„Milchkrieg in Dalsmynni“: Kriegerin im Kuhstall

  • Im Kinodrama „Milchkrieg in Dalsmynni“ kämpft eine Frau gegen Machtstrukturen.
  • Regisseur Grímur Hákonarson zeigt wie schon in „Sture Böcke“ starkes Kino aus Island.
  • Die Figuren sind hier so ambivalent, wie das Thema Landwirtschaft komplex ist.
Ruth Bender
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Dass die Welt nicht so heil ist, wie sie im abgelegenen Norden Islands sein sollte, sieht man gleich. Die besorgte Miene von Bauer Reynir, der mit Ehefrau Inga eine hoch verschuldete Milchfarm betreibt, spricht ebenso Bände wie das Getuschel über den Kollegen, der von der örtlichen Genossenschaft geschnitten wird, seit er seine Düngemittel billiger anderswoher bezieht. Als Reynir bei einem dubiosen Autounfall stirbt, spürt Inga den Machenschaften nach.

Eine Frau von stoischer Hartnäckigkeit

Wie schon in „Sture Böcke“ (2015) zeigt Regisseur Grímur Hákonarson auch in „Milchkrieg in Dalsmynni“ den Kampf des Individuums gegen aus dem Ruder gelaufene Machtstrukturen. Inga ist eine Heldin, die von der Trauer in den Zorn wächst und dann wie ferngesteuert ihr Ziel verfolgt – eine neue, faire Kooperative will sie gründen. Arndís Hrönn Egilsdóttir entwickelt die wortkarge Bäuerin zur Kriegerin von stoischer Hartnäckigkeit.

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In engen Räumen und leerer Landschaft wird die Einsamkeit der Heldin in Szene gesetzt, die sich von der Genossenschaft nicht einschüchtern lässt. Oft sind die Bilder brutal realistisch wie in einer Doku: Die Natur ist unerbittlich und die Landwirtschaft entfremdet – Inga steuert den Stallbetrieb per Computer.

Dabei sind die Figuren so ambivalent, wie das Thema komplex ist – als reine Bösewichte taugen die Genossenschaftler, die einst einen gerechten Kampf gegen die Übermacht der Städter ausfochten, eben nicht. Auch wenn dieser Aspekt etwas baden geht – die starke Heldin trägt diese Geschichte einer späten Entwicklung.

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„Milchkrieg in Dalsmynni“, Regie: Grímur Hákonarson, mit Arndís Hrönn Egilsdóttir, 92 Minuten, FSK 6

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