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Johnny Depp mit Zauselbart

„Minamata“ heißt der Film, so wie die japanische Stadt, in der das himmelschreiende Verbrechen geschah. 17.000 Japaner wurden geschädigt. Der legendäre US-Fotograf hieß W. Eugene Smith und wird von Johnny Depp gewissermaßen in dessen ersten Altersrolle gespielt.

Hinter dem grauen Zauselbart ist der Schauspieler im ersten Moment kaum zu identifizieren. Das Schwanken aus seiner Paraderolle als Captain Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ scheint Depp immer noch nicht ganz abgelegt zu haben - allerdings hat er den Rum durch Whiskey ersetzt.

Nur widerwillig geht der ausgebrannte Fotograf 1971 im Auftrag des Magazins „Life“ noch einmal ans Werk. Dann aber riskiert er Kopf und Kragen für die leidenden Menschen – und verliebt sich auch noch in die viel jüngere Übersetzerin Aileen.

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"Unbegreiflich, dass so etwas passieren konnte“

Das klingt nach Klischee, manches davon aber ist verbürgt. Die Witwe Aileen Mioko Smith saß am Freitag bei der Pressekonferenz. Sie bekundete ihr Erschrecken, dass die Krankheit in der japanischen Region bis heute existent sei. „Als ich zum ersten Mal den Bericht aus Minamata über die Quecksilber-Verseuchung las, fand ich es unbegreiflich, dass so etwas passieren konnte“, so Johnny Depp.

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Dem Zuschauer vermittelt dieser geradlinige Film das gute Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Hier wird auch noch einmal die Wirkmacht von Fotos beschworen, bevor die Welt mit Smartphones zu Tode fotografiert wurde: Peinlich genau wird im Film die Aufnahme des badenden, schwer behinderten Mädchens Tomoko nachinszeniert, die eine traurige Berühmtheit erlangt hat.

„Minimata“ läuft nicht im Wettbewerb

Auch wenn „Minamata“ von US-Regisseur Andrew Levitas eine britische Produktion ist: Viel näher wird man dem gefühlten Hollywood bei dieser Berlinale kaum kommen – bestenfalls im Pixar-Animationsfilm „Onward“, einem Plädoyer für mehr Magie in einer durchtechnisierten Welt, der ebenfalls am Freitag Premier hatte.

Der neue künstlerische Leiter Carlo Chatrian hatte vor Beginn des Festivals den Eindruck erweckt, dass Glanz und Glamour ihm nicht so wichtig seien. Aber auch wenn es anders sein sollte: Das US-Kino ist nicht mehr so leicht nach Berlin zu locken – schon gar nicht in diesem Jahr, in dem die Berlinale ausnahmsweise zeitlich hinter den Oscars liegt.

Unter dem bisherigen Festivalchaf Dieter Kosslick wäre „Minimata“ gewiss im Wettbewerb gelaufen. Chatrian hat der Produktion einen Platz in der Reihe „Special Gala“ zugewiesen und die Premiere in den Friedrichstadt-Palast verlegt. Im Wettbewerb stehen die unabhängig produzierten US-Filme „Never Rarely Sometimes Always“ (Regie: Eliza Hittman) und „First Cow“ (Regie: Kelly Reichardt) auf dem Programm.

Aber vielleicht sind Hollywoods alte Helden ja wirklich nicht mehr das Maß der Dinge. Wer hat noch mal den Oscar für den besten Film in diesem Jahr gewonnen? Genau, die Sozialsatire „Parasite“ über klassenkämpferische Kellerkinder in Südkorea.

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