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Konzepte statt Klagen – Erwin Wagenhofers Doku „But Beautiful”

  • Der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer widmet sich in seiner Doku „But Beautiful” (Kinostart am 14. November) Menschen, die Gegenentwürfe zum bestehenden, zerstörerischen System entwickeln.
  • Diese Zeitgenossen faszinieren ebenso sehr wie ihre Konzepte.
  • Und der Dalai Lama, der mit seiner Schwester Jetsun Pema auftritt, bringt alles auf den Punkt: „Nichts existiert unabhängig.”
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Der Österreicher Erwin Wagenhofer hat mit seinen politisch engagierten Dokumentationen immer wieder auf globale Fehlentwicklungen verwiesen: Bereits 2005 analysierte er in „We Feed the World“ die Machenschaften von Agrar- und Saatgutkonzernen und deren Auswirkungen auf die Welternährungssituation. In „Let's Make Money“ (2008) nahm er die internationale Finanzwirtschaft unter die Lupe und in „Alphabet“ (2013) die Schul- und Bildungssysteme im weltweiten Vergleich. Dabei gehörte neben der Kritik an den Verhältnissen auch immer die Suche nach alternativen Konzepten.

Wagenhofer verschreibt sich dem Optimismus

Mit seinem neuen Film „But Beautiful“ geht Wagenhofer nun noch einen Schritt weiter, indem er sich einem fast schon programmatischem Optimismus verschreibt. Alle Klagen und Schuldzuweisungen über die globale Misere bleiben hier außen vor. Stattdessen widmet sich der Film Menschen, die Lösungen leben und Gegenentwürfe zum bestehenden, zerstörerischen System entwickeln. Da ist etwa Bunker Roy, der in Indien das „Barefoot College“ gegründet hat.

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Bildung wird bei Bunker Roy nicht als Grundstein für eine Karriere begriffen, sondern vom direkten Nutzen für die lokale Community her gedacht. Frauen aus aller Welt kommen dorthin, um als sogenannte Solar Mamas ausgebildet zu werden, die ihre Dörfer mit Sonnenenergie elektrifizieren. Es werden die Frauen sein, die die Welt verändern, davon ist Roy überzeugt.

Ein Holzhaus auf 1000 Metern Höhe kommt ohne Heizung aus

Und da ist ein Schweizer Paar, das seine gut bezahlten Jobs aufgegeben hat, um auf La Palma von industrieller Landwirtschaft verödete Plantagen durch Geduld und Permakultur wieder in fruchtbare Gärten zu verwandeln. Oder der österreichische Förster, der anhand der Jahresringe die zweihundertjährige Geschichte eines Baumes nacherzählen kann und mit dem „Wald als Ort des Lebens“ eng verbunden ist. In seinem Betrieb baut er Wände aus ineinander verquollenen Holzschichten, die die Sonnenwärme in sich speichern, sodass das Holzhaus auf 1000 Metern Höhe ganz ohne Heizung auskommt.

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Nicht an Ressourcen fehle es, sondern nur an den richtigen Konzepten, sagt der Unternehmer, der – wie alle Menschen, die in diesem Film vor die Kamera treten – mit sich selbst und der Natur im Einklang scheint und gerade daraus die produktiven Kräfte der Veränderung generiert.

Der Dalai Lama bezeichnet Beten als Zeitverschwendung

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Dazu gehört natürlich auch der Dalai Lama, der überraschend humorvoll vor einem Wissenschaftskongress spricht, Beten als Zeitverschwendung bezeichnet und das eigentliche Mantra des Films formuliert: „Nichts existiert unabhängig“ – eine Binsenweisheit, könnte man meinen, wenn nicht die Politiker von Trump bis Johnson gerade mit einer gegenteiligen Agenda fatale Erfolge feiern würden.

Eine tragende Rolle spielt in diesem Film übrigens auch die Musik. Die Jazzklänge von Kenny Werner, Mario Rom's Interzone und Lucia Polido sind hier nicht nur Untermalung, sondern Teil des Konzepts, das in der inneren Kreativität des Menschen die eigentliche Chance auf die Veränderung der Welt sieht.

„But Beautiful“, Regie: Erwin Wagenhofer, 116 Minuten, FSK: 0

Von Martin Schwickert/RND