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Nirvana-Produzent Butch Vig: Macht es Sie stolz, der Nevermind-Mann zu sein?

Hält sich lieber im Hintergrund: Der Schlagzeuger und Plattenproduzent Butch Vig (links) mit seiner Band Garbage. Sängerin Shirley Manson ist das Gesicht der Gruppe.

Hält sich lieber im Hintergrund: Der Schlagzeuger und Plattenproduzent Butch Vig (links) mit seiner Band Garbage. Sängerin Shirley Manson ist das Gesicht der Gruppe.

Hannover. Butch, Sie haben in diesem Jahr, im Alter von 66, eine Protestplatte herausgebracht. „Who have we become? What do we do now?“, heißt es in „Waiting for God“. Auf Gott zu warten, reicht genauso wenig wie nur „Imagine“ zu singen. Es gibt heute Bewegungen wie Black Lives Matter, #MeToo und Fridays for Future, die sich für grundlegende gesellschaftliche Veränderungen einsetzen. Glauben Sie, dass das möglich ist, oder haben es sich viele heutige Eltern und Großeltern zu bequem gemacht?

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Vor 20 Jahren hätten wir eine Platte wie „No Gods No Masters“ nicht gemacht. Ich glaube nicht, dass wir jemals derart gesellschaftspolitisch werden wollten. Aber jetzt, an diesem Punkt unserer Karriere, fühlen wir uns damit wohl. Wir sind keine Popband mehr. Wir konkurrieren mit niemandem im Top-40-Radio. Wir können einfach das tun, worauf wir Lust haben. In der Zeit, als wir das Album fertig stellten, brach das Virus aus. Wir mussten in den Lockdown. Zu Hause festzusitzen und all die schrecklichen Dinge in den Nachrichten zu sehen, das hat uns überwältigt. Shirley (Manson, Anm. d.d Red.), die die Songtexte schreibt, wollte unbedingt über diese Welt singen, in der wir leben. Über die Verrücktheit in dieser Welt.

Fühlen Sie sich heute freier als vor 20 Jahren?

Ja, wir fühlen uns freier – wie ich schon sagte. Uns ist bewusst, dass wir nicht mit Katy Perry, Rihanna oder anderen Popstars konkurrieren. Wir sind an dem Punkt, an dem wir einfach die Platten machen können, die wir wollen. Wir haben großes Glück, in der Vergangenheit erfolgreich gewesen zu sein. Wir haben ein treues Publikum, das uns diese Freiheit ermöglicht. Ich glaube jedoch nicht, dass jeder Künstler unbedingt ein politisches Statement abgeben muss. Wir fühlen uns zurzeit damit wohl.

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„You‘ve got to wake up and figure things out“, singt Shirley in „This City Will Kill You“. Es scheint ein Lied über das Ende der jugendlichen Unbeschwertheit zu sein. Und auch über giftige Gleichgültigkeit. Mit ihrem Hit „Stupid Girl“ haben Sie sich schon früher darüber beschwert.

Gleichgültigkeit gibt es immer. Ich glaube, die Menschen reagieren immer abgestumpfter auf den Horror, den sie in der Welt sehen, weil wir jeden Tag mit Nachrichten auf CNN, in den Zeitungen oder im Internet bombardiert werden. Ich denke deshalb: Wir brauchen einen Weckruf. Ich glaube immer noch, dass Musik die Welt zu einem besseren Ort machen kann. Ob ich glaube, dass eine Platte die Welt verändern kann? Nein, aber man kann manche Menschen damit zum Nachdenken bringen. Viele Leute behaupten, dass Musik die Welt nicht verändern kann, aber ich bin ein Optimist. Ich glaube daran, dass ein Lied das Leben eines Menschen beeinflussen kann. Selbst wenn wir nur einen einzigen Menschen erreichen würden, dessen Leben sich verändert. Wir hätten etwas erreicht.

Von welcher Band wurden Sie geweckt?

