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Literarisches “Tribute von Panem”-Prequel: Wie wird das Böse zum Bösen?

  • Rund zehn Jahre nach Veröffentlichung der “Tribute von Panem”-Bücher erzählt Autorin Suzanne Collins nun die Vorgeschichte.
  • Der Protagonist im neuen Buch ist Coriolanus Snow, der spätere Herrscher von Panem.
  • Collins behandelt seine Wandlung zu einem intriganten, machtgierigen Menschen. Eine Rezension.
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Die Fantasyreihe “Die Tribute von Panem” um Rebellin Katniss Everdeen fand vor zehn Jahren ihr Ende. Nun erzählt die Autorin Suzanne Collins im neuen Buch “Das Lied von Vogel und Schlange” einen Teil der Vorgeschichte Panems. Sie geht der Frage nach: Wie wurde Diktator Snow eigentlich böse?

Das “Tribute von Panem”-Prequel handelt von dem 18-jährigen Coriolanus Snow, dem späteren Herrscher des Unrechtstaats. Er stammt aus einer berühmten Kapitolsfamilie, doch seit dem Krieg ist er Vollwaise. Gemeinsam mit seiner Großmutter und Cousine lebt Coriolanus in einem teuren Loft, das sich die Familie kaum leisten kann. Das Ansehen der Snows ist mehr Schein als Sein. Ein Schein, den Coriolanus unbedingt aufrechterhalten will.

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Die zehnten Hungerspiele

Im neuen Buch werden die zehnten Hungerspiele veranstaltet. Dabei werden je ein Junge und ein Mädchen aus den zwölf Distrikten ausgelost. Die sogenannten Tribute müssen sich in der Arena des Kapitols umbringen, bis nur noch ein Kind übrig bleibt – und gewinnt. Erstmalig sollen Schüler, darunter Coriolanus, als Mentoren die Tribute unterstützen. Ihm wird Lucy Gray Baird aus dem verarmten Distrikt 12 zugeteilt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entsteht zwischen den beiden eine innige Freundschaft – und später sogar Liebe.

Wie in den früheren Büchern beschreibt Collins die Brutalität der Hungerspiele. Nach und nach sterben die Tribute durch erbarmungslose Manöver. Die zehnten Hungerspiele finden vor allem im ersten und zweiten Drittel statt: Sie sind die Bühne der Wandlung von Coriolanus. Wenn sein Tribut gewinnt, ist ihm Ruhm und Reichtum sicher. Coriolanus sieht seinen eigenen Vorteil und entwickelt sich im letzten Drittel zu einem machtgierigen, intriganten Menschen.

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Ein unsympathischer Antiheld

Es fällt schwer, eine Verbindung zu Coriolanus aufzubauen. Er ist unsympathisch – ein Antiheld. Schon zu Beginn ist er der Ideologie des Kapitols verfallen. Später gibt es viele Momente, in denen er Widerstand leisten könnte, aber stattdessen den Weg Richtung Status und Macht geht.

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“Tribute von Panem”-Leser sind vertraut mit komplizierten, aber heldenhaften Figuren wie Katniss Everdeen. Sie meldet sich im ersten Teil freiwillig als Tribut, als ihre kleine Schwester ausgelost wird. Die jetzige Charakterstudie von Coriolanus ist spannend und gegenteilig zu den anderen Büchern. Schnelle Wendungen in der Geschichte, wie sie für die Fantasyreihe typisch sind, findet man hier wenig. Der Spannungsbogen leidet, weil man aus den Büchern bereits weiß, was später passiert. Nämlich dass Coriolanus zum Diktator wird und letztendlich stirbt. Doch das liegt dem Genre des Prequels inne.

Antworten auf langjährige Fragen

Dennoch gibt die Autorin Antworten auf Fragen, die Fans schon lange haben. So schreibt Collins ausgiebig über den Ursprung und die Entwicklung der Hungerspiele. Leser erfahren, wie der Alltag im Panem der Nachkriegszeit aussieht und was es mit Snows markanten Rosen auf sich hat. Auch wenn Coriolanus als Protagonist nicht so mitreißend ist wie die Rebellin Katniss, ist die Perspektive des Bösen eine interessante Ergänzung für alle Fans.

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