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Léa Seydoux: Ich möchte nicht „Bond Girl“ genannt werden

  • Den Begriff „Bond Girl“ würde Léa Seydoux für sich nicht akzeptieren – „Bond Frau“ sollte es schon sein.
  • Die französische Schauspielerin spricht im RND-Interview über „Keine Zeit zu sterben“ und Daniel Craigs Mundgeruch.
  • Eine Frau in der Bond-Rolle könnte sie sich allerdings nur schwer vorstellen, wie sie Stefan Stosch erzählt hat.
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Am 28. September ist es endlich so weit: Der wegen der Corona-Pandemie so oft verschobene James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ feiert in London Premiere, am Donnerstag startet das heiß ersehnte Werk in den deutschen Kinos. Zum definitiv letzten Mal rettet Daniel Craig als britischer Geheimagent die Welt – und an seiner Seite ist wie schon im Vorgängerfilm „Spectre“ die Französin Léa Seydoux zu sehen.

Berühmt wurde die 36-Jährige mit dem in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Liebesfilm „Blau ist eine warme Farbe“ (2013). Sie spielte ebenso in Quentin Tarantinos Blockbuster „Inglourious Basterds“ (2009) und ist im Oktober auch in Wes Andersons stargespicktem Werk „The French Dispatch“ zu entdecken.

Vor Seydoux gab es nur eine einzige Schauspielerin, der die Ehre zuteil wurde, in gleich zwei Bond-Filmen dabei zu sein: Die Britin Eunice Gayson spielte sowohl in „Dr. No“ als auch in „Liebesgrüße aus Moskau“ zusammen mit Sean Connery. Bloß würde Léa Seydoux den Begriff „Bond Girl“ heute für sich nicht mehr akzeptieren.

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Léa Seydoux, allein in Cannes liefen in diesem Jahr vier Filme mit Ihnen. Sie wären die Königin des Festivals gewesen, hätten Sie nicht wegen einer Corona-Infektion absagen müssen. Wie wichtig ist es für Sie, nun in einem Bond-Film aufzutauchen?

Ein Bond-Film ist etwas ungemein Prestigeträchtiges. Jeden Moment von „Keine Zeit zu sterben“ habe ich genossen. Eine Bond-Produktion funktioniert wie eine riesige Maschine: Alle Menschen rund um den Globus können den Film sehen.

Auch die Bond-Dreharbeiten ähneln einer Weltreise: Welcher Schauplatz war für Sie am beeindruckendsten?

Alle waren unglaublich! Ich habe so viele Länder besucht – zumal das für mich nach „Spectre“ ja schon der zweite Bond-Film ist. Wir haben in den österreichischen Bergen gedreht, in der marokkanischen Wüste, im wunderschönen süditalienischen Matera, in Mexiko …

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Dies ist Daniel Craigs letzter Film als Bond: Herrschte am Set eine melancholische Abschiedsstimmung?

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Es war schon traurig. Mit Daniel Craig geht eine Ära zu Ende. Er hat diesen Geheimagenten zugänglicher fürs Publikum gemacht, einen Charakter mit Tiefe und Komplexität geschaffen.

Akzeptieren Sie den so vielzitierten Begriff „Bond Girl“ für Ihre Figur Madeleine Swann?

„Girl“ reduziert meine Figur doch ziemlich. „Frau“ wäre wohl angemessener. Es geht ja nicht darum, einfach nur James Bond zu gefallen. In meiner Figur steckt viel mehr.

Aber macht es wirklich Spaß, in einem Film zu spielen, in dem die männliche Hauptfigur entweder mit einer Frau schläft oder sie umbringt? Oder beides?

Das ist nun mal Bonds Job. Aber was ich an dem Bond mag, wie Daniel ihn angelegt hat: Bond ist sich all dessen bewusst. Er weiß, dass er ein Killer ist. Und er hat ein Problem mit diesem Wissen. Das macht ihn ja gerade psychologisch so interessant.

Zu Beginn des neuen Films ist Agent 007 in Rente. Da ließe sich was an seinem Lebensstil ändern: Können Sie sich James Bond als einen treuen Ehemann vorstellen?

Vermutlich nicht. Aber James-Bond-Filme sind nun mal nicht moralisch. Hier ist vieles politisch inkorrekt, und gerade das macht den Charme aus.

Bonds Chefin M in „Goldeneye“, gespielt von Judi Dench, hat über ihren besten Mitarbeiter gesagt, er sei ein „sexistischer frauenfeindlicher Dinosaurier“: Trifft das immer noch zu?

Er hat sich verändert. Er hat sein Herz geöffnet – für Madeleine Swann, meine Filmfigur.

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Hat die #MeToo-Bewegung dazu beigetragen, Frauenrollen auch in Bond-Filmen aufzuwerten?

Als ganz junge Schauspielerin hatte ich das Gefühl, stets mit meiner Sexualität spielen zu müssen. Das konnte richtig unangenehm sein. Frauen mussten immer begehrenswert bleiben, Männer durften auch mal altern. Das war eine rein männliche Perspektive. Die Bewegung hin zur Geschlechtergleichheit hat eben erst begonnen. Die Zeit für oberflächliche Klischees ist vorbei.

Von manchen wird schon gefordert, James Bond solle künftig von einer Frau gespielt werden: eine gute Idee?

Liebend gern würde ich eine Filmreihe mit einer Geheimagentin sehen, die über Fähigkeiten wie Bond verfügt und so unabhängig durchs Leben geht. Aber James Bond muss ein Mann bleiben. Er ist und bleibt James Bond – schon weil er so heißt.

Sie sind vor einem knappen Jahrzehnt berühmt geworden mit dem Film „Blau ist eine warme Farbe“. Darin gab es reichlich explizite Szenen. Würden Sie die Rolle heute wieder annehmen?

Auf jeden Fall. Der Film war eine große Liebesgeschichte, und ich habe mich darin nie als Objekt gefühlt. Es gab sehr intensive Sexszenen, aber sie waren notwendig für diese leidenschaftliche Geschichte. Es macht mir nichts aus, nackt vor der Kamera zu stehen, wenn das für die Handlung sinnvoll ist.

Bitte ganz ehrlich: Hatte James Bond alias Daniel Craig auch mal Mundgeruch bei einer Kussszene?

Hätten Sie diese Frage auch einem Mann gestellt? Hätten Sie Daniel Craig gefragt, ob Madeleine Swann aus dem Mund gerochen hat? Na ja, lassen Sie es mich so sagen: Wir alle sind menschlich. Und nicht einmal James Bond ist perfekt.

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