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Leslie Mandoki: „Sich Gedanken zu machen, wie Konzerte veranstaltet werden können, ist richtig“

  • Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg hat mit einem Vorstoß für Aufsehen gesorgt.
  • Er sagte in einem Interview, dass man als Veranstalter die Möglichkeit haben sollte, eine Impfung zur Zugangsvoraussetzung zu machen.
  • Musiker Leslie Mandoki findet, dass es zumindest ein guter Schritt ist, sich über die Rückkehr zu Konzerten Gedanken zu machen – ein Gastbeitrag.
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Seit mehr als 30 Jahren ist Leslie Mandoki („Dschinghis Khan“) aus der Musikbranche nicht mehr wegzudenken. Auch der Produzent, der mit seiner Band Mandoki Soulmates noch regelmäßig europaweit die Hallen füllt, kann seit Corona-Beginn nicht mehr so arbeiten wie zuvor. In einem Gastbeitrag schreibt Mandoki für das RedaktionsNetzwerk Deutschland, warum man die Impfpflicht für Konzerte nicht sofort als verrückte Idee abtun sollte.

Wenn Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg, einer der größten, intellektuellsten Macher der europäischen Musikszene, das Wort für die Veranstaltungsbranche und somit für die Künstler- und Technikercommunity ergreift, sollte man ihm zuhören.

Kunst und kulturelle Vielfalt sind existenziell für unsere Demokratie und unsere „bunte Republik Deutschland“, wie mein Soulmate Udo Lindenberg unser Land nennt. Eine komplexe Wertschöpfungskette künstlerischer Dienstleister steht kurz vor dem Zusammenbruch, und es wäre eine Katastrophe für die Seele unseres Landes, wenn die Fülle und Vielfalt unserer Kultur dadurch drastisch ausgedünnt werden würde. Unsere Gesellschaft kann sonst auch nach überstandener Pandemie von der Künstlercommunity emotional nicht mehr aufgerichtet werden, und somit wären Künstler kein sicherer, unabhängiger Kompass mehr. Dabei ist eine gesunde und aktive Kunst- und Kulturszene eine der wirkungsvollsten Prophylaxen gegen das Eindringen radikalen Gedankenguts in die Mitte der Gesellschaft.

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Sich darüber Gedanken zu machen, wie wieder Konzerte veranstaltet werden können, ist gut und richtig, und gerade da fängt auch die Abwägung an. Angesichts des Impfstoffbeschaffungsdesasters der EU sagt die Bundeskanzlerin „Im Großen und Ganzen ist nichts schiefgelaufen“, und auch Frau von der Leyen weist jede Schuld zurück, während die EU-Kommission schnell mal übersieht, dass ein Ausfuhrstopp aus der EU Richtung Großbritannien rechtlich gar nicht möglich wäre, weil dann eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland entstünde, was alle Verträge verbieten.

„Der siebtgrößte Wirtschaftszeig wird systemirrelevant behandelt“

Wir müssen zusehen, wie die USA, Israel, aber auch die Brexit-Engländer oder Nicht-EU-Mitglieder wie Serbien den Impfwilligen wesentlich schneller Impfangebote machen können als wir in Deutschland. Bei differenzierter Betrachtung bedeutet Abwägung aber auch, für diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, nicht die Grundrechte einzuschränken.

Natürlich müssen wir Klaus-Peter Schulenberg zuhören, wenn wir sehen, wie der siebtgrößte Wirtschaftszweig, nämlich die Musik- und Eventbranche, als dermaßen systemirrelevant behandelt und mit einem faktischen Berufsverbot belegt wird, während Unternehmen, die auch vor der Corona-Krise schon kein funktionierendes Geschäftskonzept mehr oder ein Nachfrageproblem hatten wie TUI oder Lufthansa, Zuschüsse in Milliardenhöhe erhalten.

Bei so einer Abwägung müssen wir natürlich außerdem die durch den Lockdown verursachten Schäden in Betracht ziehen, wie die Zunahme häuslicher Gewalt und gestiegene Suizidraten. Es ist wichtig, auch auf diesem Feld einen ergebnisoffenen Diskurs zu führen, bei dem alle Meinungen und Interessen Berücksichtigung finden. Deshalb müssen wir die Stimmen des Pflegepersonals, von Psychologen, Soziologen, der Polizei und von Sozialarbeitern ebenso hören wie die von uns Musikern und unserer Konzertbesucher, der Impfgegner und der Impfwilligen, die von unserem Staat kein Impfangebot erhalten, wie es in anderen Ländern inzwischen üblich ist.

In unserer freien Gesellschaft sollte nur eins alternativlos sein, und das ist der Diskurs über die Alternativen. Dieser offene, respektvolle Diskurs sollte in der Mitte der Gesellschaft stattfinden, jedem eine Stimme und ein Gehör zugestehen und von Argumenten getragen werden, statt auf einer bestimmten Haltung zu beharren.

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