Kyle MacLachlan: „Das Geheimnis heißt David Lynch“

  • Die Mysteryserie „Twin Peaks“ machte Kyle MacLachlan einst berühmt.
  • In der Serie „Atlantic Crossing“ spielt er nun den amerikanischen Präsidenten Roosevelt.
  • Ein Gespräch über Amtsträger im Weißen Haus, das Spielen im Sitzen und guten Wein.
Jan Freitag
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Kyle MacLachlan, 1959 als Sohn eines Börsenmaklers im US-Bundesstaat Washington geboren, wurde 1984 mit „Dune“ bekannt. Das Fantasymärchen war zwar an der Kasse ein Flop, machte MacLachlan aber zum Lieblingsschauspieler von David Lynch, der dem jungen Schauspieler zwei Jahre später im surrealen Thriller „Blue Velvet“ und 1990 als FBI-Agent Dale Cooper in „Twin Peaks“ zu Weltruhm verhalf. In „Atlantic Crossing“ wagt sich der 61-Jährige an ganz große politische Tiere: Er spielt den US-Kriegspräsidenten Franklin D. Roosevelt – und begibt sich dabei auch ins Private. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht MacLachlan über Dreharbeiten im Rollstuhl, seine Leidenschaft für Wein und Kultregisseur David Lynch.

Herr MacLachlan, Franklin D. Roosevelt war von 1933 bis zu seinem Tod kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Gesellschaftseiner und Krisenmanager: Was bedeutet Ihnen dieser US-Präsident, den Sie in der Serie „Atlantic Crossing“ verkörpern?

Er war der richtige Mann im richtigen Amt, unterstützt von der richtigen Frau als Beraterin, um die Schwierigkeiten des Landes und der Welt anzugehen, bevor das Land und die Welt diese überhaupt als solche erkannt hatten. Er sorgte sich um die Menschen – und war damit das exakte Gegenteil unseres noch amtierenden Präsidenten.

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Ist die Serie ein politisches Statement auch über die heutigen USA?

Es ist zumindest die nötige Erinnerung daran, dass Nationen zusammenarbeiten sollten – insbesondere dann, wenn die Probleme so gewaltig sind, wie sie es damals im Angesicht der Nazis waren und heute in Anbetracht von Klimawandel und Corona sind. Dazu fehlt im Weißen Haus zurzeit definitiv der moralische Mut.

Was fasziniert an großen Staatsmännern und auch Staatsfrauen, dass wir uns so gern ihre privaten Probleme in Filmen ansehen?

Ich denke, es beruhigt die Menschen zu sehen, dass auch bedeutende Persönlichkeiten private Sorgen und Ängste haben. In „Atlantic Crossing“ wird klar, welche Opfer sie zu bringen bereit sein müssen. Das wird an einer Figur wie Franklin D. Roosevelt umso deutlicher. Er saß wegen seiner einstigen Polioerkrankung im Rollstuhl.

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War es schwierig, die ganze Zeit sitzend zu spielen?

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Definitiv! Ich saß zwar auch schon als Dr. Orson Hodge bei „Desperate Housewives“ im Rollstuhl, aber nur kurz. Hier hatte Regisseur Alexander Eik viel zu tun, mir hüftabwärts Bewegungslosigkeit zu verordnen.

Hat die Rolle Ihren Blick auf Menschen mit Beeinträchtigungen verändert?

Absolut. Allgemein im Hinblick auf alle Menschen, die den Alltag trotz Handicap bewältigen müssen. Besonders bei Roosevelt, weil von ihm als Präsident besondere Stärke erwartet wurde. Auch deshalb hat er versucht, sein Handicap zu verschleiern, indem er sich bei Reden auf Podeste rollen ließ oder betonte, keine Beeinträchtigung zu haben.

Der an Corona erkrankte Donald Trump dagegen scheint seine Fitness dadurch zeigen zu wollen, dass er viel auf dem Golfplatz zugange ist.

Das immerhin kann ich verstehen.

Sie gelten als passionierter Golfer. Haben Sie mal auf Trumps Anlage Mar-a-Lago in Florida gespielt?

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Nein, zum Glück nicht. Mein Vater war ein sehr guter Golfer, deshalb habe ich den Sport früh lieben gelernt. Aus mir ist aber nur ein akzeptabler Golfer geworden. Deshalb habe ich mich schnell dem Wein hingegeben, eine meiner weiteren Leidenschaften, neben dem Film.

Als Trinker?

(lacht) Als Winzer sogar! Ich bin in einer trockenen, aber sonnigen Ecke Washingtons aufgewachsen, wo sehr guter Wein angebaut wird. Als ich nach Los Angeles und New York gezogen bin, bin ich auch zum Wein zurückgekehrt. Zudem war es für meine Frau die beste Gelegenheit, mich aus dem Sessel zu kriegen, wenn zwischen den Dreharbeiten nichts zu tun war.

Was seit Corona häufiger der Fall ist?

Der Wechsel von viel und wenig Arbeit ist nicht ungewöhnlich. Das Schwierige war, über so einen langen Zeitraum nicht zu arbeiten. Immerhin konnte ich mich intensiver mit dem Weinanbau beschäftigen. Mittlerweile ist aus der Beschäftigungstherapie für Prominente ein kleines Geschäft geworden. Alle meine Weine tragen Bär im Namen. Der neueste heißt „Twin Bear“.

Von „Twin Peaks“? Das nennt man gutes Marketing!

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Nennen Sie es lieber Reminiszenz. Das Geheimnis meiner frühen Filme lautet schließlich David Lynch.

Obwohl gleich Ihr erster Film mit Lynch als Regisseur ein Reinfall war.

Mit den technischen Möglichkeiten von heute wäre „Dune“ schon damals ein Erfolg gewesen. Und obwohl der Film wohl etwas kompliziert war, wurde das Science-Fiction-Genre durch ihn übers Niveau von „Star Wars“ hinausgehoben. Das Gleiche gilt fürs Mystery-Genre. Auch das war nach „Twin Peaks“ ein anderes. Wer weiß, wo ich ohne David als Schauspieler geendet wäre. Als ich ihn 1983 zum Casting traf, war er bereits das Original von heute und ich unbekannt.

Wurden Sie seine, nun ja, Muse?

(lacht) Vermutlich wegen unserer Gemeinsamkeiten. Wir kommen beide aus dem Nordwesten Amerikas, sind ähnlich aufgewachsen, haben denselben trockenen Humor, der auch in „Twin Peaks“ zum Ausdruck kommt. Er kam vom Malen zum Filmen, ich vom klassischen Gesang. Außerdem lieben wir die einfachen Dinge des Lebens, ein gutes Glas Wein bei Sonnenuntergang zum Beispiel.

„Atlantic Crossing“, bei Magenta TV, acht Folgen, Regie: Alexander Eik, mit Kyle MacLachlan, Sofia Helin

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