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Kleine Risse in der Seele: François Ozons wildes Kinodrama „Sommer ’85“

  • Der französische Regisseur François Ozon erzählt in „Sommer ’85“ von einer ersten Liebe.
  • Nach dem strengen Kirchenfilm „Gelobt sei Gott“ spürt man Ozons Lust auf etwas Leichtes.
  • Sich in Emotionen stürzen ist in diesem Kinodrama nie kitschig, aber zerreißt das Herz.
Margret Köhler
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Er ist einer der fleißigsten Filmemacher Frankreichs: Fast jedes Jahr dreht François Ozon einen Film. Seine neue fulminante Mischung aus Lovestory und Krimi sollte 2020 in Cannes laufen und anschließend bei uns im Kino, die Pandemie funkte dazwischen.

Jetzt ist es endlich soweit: Als im heißen Sommer in der Normandie der 16-jährige Alexis (Félix Lefebvre) mit seinem Segelboot kentert, hilft ihm der etwas ältere und unheimlich coole David (Benjamin Voisin) aus der Bredouille. Für den Jüngeren ist das der Beginn der ersten Liebe.

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Doch bald gerät das Glück ins Schlingern, David flirtet mit einem englischen Au-pair-Girl und langweilt sich mit dem braven Teenager. Der Reiz des Neuen ist nach „6 Wochen, 1008 Stunden, 3.628.800 Sekunden“ perdu, wie der Enttäuschte ausrechnet.

Gier nach Leben

Von einem tragischen Ende erfährt man schon zu Beginn, aber was genau passiert bleibt bei diesem fragmentarischen Puzzlespiel erst einmal im Dunkeln. Alexis erzählt aus seiner Perspektive die Geschichte von großem Gefühl und dem kleinen Riss in der Seele, von Tod und Trauer und der gleichzeitigen Gier nach Leben.

Nach dem strengen Kirchenfilm „Gelobt sei Gott“ spürt man Ozons Lust auf etwas Lässiges und Leichtes, auch wenn der Tanz auf dem Grab des Freundes zu den Klängen von Rod Stewarts Ohrwurm „Sailing“ eine gehörige Portion Dramatik in sich birgt.

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Gelungen ist ihm eine Ode auf die Schönheit des Lebens. Gedreht wurde auf Super 16, was die Farben sinnlich leuchten lässt und die Atmosphäre der achtziger Jahre nostalgisch verdichtet. Sich in Emotionen stürzen ist hier nie kitschig, aber zerreißt das Herz!

„Sommer ’85“, Regie: François Ozon, mit Félix Lefebvre und Benjamin Voisin, 100 Minuten, FSK 12

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