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Konfirmation und Corona: Wenn die Kernfamilie wieder feiern darf

  • Auf dem Land bedeuten Kontaktregeln etwas anderes als in der Stadt.
  • Das zeigt sich zum Beispiel, wenn große Kirchenfeiern anstehen.
  • Wladimir Kaminer fragt sich in seiner Kolumne, wann die Normalität wieder normal wird.
Wladimir Kaminer
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Erst jetzt wird langsam klar, wie übel uns Corona zugespielt hat. Ich schreibe diese Zeilen in einer Gaststätte in Mittelfranken. Heute ist der Tag der Konfirmation, alle Räume in den Lokalen der alten Kleinstadt waren dafür bereits Wochen im Voraus reserviert worden.

Um 10 Uhr früh rannte die Menge in die Kirche, Alt und Jung mit solchen enthusiastischen Gesichtern, als wären sie noch nie in ihrem Leben in einer Kirche gewesen. Danach saßen die Familien an langen Tischen, Tanten und Onkel von weit weg waren gekommen, Verwandte mit Vorerkrankungen, Rollstuhlfahrer durften sich wieder mit den anderen treffen.

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Sie waren alle geimpft, und für Geimpfte ist die Anzahl der Haushalte, die zusammenkommen dürfen, unbegrenzt. In Berlin haben wir immer wieder gestaunt über dieses scheinbar wichtiges Corona-Thema, wie viele Angehörigen aus wie vielen Haushalten sich noch treffen dürften. In einer Großstadt bestehen die Familien, wenn überhaupt, aus einem Vierpersonenhaushalt: Mama, Papa, Kind, Katze.

Auf dem Land sind es locker 30 bis 40 Personen, die zur Konfirmation kommen. Sie haben einander lange nicht gesehen, es wurde viel geschmust, geweint und gelacht. Also ist die Impfung der Schlüssel zur Bekämpfung der Pandemie, nicht die Lockdowns und die Quarantäne. Je mehr Impfzentren und Hausärzte mitmachen, je mehr Impfstoffe und Stätten zu deren Produktion und Lagerung wir haben, umso schneller können wir zum normalen Betrieb übergehen.

Natürlich werden sich nicht alle impfen lassen, und das Virus wird weiter die Menschen anstecken, aber sie sterben nicht daran und wenn doch, dann nur auf eigenen Wunsch. Die Frage lautet nun, wenn der Staat ein Impfangebot für alle hat, kann er uns die Freiheiten zurückgeben, so zu leben, wie es jeder für richtig hält?

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Wladimir Kaminer schreibt jede Woche aus seinem Alltag als Schriftsteller – zwischen Moskau und Berlin.

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