Mehr als 75.000 Zuschauer sehen das Dok.Fest online

  • Das Dokumentarfilmfestival musste in diesem Jahr wegen Corona online stattfinden.
  • Doch die Veranstalter machten aus der Not eine Tugend.
  • Mehr als 75.000 Karten wurden verkauft.
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Zwei Jahre alt ist die kleine Matheryn, die alle nur Einz nennen, als sie an einem Hirntumor stirbt. Doch ihr Vater, ein thailändischer Wissenschaftler, und seine Frau wollen das Mädchen nicht endgültig gehen lassen. In ihrer Hoffnung auf den wissenschaftlichen Fortschritt der Zukunft lassen sie das Gehirn des Mädchens einfrieren – wenn der Tumor irgendwann einmal heilbar sein wird, soll die Kleine wiederbelebt werden. Kryokonservierung heißt das umstrittene Verfahren, das unter anderem eine Firma in den USA anbietet. Der 15-jährige Bruder ist ein frühreifer Wissenschaftler, der sein Forschen in den Dienst seiner verstorbenen Schwester stellt. Schon früh hat er einen riesigen Rucksack voller Verantwortung zu schleppen.

Was klingt wie eine Science-Fiction-Story, ist eine reale Geschichte. Sie erzählt der faszinierende Dokumentarfilm “Hope Frozen”, der auf dem diesjährigen Dokumentarfilmfestival Dok.Fest München gezeigt wurde. Dass der Film überhaupt zu sehen war, ist einem riesigen Kraftakt der Festivalorganisatoren zu verdanken.

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Die Planer des Dok.Fests, das nun nach zweieinhalb Wochen zu Ende gegangen ist, hatten wegen der Corona-Krise und der Schließung von Kinos sehr kurzfristig von analog auf digital umstellen müssen. Mit großem Erfolg: Denn waren im Vorjahr (auch schon nicht wenige) 52.000 Besucher nach München gekommen, um sich großartige Dokus auf den Kinoleinwänden der Stadt anzuschauen, wurde diese Zahl deutlich getoppt: Mehr als 75.000 Zuschauerinnen und Zuschauer kauften sich ein Ticket. Die Zahl der tatsächlichen Zuschauer der Onlineedition dürfte damit sogar noch um einiges höher liegen. Denn anders als im Kino, wo gilt: eine Karte, ein Besucher, lässt sich nicht ermitteln, wie viele Menschen jetzt pro Ticket vor den Bildschirmen saßen.

“Es wurde unglaublich positiv aufgenommen, dass wir das Festival trotz der schwierigen Umstände veranstaltet haben”, sagt Festivalleiter Daniel Sponsel. “Wir haben auf diesem Weg vielen Menschen die Möglichkeit geben können, diese herausragenden Filme zu sehen.”

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Rumänischer Film gewinnt den “Viktor”

Auch Preise wurden wie gewohnt auf dem Dok.Fest verliehen. Als bester internationaler Dokumentarfilm wurde der Film “Acasa, My Home” ausgezeichnet. Er erzählt die Geschichte einer rumänischen Familie, die in der Natur aufgewachsen ist, nun aber in die Großstadt Bukarest zwangsumgesiedelt wird. Weitere Hauptpreise gewannen “Weiyena – ein Heimatfilm” und “They Call Me Babu”. Den Publikumspreis erhielt der Eröffnungfilm des Festivals, der berührende Film “The Euphoria of Being”, in dem die 90-jährige Holocaustüberlebende Éva Fahidi ihr Trauma auf der Tanzfläche loszuwerden versucht.

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Weitere Höhepunkte waren Filme wie “#Unfit – The Psychology of Donald Trump”, ein beängstigender Film über die psychische Disposition des amerikanischen Präsidenten. “Le Kiosque” erzählt die Geschichte eines kleinen Zeitungskiosks inmitten von Paris, zu dem vom Diplomatenfahrer bis zum Obdachlosen viele unterschiedliche Menschen kommen – und ausnahmslos auch als solche behandelt werden. Aber die Krise der Presse macht sich auch für Kioskbesitzer bemerkbar. Und “Autobahn” führt den Zuschauer nach Bad Oeynhausen, wo die Nordumgehung – eine viel diskutierte Autobahnverbindung – gebaut wurde. Wie so oft bei solchen Projekten ist des einen Freud des anderen Leid.

Insgesamt waren 18 Tage lang 121 Filme aus 42 Ländern zu sehen. 90 Filme waren Deutschland- oder Weltpremieren. Nach Aussage der Veranstalter wird die diesjährige Onlineedition das Dok.fest München verändern: “Für das nächste Jahr planen wir selbstverständlich wieder ein Festival auf der großen Kinoleinwand, doch wir möchten gern auch die Erfahrungen mit dieser Onlineedition in die Zukunft des Festivals mitnehmen”, so die Veranstalter. Das 36. Dok.fest München soll vom 5. bis 16. Mai 2021 stattfinden.

RND

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