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„Last Christmas“ – so ist die Weihnachtskomödie mit Emilia Clarke

  • „Game of Thrones“-Star Emilia Clarke spielt eine beschädigte Schönheit, die in London ganzjährig als Weihnachtself(in) arbeitet.
  • In der Komödie „Last Christmas“ (Start am 14. November) schickt US-Regisseur Paul Feig Henry Golding als ihren Retter aus.
  • Dass hier kein Nullachtfünfzehn-Adventskitsch herauskommt, liegt am Drehbuch von Co-Star Emma Thompson.
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Es naht der Advent. Spritzgebackenes und Vanillekipferl gibt es ja schon seit August, jetzt kommen die ersten Weihnachtsfilme, und ab Dezember beherrscht dann wieder – vornehmlich alter – Weihnachtspop die Hitparaden. Darunter wird wie immer „Last Christmas“ von Wham hoch charten. Der meistgespielte aller Weihnachtspopsongs gab Paul Feigs neuer Komödie den Titel.

Es ist dabei nicht sein erster Weihnachtsfilm: Feig hat vor 13 Jahren „Oh je, du Fröhliche!“ vertannenzapft, die zutiefst nervige Geschichte einer Gruppe von „unbegleiteten“ Kindern, die an Weihnachten auf einem Flughafen eingeschneit werden und Rabatz am Terminal machen. Was gelinde gesagt keine Werbetrommel für seinen jetzt erfolgenden zweiten Versuch ist.

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Emilia Clarkes Kate wehrt sich gegen frohe Botschaften

Der eigentliche Song von „Last Christmas“ ist „Heal the Pain“ – ebenfalls ein Stück aus George Michaels Oeuvre. Den liebt die blondierte Kate („Game of Thrones“-Khaleesi Emilia Clarke), seit sie ihn in ihrer Kindheit im kriegszerrütteten Jugoslawien im Kinderchor sang. Jahrzehnte später sind sie und ihr Leben ziemlich durcheinander. Sie arbeitet als Elf in einem ganzjährig geöffneten Weihnachtsshop im Londoner Covent Garden. Sie lässt sich gelegentlich von Fremden abschleppen, kümmert sich zu wenig um ihre angeschlagene Gesundheit, schminkt sich schrill und verprellt immer wieder ihrer weniger werdenden Freunde. Gott sei Dank hat sie Paul Feig zum Regisseur. Der bereitet dennoch ein Happy End für sie vor, wenn auch kein klassisches.

Es dauert eine Weile, bis die Chemie stimmt

Dieses Happy End trägt zunächst die ebenfalls aparten Gesichtszüge von Henry Golding (er spielte schon in Feigs fies-feinem Thriller „Nur ein kleiner Gefallen“ mit). Der nette Mann, dem sie zufällig begegnet, macht es sich zur Aufgabe, die irgendwie beschädigte Schöne von der Pracht des Lebens zu überzeugen. Hält sich aber in entscheidenden Augenblicken seltsam vornehm zurück mit den körperlichen Zeugnissen seiner Liebe.

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Dass hierbei stolze 102 Minuten (und jede Menge Songschnipsel aus den Werkstätten des an Weihnachten 2016 verstorbenen George Michael) ins Land gehen, liegt daran, dass Kate bei beider Erlebnissen im festlich beleuchteten London alles tut, um die Bemühungen ihres Helden zu unterlaufen, bei ihr die Freude am Leben zu wecken. Ihr Widerstand liegt in einer persönlichen Krise begründet. Es dauert also eine Weile, bis die Chemie stimmt und die Romantik regiert. Und als sie dann endlich regieren will, kommt eine Wendung, für die man als Zuschauer, sagen wir, einen sechsten Sinn bräuchte.

Ein amüsanter Film - dank Emma Thompson

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Feig ist zuvörderst ein Lustspielregisseur. Geschmacksabhängige, derbere Komödien wie „Brautalarm“ und „Taffe Mädels“ gehen ebenso auf sein Konto wie die von jedem Kinobesucher auf der ganzen Welt als schrecklich empfundenen weiblichen „Ghostbusters“ von vor drei Jahren. Dass der Amerikaner hier mal gemäßigtere Töne anschlägt, liegt zuvörderst am amüsanten Skript seiner Drehbuchautorin Emma Thompson, die auch als Kates exzentrische kroatische Mutter zu sehen ist. Hier gibt es nicht nur Weihnachtsseligkeit. Hier gibt es Obdachlose, Flüchtlinge, den Brexit, das wirkliche Leben unterm Mistelzweig. Frö-hö-liche Weihnacht? So gut es eben geht.

„Last Christmas“, Regie: Paul Feig, mit Emilia Clarke, Henry Golding, Emma Thompson, 102 Minuten FSK 0