Lucky Luke wird 75 – und enthüllt seine Ursprünge

  • Lucky Luke, der einsame Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten, feiert Geburtstag.
  • Vor 75 Jahren erweckte der Belgier Morris seinen Helden für das Comicmagazin „Spirou“ zum Leben.
  • Zum Auftakt der ganzjährigen Geburtstagsfeierlichkeiten erscheint am 3. März bei Ehapa der 100. Lucky-Luke-Band mit einer Deutschland-Premiere – den beiden allerersten Abenteuern in einem Band.
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Als Maurice de Bévère, Schöpfer von Lucky Luke, mit 23 Jahren die erste Geschichte im Almanach 1947 des belgischen Comicmagazins „Spirou“ veröffentlichte, ahnte wohl niemand, dass aus dem jungen Cowboy mit dem damals noch recht fülligen Gesicht und den recht strammen Beinen einmal eine der größten Erfolgsgeschichten der „bande dessinée“, des Comicstrips, werden sollte. Der „Spirou“-Almanach war der erste Comicjahresband, der nach dem Krieg erschien.

In diesem bei Sammlern sehr gefragten Jahresheft der belgischen Comiczeitschrift „Spirou“ erschien zur Jahreswende 1946/1947 das erste Abenteuer von Lucky Luke, „Arizona“. © Quelle: Daniel Killy/RND

Sein Verlag, die Editions Dupui“, hatte mit „Spirou“ 1938 die wichtigste Plattform des frankobelgischen Comics geschaffen, der damals neben den USA mit Disney, DC, Marvel und Co. der wichtigste und kreativste Comicmarkt war. „Spirou“, was im Wallonischen gleichermaßen Eichhörnchen wie Lausbub bedeutet, war Geburtshelfer für „Spirou und Fantasia“, „Lucky Luke“ und „Die Schlümpfe“, um nur einige zu nennen. Nach der Premiere erschien „Lucky Luke“ ab Juni 1947 regelmäßig in „Spirou“. Zunächst textete und zeichnete Morris den einsam vor sich hinjodelnden Cowboy allein. Ab 1955 folgte dann die symbiotische Kooperation mit René Goscinny als Texter, den de Bévère in New York kennenlernte.

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Apropos Jodeln: Im französischen Original von „Arizona“, das auf Deutsch „Arizona 1880″ heißt, betreibt Lucky Luke das Western-Jodeln lautmalerisch überzeugender als in der deutschen Übersetzung. „YODEL-É-I YODEL-É-I-É“ legt Morris ihm 1946 in den Mund, und man hat automatisch Dolly Parton im Hinterkopf – auf Deutsch entringt er sich nur ein schlappes „JODELÜÜ! JODELIIE!“ Aber früher, da war ja sowieso alles anders, wie schon das Cover des heutigen kongenialen Lucky-Luke-Zeichners Achdé zeigt.

Lucky Luke im Jahre 1946 (links) und 2021 – für das Cover des 100. Bandes der Comic-Serie vom aktuellen Zeichner Achdé in Szene gesetzt. © Quelle: Lucky Comics 2021

Brüderlich vereint stehen dort der deutlich gedrungenere Ur-Luke und sein aktuelles alter Ego. Morris‘ Erst-Cowboy von 1946 war, evolutionär betrachtet, so etwas wie die Homo-Erectus-Variante des einsamen Cowboys: deutlich schlichter und grobschlächtiger, mit vier statt später fünf Fingern – und, bis auf den noch stummen Jolly Jumper, ohne die Entourage aus Trottelhund Rantanplan, den Deppen-Daltons (Joe natürlich ausgenommen) und weiteren Figuren des Luke-Universums.

Dafür war der pausbäckige Ur-Luke nicht Tabak oder Political Correctness erlegen. Weder die allgegenwärtige Fluppe steckte ihm zwischen den Lippen, noch der Ersatz-Grashalm, auf dem Unlucky Luke seit 1983 herum kauen muss, weil Morris ihm das Rauchen abgewöhnte. Dafür übrigens erhielt der Zeichner 1988 eine Sonderauszeichnung der Weltgesundheitsorganisation WHO.

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Was ist noch anders beim ersten und zweiten Lucky-Luke-Auftritt? Das Haupthaar ist füllig und dunkelbraun, und obschon Luke in der ersten Geschichte einmal zum Barber geht, hat er sich noch nicht wirklich für eine Frisur entschieden. Ein charmanter Fehler übrigens, der über die Jahrzehnte konserviert wurde, ist die Tatsache, dass im rechten Fenster dieses Barber-Shops die Buchstaben „Barbe“ zu erkennen sind, im linken Fenster aber, das zu einem „General Store“, einem Gemischtwarenladen, gehört, noch die Lettern „agasin“ zu lesen sind – für magasin, französisch Geschäft.

Die Handlung von „Arizona“ und „Die Goldmine von Dick Digger“ wird hier nicht verraten. Aber ganz abgesehen von den Erzählsträngen ist das Album „Die Ursprünge – Western von gestern“ ein Kleinod für alle Luke-Fans. Die Erwachsenen werden sich eher den Vergleichen zwischen damals und heute widmen. Die Lucky-Luke-Entdecker, die ja bis heute von Generation zu Generation nachwachsen und von ihren Eltern das essenzielle Wild-West-Wissen sorgsam übereignet kriegen, werden die schon Luke-typischen Geschichten auch so verschlingen. Denn vieles aus den Ursprüngen enthält bereits heute Vertrautes. Morris‘ Strich ist – abgesehen von seinem Helden – schon ganz typisch.

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Die Evolution von Lucky Luke über 75 Jahre, dargestellt von Achdé. © Quelle: Lucky Comics 2021

Lucky Luke, Band 100, „Die Ursprünge – Western von gestern“, Ehapa Verlag, 48 Seiten, 6,90 Euro (Broschur)

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