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Marvels „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“: Die Fetzen fliegen hier ganz fantastisch

  • Das neue Marvel-Kinoabenteuer „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ (Kinostart: 2. September) ist mehr als nur Martial-Arts-Getöse.
  • Und es ist auch nicht nur eine devote Verneigung vor dem lukrativen asiatischen Kinomarkt.
  • Erzählt wird eine dramatische Coming-of-Age-Geschichte mit starken Darstellern wie Simo Liu und Wong-Kar-wei-Star Tony Leung.
Martin Schwickert
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Globale Blockbuster­produktionen spielen mittlerweile in Asien oft den Löwenanteil ihrer Einnahmen ein. Dennoch sind in Hollywood Hauptfiguren mit einem fernöstlichen Hintergrund eine Seltenheit, obwohl die Asia-Community in den USA immerhin einen Anteil von fast 6 Prozent ausmacht.

Nun hat Marvel die Zeichen der Zeit erkannt und integriert mit „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ einen asiatischen Protagonisten ins hauseigene Universum der Superhelden. Schließlich haben die Marvel-Filme laut Branchenmagazin „Variety“ in China allein zwischen 2008 und 2019 satte 2,23 Milliarden Dollar in die Konzernkasse gespült.

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Keine filmische Liebedienerei für den asiatischen Markt

Was das Comicfilm­haus hier auf die Beine gestellt hat, ist mehr als ein Alibiprojekt. Ähnlich wie schon in „Black Panther“ nimmt „Shang-Chi“ ein ganzes Spektrum von interkulturellen Referenzen in sich auf. In San Francisco lebt Shaun (Simu Liu) als gut angepasster „asian american“ zusammen mit seiner alten Schulfreundin Katy (Awkwafina) ein fröhliches, ambitionsloses Leben, bis eine Horde schlagkräftiger Finsterlinge die beiden überfällt. Zu Katys Erstaunen verwandelt sich der liebe Shaun in einen versierten Kung-Fu-Kämpfer namens Shang-Chi.

Es ist die erste von so einigen aufregend choreografierten Martial-Arts-Szenen. Aus dem engen Raum eines Linienbusses wird hier ein Maximum an Kampf­akrobatik herausholt. Als Stunt-Choreografen wurden Andy Cheng und Brad Allan engagiert, die über viele Jahre hinweg mit dem Actionstar Jackie Chan zusammen­gearbeitet haben. Die finsteren Schläger sind eine Grußbotschaft von Shauns Vater Wenwu.

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Diese Rolle ist mit dem chinesischen Superstar Tony Leung brillant besetzt, dessen melancholisches Charisma in Wong Kar-weis Meisterwerk „In the Mood for Love“ auch dem westlichen Publikum eindrücklich in Erinnerung blieb.

Tony Leung spielt den besten aller Marvel-Bösewichte

Und so ist dieser Wenwu nicht irgendein Bösewicht, der nach sinnloser Welt­herrschaft strebt, sondern ein Mann mit einem gebrochenen Herzen. Als der machtvolle Schurke in einer Rückblende der Kriegerin Jiang Li (Fala Chen) in die Augen blickt, verwandelt sich der Kampf der beiden in ein Martial-Arts-Liebesspiel. Wenwu gibt die kriminelle Existenz auf und gründet mit Li eine Familie. Aber die Vergangenheit holt ihn viele Jahre später wieder ein.

Alte Widersacher ermorden die Liebe seines Lebens. Seitdem regieren Trauer, Wut und Schuld­komplexe in der Seele des Vaters, der seinen Sohn zur Kampf­maschine ausbildet, bis dieser sich vor seinem ersten Mordauftrag nach Amerika flüchtet. Tony Leung ist ein echtes Ereignis in dieser Rolle, die er mit präzisem Minimalismus und enormer Strahlkraft ausfüllt – der mit Abstand interessanteste Bösewicht im umfangreichen Marvel-Katalog.

Mit Sohnemann Shang-Chi und der schlagkräftigen Tochter Xialing (Meng’er Zhang) will der Witwer nun gegen die Familie seiner Frau in den Krieg ziehen, die in einem magischen Reich unter der Führung von Ying Nan (Michelle Yeoh) hinter undurchdringlichen Bambuswäldern lebt. Und so kommt es im dritten Akt zum obligatorischen Endgefecht, das zu einem Marvel-Film gehört wie der Senf zur Bratwurst.

Die Martial-Arts-Szenen heben sich vom 08/15-Kampfgetöse ab

Aber auch hier geht es um weit mehr als um den Kampf zwischen Gut und Böse. Es geht um die fatale Macht von Verzweiflung, Trauer und Wut, Vater und Sohn, Familie und Selbstfindung, Abrechnung und Aussöhnung. Zwei Drachen sind auch noch dabei und erneut Martial-Arts-Szenen, die sich vom eintönigen Kampfgetöse des Genres deutlich abheben.

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Für das „Marvel Cinematic Universe“, das sich gerade mit „Black Widow“ und TV-Serien wie „Wanda Vision“ und „Loki“ neu kalibriert, ist diese Öffnung Richtung Fernost in jeglicher Hinsicht eine echte cineastische Bereicherung.

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„Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ – Regie Destin Daniel Cretton, mit Simu Liu, Tony Leung, Awkwafina, 132 Minuten, FSK 12

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