Ich verbiss mich in Punk und New Wave. Diese Bands schrieben keine Popsongs. Hier in den Vereinigten Staaten ging es um Präsident Reagan und wie „fucked up“ er war. The Clash brachten eine Platte namens „Sandinista“ heraus. Ich dachte: Wow, worüber singen die denn da? Mit „Rock the Casbah“ machten sie sich über den Irrsinn im Nahen Osten lustig. The Clash schrieben großartige, eingängige Songs und übten dabei Gesellschaftskritik. „London Calling“ gehört zu meinen zehn besten Rockalben aller Zeiten.

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Garbage-Songs gehören zum Soundtrack der Neunziger. Was verbinden Sie insbesondere mit den ersten drei Alben, die Sie wie jetzt „Beautiful Garbage“ nach und nach wiederveröffentlicht haben?

„Beautiful Garbage“ ist eine Sammlung von Außenseitersongs. Mit jedem Song wollten wir uns auf ein anderes klangliches Genre beziehen. Wir wollten herausfinden, wie Garbage klingen kann, wie weit wir gehen können. Die Platte erschien in einer schwierigen Zeit kurz nach dem 11. September 2001. Es fiel uns sehr schwer, die Platte zu promoten und über Popsongs zu sprechen, während man auf CNN sah, wie Leichen aus den Trümmern gegraben wurden. Einige unserer Fans schreckte damals der Sound der Platte ab. Aber mit der Zeit haben sie sich daran gewöhnt. Ich habe das Gefühl, dass „No Gods No Masters“ klanglich ein wenig an „Beautiful Garbage“ erinnert. Auf beiden Alben haben wir klangliche Umwege gemacht.

Sie hatten vor Garbage bereits ein erstes Leben als erfolgreicher Plattenproduzent. Das berühmteste Album, das sie produziert haben, ist „Nevermind“ von Nirvana. Sie arbeiteten außerdem für die Smashing Pumpkins und Sonic Youth. Ist Garbage Ihr Vehikel, um sich selbst zu verwirklichen?

Ich habe schon immer in Bands gespielt. Ich mag die Kameradschaft. Einer der Gründe, warum Garbage immer noch zusammen sind, ist, dass wir Freunde sind. Unsere kreative Offenheit ist unsere Stärke. Ich weiß nie, wohin wir gehen werden, wir haben die Freiheit, im Studio so ziemlich alles auszuprobieren, was wir wollen. Ich habe großes Glück, dass ich sowohl Plattenproduzent als auch in einer Band bin. Ich kann zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen Dingen hin- und herwechseln. Wenn ich als Produzent etwa mit den Foo Fighters arbeite, muss ich daran denken, dass es nicht meine, sondern die Musik der Foo Fighters ist. Meine Aufgabe ist es, ihnen dabei zu helfen, ihre Vision zu finden und zu verwirklichen. Bei Garbage kann ich Songs schreiben, ich kann sie produzieren, Gitarre, Bass, Schlagzeug oder Keyboards spielen. Ich kann das Mittagessen bestellen und den Wein ausschenken.

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Sie wurden mit Garbage extrem erfolgreich und blieben immer im Hintergrund – so wie als Produzent. Warum? Wollen Sie auf der Straße nicht erkannt werden?

Ich wollte nie ein Sänger oder ein Frontmann sein. Ich habe nicht die Furchtlosigkeit, die Shirley hat. Es ist zum großen Teil ihr Verdienst, dass Garbage so erfolgreich sind. Ich halte mich gern im Hintergrund. Ich schreibe gern Songs, ich produziere gern, ich bin gern im Studio. Ich mag Aufmerksamkeit nicht wirklich. Vielleicht liegt es daran, dass ich in einer Kleinstadt im mittleren Westen aufgewachsen bin. Shirley ist das Gesicht von Garbage. Wenn die Leute an Garbage denken, denken sie an Shirley. Sie ist eine fantastische Sängerin, Frontfrau und Texterin.

Sie überlassen ihr also gern das ganze Rampenlicht?

