Mariss Jansons gestorben: 300 Prozent für die Musik

  • Der Dirigent Mariss Jansons ist tot.
  • Anders als seine Vorbilder war der Lette aus ganzem Herzen Teamplayer.
  • Das machte sich auch bei seinen Konzerten bemerkbar: Für Jansons wollte jedes Orchester sein Bestes geben.
Stefan Arndt
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Hannover. Er war ein Musiker der alten Schule und doch ein ganz neuer Dirigententyp. Der Lette Mariss Jansons war 1971 einer der Preisträger des gerade gegründeten Dirigentenwettbewerbs seines Mentors Herbert von Karajan. Zwei Jahre später wurde er bei den Leningrader Philharmonikern Assistent von Jewgeni Mrawinski. So wurde der junge Dirigent geprägt von den wichtigsten Orchesterleitern der westlichen wie auch der östlichen Welt.

Doch anders als seine Vorbilder, die einen eher autoritären Führungsstil pflegten, war der Lette aus ganzem Herzen ein Teamplayer: Jansons war einer der ersten Dirigenten, die von ihren Musikern nicht nur geschätzt, sondern geliebt wurden.

Seine enorme positive Energie bei der Arbeit fiel immer wieder auf ihn zurück: Für diesen Mann wollte jedes Orchester sein Bestes geben. In der Nacht zu Sonntag ist Jansons in St. Petersburg gestorben. „Wir sind unfassbar traurig“, teilten die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks per Twitter mit, das Jansons seit 2003 als Chefdirigent leitete.

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100 Prozent für München, 100 Prozent für Amsterdam

Geboren wurde Jansons 1943 im Getto von Riga. Seine Mutter Iraida war Sängerin, sein Vater Arvid Dirigent. Von ihm hat Jansons nicht nur das Talent zur Orchesterleitung geerbt, sondern auch die Herzschwäche. 1996 erlitt er während einer Aufführung von Puccinis Oper „La Bohème“ in Oslo seinen ersten Herzinfarkt – seither hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die ihn immer wieder zu Absagen seiner Auftritte zwangen.

Seiner großen Karriere tat das keinen Abbruch: Nach der Chefposition bei den Osloer Philharmonikern, die er seit seinem Amtsantritt 1979 zu einem international beachteten Spitzenorchester formte, übernahm er die Leitung des Orchesters in Pittsburgh. Später war er lange zeitgleich Chef in Amsterdam und München. Seine Art, die Kräfte auf beide Orchester zu verteilen, sagt viel über die Leidenschaft, mit der Jansons immer musizierte: Er wolle 100 Prozent für München geben, sagte er damals – und noch einmal 100 Prozent für Amsterdam.

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Alle wichtigen Musikpreise gewonnen

Die übrige Energie verwandte er auf umjubelte Gastspiele: Bei den Berliner Philharmonikern hat er sehr regelmäßig gearbeitet, und die Wiener Philharmoniker erwiesen ihm gleich dreimal den höchsten Vertrauensbeweis, indem sie ihm die Leitung ihrer Neujahrskonzerte anvertrauten.

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Berühmt war Jansons für seine Schostakowitsch- und Mahler-Interpretationen, sein riesiges Repertoire umfasste aber fast die gesamte Musikgeschichte von Palestrina bis in die Gegenwart. Er hat nahezu alle wichtigen Musikpreise der Welt gewonnen, zuletzt erhielt er im vergangenen Oktober in Deutschland den neuen Opus Klassik für sein Lebenswerk.