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Kultur nach der Corona-Krise: „Die Welt wird eine andere, eine veränderte sein“

  • Die Corona-Pandemie hat viele Künstler in die Krise gestürzt.
  • Der Politik gebührt zwar Dank für die finanziellen Hilfsprogramme, doch diese werden nicht alle Probleme lösen können, meint Gastautor Marc Grandmontagne.
  • Denn wie lange die Corona-Krise anhält und wie die Welt danach aussieht, ist ungewiss, schreibt er in seinem Gastbeitrag für die RND-Themenwoche „Wie wollen wir leben?“.
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Corona setzt auch dem Kulturbereich und insbesondere den darstellenden Künsten schwer zu. Künstlerische Arbeit auf der Bühne, im Orchestergraben oder auf dem Tanzboden ist von Nähe geprägt, im Publikum sitzen Menschen nebeneinander, das geteilte Liveerlebnis entfaltet eine einzigartige Energie im Raum – das alles ist zurzeit nur eingeschränkt möglich. Ausgerechnet die Künste, die seit jeher den Anspruch haben „zu stören“, den normalen Gang der Dinge zu unterbrechen, sind nun selbst unterbrochen. Die Politik hat schnell reagiert und hilft mit finanziellen Programmen, um Schaden von der Kultur abzuwenden; alleine der Bund stellt bis Ende 2021 eine Milliarde Euro zur Verfügung, um überwiegend privat finanzierten Kultureinrichtungen Zukunftsperspektiven zu bieten. Das verdient Lob und Dank und puffert die Situation ab, wird allerdings nicht alle Probleme lösen können.

Marc Grandmontagne ist geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins. © Quelle: Cornelis Gollhardt

Die Welt nach Corona wird eine andere, eine veränderte sein

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Zum einen wissen wir nicht, wie lange wir noch mit Einschränkungen des öffentlichen Lebens rechnen müssen. Zum anderen werden die öffentlichen Haushalte nach den gewaltigen Nothilfesummen leer sein. Steigender Bedarf und schwindende Einnahmen treffen insbesondere die Kommunen, die mit rund 45 Prozent den größten Anteil der öffentlichen Kulturfinanzierung – als sogenannte freiwillige Leistung – stemmen. Und damit die kulturelle Infrastruktur, also Theater, Orchester, Bibliotheken, Museen, soziokulturelle Zentren, freie Gruppen. Was nun? „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, mag man mit Hölderlin rufen. Dazu notwendig sind allerdings ein paar unbequeme Wahrheiten und die Bereitschaft, die Komfortzone zu verlassen.

Schon länger deutet sich an, dass wir als Gesellschaft(en) nicht einfach so weitermachen können wie bisher. Die Erkenntnis, dass viel zu viele Bereiche der Gesellschaft einem rücksichtslosen Verwertungs- und Bilanzierungsdenken unterworfen sind, dass dies mit Folgen für Mensch und Natur einhergeht, hat erhebliche Zweifel an einem „Weiter so!“ gesät. Corona wirkt dabei wie ein Katalysator, der Unzulänglichkeiten auf einen Schlag sichtbar macht. Wie lange es auch immer dauern wird, Corona zu überwinden – die Welt wird danach eine andere, eine veränderte sein.

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Utopien und Perspektiven für die Gesellschaft von morgen entwickeln

Es ist gut und richtig, jetzt denen zu helfen, die besonders unter der Situation leiden, auch Selbstständigen und freien Künstlern und Künstlerinnen im Kulturbereich. Genauso wichtig ist aber, Utopien und Perspektiven für die Gesellschaft von morgen zu entwickeln. Daran herrscht ein eklatanter Mangel. Niemand muss es alleine schaffen, Gesellschaften sind Gemeinschaften. Unsicherheit ist Normalzustand, Zukunft nicht determiniert. Nur wenn wir mutig werden und die Zukunft wieder als Möglichkeit zu denken wagen, öffnen sich Türen. Die Kunst kann viel dazu beitragen, denn ihr trauen wir all das zu. Sie verändert sich konstant und bietet überdies einen wunderbaren Raum der Erprobung und der ästhetischen Reflexion. Sie kann mit Unsicherheit, Leere und Bedrohung umgehen. Sie ist demokratierelevant. Wir brauchen sie auf diesem Weg.

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In unserer Serie „Wie wollen wir leben?“ stellen wir Ihnen vom 7. bis zum 14. November Ideen für eine nachhaltige Welt vor.


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