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Krisenmodus in der Filmbranche: Dreharbeiten zwischen Rhein und Eifel

  • Rheinland-Pfalz war bereits Kulisse für „Indiana Jones“ und die historische Serie „Little America“.
  • Filmteams bauen ihre Kameras gern am Rhein und an der Mosel auf.
  • Dennoch ist Rheinland-Pfalz das einzige Bundesland ohne eigene Filmförderung.
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Mainz. Schauspieler, Filmkameras und Scheinwerfer sind in Rheinland-Pfalz keine Seltenheit. Ob Kino, Serie oder Fernsehfilm: Viele Prominente haben bereits am Rhein, in der Eifel oder einer der zahlreichen Burgen und Schlösser gedreht. Dann kam die Pandemie. Sie verschlechterte auch die Lage der Filmbranche deutlich. „Corona hat Produktionen verhindert oder auch verschoben“, sagte Nadine Gehm vom Film- und Medienforum Rheinland-Pfalz. Hinzu kommt, dass Rheinland-Pfalz das einzige Bundesland ohne eine institutionalisierte Landesfilmförderung oder Landesmedienförderung ist.

Auch aus diesem Grund wurde 2014 das Film- und Medienforum gegründet. Es soll Ansprechpartner für Film- und Medienkünstler im Land sein, die regionale Branche sichtbarer machen und die Entwicklung einer Film- und Medienförderung vorantreiben. Mit jährlich rund 130 000 Euro wird das Forum bei diesen Vorhaben vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium unterstützt. Die Anlaufstelle ist auch eine Reaktion auf die Petition „Mainzer Manifest“, die 2012 ins Leben gerufen wurde und unter anderem eine koordinierte Vernetzung großer und kleiner Filmschaffender forderte.

Ford und Connery im Schloss Bürresheim

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Das Medienland Rheinland-Pfalz war in der Vergangenheit schon öfter Kulisse für internationale und heimische Produktionen. So wurde etwa die deutsch-amerikanische Miniserie „Little America“ unter anderem in Idar-Oberstein und der Eifel gedreht. Das nordwestlich von Mayen gelegene Schloss Bürresheim war Drehort für den 1989 erschienenen Film „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ mit Harrison Ford und Sean Connery.

Angesehen ist auch das „Festival des deutschen Films“, das jährlich in Ludwigshafen stattfindet – einer Stadtdie auch für ihren „Tatort“ bekannt ist. Andere Produktionen führten Filmschaffende auch nach Kallstadt an der Weinstraße, hier entstand die Dokumentation „Kings of Kallstadt“. Für den ARD/SWR-Märchenfilm „Sterntaler“ ging es 2011 unter anderem auf die Reichsburg Cochem.

Zahlen darüber, wie viele Kino-, Fernsehfilme und Serien im Land jährlich gedreht werden und wie sich diese finanzieren, gibt es laut Gehm allerdings nicht. Um das zu ändern, werde das Film- und Medienforum im Dezember eine Mediendatenbank starten, die die Branche im Land erstmals flächendeckend präsentieren und die regionalen Medienproduktionen sichtbarer machen soll, erklärte Gehm.

„Hier sind Existenzen bedroht“

Neben einer mangelnden institutionalisierten Filmförderung leidet die rheinland-pfälzische Filmbranche auch unter der Corona-Pandemie. Zwar fallen Dreharbeiten unter den Zweck der Berufsausübung und sind daher unter Einhaltung der allgemeinen Corona-Regeln zulässig. Dennoch sind laut Gehm Kinos, Solo-Selbstständige und Studenten betroffen. Kinos hätten sich auf alle Hygienemaßnahmen eingestellt, Konzepte entwickelt, Kooperationen geschlossen und Open-Air-Vorführungen veranstaltet, könnten Lüftungs- und Abstandsregeln einhalten - und hätten dennoch wieder schließen müssen.

Zudem fielen Filme im Programm weg, die wegen Corona direkt zum Streamen angeboten wurden. „Hier sind Existenzen bedroht“, warnte Gehm. So auch bei den Solo-Selbstständigen, „die oft einfach keine Möglichkeit für den Switch zum Home-Office oder gar für Kurzarbeitergeld haben und trotzdem sind genau diese durch das erste Corona-Hilfe-Raster des Bundes gefallen“. Wichtig sei, dass die Novemberhilfen bei der Branche überall ankämen. Die Unterstützungsprogramme des Bundes sowie die ergänzenden Hilfen des Landes seien branchenoffen, teilte das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium mit. Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft hätten den gleichen Anspruch wie Unternehmen aus anderen Wirtschaftsbranchen.

„Die Pandemie wird die Branche definitiv noch länger beschäftigen, und sie darf nicht allein gelassen werden“, sagte Gehm. Vielleicht werde der Film nach der Pandemie noch mehr geschätzt und gewürdigt. Denn es sei die Film-Branche, „die uns auch in solchen Zeitenmit Filmen und Serien unterhält, die uns über das Geschehen in der Welt informiert und die auch lang geplante Präsenzveranstaltungen kurzfristig per Stream ermöglicht.“

RND/dpa

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