Ja. Ich mag es, auf der Bühne zu stehen. Und wenn das Konzert vorbei ist, kann einfach die Straße hinuntergehen, und niemand stört mich. Das ist schön.

In einem Rocklexikon las ich, Sie und Ihre Mitstreiter versuchten mit Garbage ihre Midlife-Krisen zu therapieren und Ihrem tristen Studioalltag zu entfliehen. Stimmt das? Haben Sie das mal in Interviews gesagt?

Ich weiß nicht, ob wir das jemals gesagt haben. Es ist möglich. Wir sind gern im Studio, um zu experimentieren und verrückte Sachen auszuprobieren. Wir nennen das Labortage. Wenn das, was dabei herauskommt, am Ende des Tages schrecklich klingt, löschen wir es einfach und fangen am nächsten Morgen wieder von vorn an. Das ist ein ziemlich interessanter Job – obwohl, ich denke nicht einmal, dass es ein Job ist. Ich bin in einer Band. Ich glaube ein 9-to-5-Job wäre nichts für mich, ich wäre ein schrecklicher Banker. Musikmachen ist das, was ich kann, ich habe dies mein ganzes Erwachsenenleben lang getan. In gewisser Weise haben Sie Recht: In einer Band zu sein, ist eine Flucht vor der Realität, in der viele andere Menschen leben. Ich habe Glück, dass ich das mein ganzes Leben lang machen kann. Dafür bin ich sehr dankbar.

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Schon mit „Losing my Religion“, aber spätestens mit „Smells like Teen Spirit“ wurde der Begriff „indie“ von einer Haltung zu einer Musikrichtung. Kann man das so sagen?

Mit R.E.M. und Nirvana erreichte der sogenannte Alt. Rock in den Neunzigerjahren die Spitze der Charts. Eine Zeit lang gelang es Rockbands damals, in den Mainstream einzudringen. Heute ist das nicht mehr der Fall. Heute prägen Hip-Hop, R&B und elektronische Tanzmusik den Massengeschmack. Das, worüber Michael Stipe und Kurt Cobain sangen, die Gefühle, die sie ansprachen, ihre Authentizität, ich glaube, das alles hat in den Achtzigern gefehlt. Viele Fans hatten sich danach gesehnt. Schwer zu sagen, worüber Kurt Cobain in „Smells like Teen Spirit“ singt. Das weiß niemand so genau. Auf „Nevermind“ gibt es Wut, Angst, Traurigkeit, Leidenschaft und Zorn. Noch mal: Niemand weiß genau, worüber Kurt singt, aber ich denke, dass sich Millionen von Menschen trotzdem damit identifizieren können.

Was verbinden Sie mit „Smells like Teen Spirit“? Auf mich wirkt das Lied bis heute wie eine Aufforderung, sich zu befreien.

Ich glaube, Kurt hat über etwas gesungen, das er nicht artikulieren konnte. Er hat versucht, der Welt in seinem Kopf zu entkommen. Er sprach einer ganzen Generation von jungen Menschen aus dem Herzen. Die Platte traf den Zeitgeist – und ist doch zeitlos. Song und Album sind zwar 30 Jahre alt, aber ich glaube, das Album hat immer noch dieselbe Strahlkraft. Als meine 15-jährige Tochter und ihre Freunde es hörten, hat es sie in gewisser Weise genauso schockiert, wie die jungen Leute damals. Sie finden die Platte fantastisch. Das zu erleben, ist schön für mich.

Kennen Sie neue Rockbands, die das gleiche heute schaffen? Es wird immer behauptet, die Zeit Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger sei das letzte Mal gewesen, dass sich Rockmusik erneuerte? Wie sehen Sie das?

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In den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren dominierten Rockbands die Charts. Heute gibt es zwar immer noch große Rockbands wie die Foo Fighters, die ein Stadion ausverkaufen können, doch sie sind auch schon seit mehr als 25 Jahren im Geschäft. Es ist heute schwierig, für Rockbands Aufmerksamkeit zu erregen. Aber ich habe das Gefühl, dass es wieder eine Zeit für sie geben wird. Denn Musik verläuft immer in Zyklen. Nach einer gewissen Zeit haben die Leute bestimmte Stile über und suchen nach etwas, das frisch klingt. Ich glaube, dass es irgendwann wieder eine Band wie Nirvana geben wird, die in den Mainstream explodiert. Denn die Leute wollen so etwas. Die Leute brauchen so etwas.

