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Eine Visionärin will versöhnen: das Kinodrama „Königin des Nordens“

Majestätisch: Trine Dyrholm als Margrete in einer Szene des Films „Die Königin des Nordens“.

Die Haltung aufrecht, die Gesichtszüge festgezurrt im Bewusstsein der Macht, den Blick in eine Zukunft gerichtet, die sich gerade erst zu sortieren scheint – so reitet sie unterm steingrauen Himmel über die Hardangervidda, eine Hochebene in Norwegen: Margrete, legendäre „Königin des Nordens“ (1353–1412) und Titelfigur im gleichnamigen Historiendrama der dänischen Filmregisseurin Charlotte Sieling.

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Eben noch hätte das ein gewöhnliches Schlachtendrama werden können, mit Actiongetümmel, Blut und hehren Kriegern. Aber diesen Teil arbeitet die hollywood- und serienerprobte Regisseurin („Homeland“, „Die Brücke“) schon im Prolog ab. Den Krieg haben Margretes Vorväter geführt – Gegenbild zu dem, was der Königin vorschwebt: eine friedliche Einigung.

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Der Film konzentriert sich auf wenige Tage im Vorfeld der Kalmarer Union, mit deren Besiegelung 1387 unter Führung Dänemarks ein nordisches Großreich mit Norwegen und Schweden entstand. Die zeitlebens ungekrönte Margrete, besetzt mit Dänemarks Schauspielstar Trine Dyrholm, hat ihre Politiker und Ratgeber im Griff – eben jene, die lieber in die Schlacht ziehen möchten, als die Verständigung zu proben: die machtgeilen Intriganten, die eigene Pläne verfolgen. Den jungen König, der Margretes Geist fortführen soll – und sich abwendet, als ein mysteriöser Fremder auftaucht, der behauptet, Margretes Sohn Olav zu sein.

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Das ist der Wendepunkt in dem Film, in dem sich die Geschichte zum konzentrierten Kammerspiel verdichtet. Margrete, die Trine Dyrholm feinfühlig zwischen Nähe und kühler Distanz auspendelt, ist der Pol, um den sich alle drehen. Dyrholm zeigt die machtbewusste Visionärin, aber auch, wie Margrete in dieser historisch wahren und bis heute rätselhaften Episode aus dem Tritt gerät.

Die Kamera folgt den Figuren durch das Dunkel endloser Gänge und abseitiger Türen, sperrt die Welt jenseits des Politischen in Flure und Schlafkammern und spiegelt das diplomatische Gerangel hinter äußerlich unbewegten Mienen.

Unter hohen Decken lässt die Regisseurin keinen Zweifel an der historischen Bedeutung der Figur. Das Persönliche, das etwa in den Filmen um die legendäre englische Königin Elisabeth I. in direkter Konfrontation zur Funktion steht, ist bei Charlotte Sieling nur Randerscheinung. Der Einbruch mütterlicher Gefühle für den rätselhaften Fremdling mag den Traum vom Großreich einen Moment lang auf die Kippe stellen – die menschliche Verunsicherung aber bleibt Episode.

Es liegt auch kein royaler Glanz über dieser Königin und ihrem Hof. Hier wird Politik gemacht, und das ist Arbeit. Am Ende ist das nördliche Großreich Realität und soll immerhin bis 1523 bestehen. Man darf Sielings Film in diesem Sinne durchaus als Heldinnenverehrung lesen – aber auch als das spannungsvolle Porträt einer ungewöhnlichen Frau, die in einer von Männern dominierten Welt ihre Vision durchsetzt.

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„Königin des Nordens“, Regie: Charlotte Sieling, mit Trine Dyrholm, Björn Floberg. 120 Minuten, FSK 12

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