Ich las, dass man Sie den „Nevermind Man“ nennt. Stimmt das? Macht Sie das stolz oder stört Sie das? Wollen Sie lieber Garbage Man genannt werden?

Ich bin mit „Nevermind“ untrennbar verbunden. Diese Platte hat mein Leben tiefgreifend verändert – genauso wie Garbage. Meine Freunde nennen mich nie Nevermind Man. Niemand sagt mir das ins Gesicht. Sie nennen mich einfach Butch. Nevermind Man oder Garbage Man. Beides ist in gewisser Weise ein Kompliment. Garbageman ist übrigens der Titel eines Songs der Cramps. Ich liebe die Cramps.

Haben Sie die Autobiografie von Mark Lanegan gelesen, dem Sänger der Nirvana-Zeitgenossen The Screaming Trees? Man hat den Eindruck, dass die komplette Seattle-Szene heroinabhängig war. War die Zeit damals düsterer als heute?

Viele Bands haben früher im Studio Drogen konsumiert. Ich mochte das nie. Wenn ich es mitbekam, habe ich den Leuten gesagt, dass ich keine Drogen in der Nähe des Studios sehen will. Heute bemerke ich das nicht mehr so oft, obwohl die Musiker wohl immer noch Drogen nehmen, sei es nun Heroin, Kokain oder Marihuana. Ich glaube, viele fühlen sich in ihrer eigenen Haut einfach nicht wohl. Ich glaube nicht, dass Drogen ein großartiges kreatives Werkzeug sind. Drogen haben die Aufnahmen noch nie besser gemacht. Im Gegenteil: Drogen machen sie schlechter. In Seattle haben sich die Musiker die Drogen gegenseitig angeboten. Sie verbreiten sie sozusagen innerhalb ihrer Szene. Dadurch wirkte es so, als gäbe es in Seattle eine stärkere Heroinszene als in Chicago oder Austin, Texas. Auch wenn es nur eine Handvoll Bands waren.

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„Ich glaube, Kurt hat über etwas gesungen, das er nicht artikulieren konnte. Er hat versucht, der Welt in seinem Kopf zu entkommen“: Schmerzensmann Kurt Cobain, Sänger und Gitarrist von Nirvana.

„Ich glaube, Kurt hat über etwas gesungen, das er nicht artikulieren konnte. Er hat versucht, der Welt in seinem Kopf zu entkommen“: Schmerzensmann Kurt Cobain, Sänger und Gitarrist von Nirvana.

„Nevermind“ wurde damals von denselben Leuten gekauft, die auch „We Can‘t Dance“ von Genesis, „On Every Street“ oder „Stars“ von Simply Red hörten. Lag das am Sound oder an MTV?

Ich glaube, an beidem. „Nevermind“ ist sehr einfach aufgenommen. Doch das Spiel der Band ist sehr leidenschaftlich. Ich habe Kurt, Krist und Dave im Studio dazu gedrängt, die Energie einzufangen, die ich spürte, als ich sie das erste Mal proben hörte. Ich dachte damals: Oh mein Gott, sie klingen fantastisch. Ich wusste nicht, dass sie davor sechs Monate lang jeden Tag geübt hatten. Sie waren voll konzentriert. Ich habe es geschafft, das einzufangen. Sie haben Recht. „Smells like Teen Spirit“ wurde von MTV ein halbes Jahr lang zehnmal am Tag gespielt. Es war eine Kombination: Es war der Sound der Platte. Es waren Kurts Lieder, diese brillanten, extrem einprägsamen Popsongs. Und dann war es das Marketing, das ermöglichte, dass diese Punkband plötzlich in den Mainstream platzte.

Wie nehmen Sie heute Kontakt zum Publikum auf – ohne MTV.

Über die sozialen Medien. Es ist wirklich gut, ein Team von Leuten zu haben, die im Marketing arbeiten, denn der Wettbewerb ist extrem, es gibt Millionen von Bands da draußen. Ich selbst bin nicht sehr gut in Twitter, Facebook oder Instagram. Shirley hingegen ist sehr meinungsfreudig. Ich glaube, viele unserer Fans hören gern, was sie zu sagen hat. Sie ist seit der ersten Platte das Sprachrohr von Garbage. Ehrlich gesagt bin ich ihr dankbar dafür, denn ich – wir sprachen bereits darüber – halte mich gern im Hintergrund. Ich muss nicht jeden Tag etwas posten.

Waren Sie je Teil einer Szene oder Bewegung? Sie sollen mal Vorsitzender eines Roxy Music Fan Clubs gewesen sein. Gibt es den Club noch?

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Der Roxy Music Fan Club in Madison, Wisconsin, ist der einzige Verein, in dem ich jemals war. Ich war sogar der Präsident. Ich war damals ein großer, ein wirklich großer Roxy-Music-Fan. Einmal im Monat trafen wir uns Samstagabend zum Roxython. Wir verkleideten uns wie Roxy Music, trugen ähnliche extravagante Klamotten. Ich wollte immer wie Brian Eno auf den ersten Platten aussehen. Wir spielten alle Roxy-Music-Alben, die Soloalben von Bryan Ferrys und Phil Manzanera. Sogar Live-Bootlegs. Ich liebe Glam: Queen, Slade, T-Rex, David Bowie, New York Dolls. Ich war sozusagen Teil der sehr kleinen Glam-Szene von Madison. Die anderen fanden uns seltsam. Und wir fühlten uns als Außenseiter.

„Ich schreibe gern Songs, ich produziere gern, ich bin gern im Studio. Ich mag Aufmerksamkeit nicht wirklich“: Butch Vig an seinem Arbeitsplatz auf der Bühne.

„Ich schreibe gern Songs, ich produziere gern, ich bin gern im Studio. Ich mag Aufmerksamkeit nicht wirklich“: Butch Vig an seinem Arbeitsplatz auf der Bühne.

Haben Sie vielleicht deshalb ein Händchen für sensible Außenseiter wie Kurt Cobain?

Ich denke schon. Ich liebe Led Zeppelin, die Beatles und die Rolling Stones, aber das waren für mich weit entfernte Rockgötter. Bei Glam, Punk und New Wave hatte ich hingegen das Gefühl, dass ich dazugehöre. Um dazuzugehören, habe ich angefangen, in Bands zu spielen. Ich dachte, wenn die Ramones das können, kann ich das auch. Ich fühlte mich wohl dabei, mich anders zu fühlen. Shirley singt viel über Außenseitertum. Wir haben sogar einen entsprechenden Albumtitel: „Not Your Kind Of People“. Wir waren nie wirklich eine Top-40-Band, obwohl wir einige Top-40-Hits hatten. Wir sahen uns immer als alternative Band. Wir entsprechen noch nicht einmal dem, was die Menschen für eine alternative Band halten. Ich habe mich immer ein bisschen als Außenseiter gefühlt. Ja, ich kann mich mit solchen Künstlern identifizieren.

Ist der Verlust von Kurt Cobain für seine Generation genauso so bedeutsam wie der Tod von John Lennon für dessen Generation?

Kurt bewunderte Paul McCartney für seine Melodieführung. McCartney ist einer der besten Melodienschreiber der Popgeschichte. Aber ich glaube, dass Kurt besonderen Respekt vor John Lennon hatte und dessen Haltung, dessen politischen Protest. Schwer zu sagen, ob Kurt der Lennon seiner Generation ist. Wäre Kurt noch hier, würde er wohl ziemlich rohe Musik machen, die an einige von Lennons Soloalben oder an Neil Youngs rauere, dunklere Platten erinnert. Aber leider ist er nicht hier.

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