Kinoverbandschef Bräuer: Wir brauchen einen Exitplan

  • Der Chef des deutschen Kinoverbands fordert angesichts des verlängerten Lockdowns eine Öffnungsstrategie für Kultureinrichtungen.
  • „Irgendwann muss man Kultur wieder planen können, wir brauchen jetzt Klarheit“, sagt Christian Bräuer dem RND.
  • Er betont, dass der Lockdown im Winter die Kinobetreiber noch viel mehr schmerze als der erste im Frühjahr.
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Hannover. Christian Bräuer wünscht sich vor allem eines nach dem verlängerten Lockdown: eine Öffnungsstrategie für die Kinos – und für die Kultur überhaupt. Bräuer ist der Vorstandsvorsitzende des Verbandes AG Kino, der Gilde deutscher Filmkunsttheater, die über 300 unabhängige Filmkunst- und Programmkinos vertritt. Er sieht, wie schwierig die Situation mit steigenden Infektionszahlen ist, und er weiß, dass Gesundheit vorgeht: „Aber irgendwann muss man Kultur wieder planen können, wir brauchen jetzt Klarheit“, sagte Bräuer dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

„Der Lockdown im Winter schmerzt noch viel mehr als der erste im Frühjahr“, so Bräuer. Der Winter sei die Zeit, in der die Kinos das nötige Fett ansetzen müssten. Nun fehlten die Einnahmen schon seit Anfang November. Bislang seien auch nur Abschlagszahlungen von den zugesagten Hilfen bei den Kinos angekommen, die Unterstützung für den Januar sei noch ungeklärt.

Sorge vor allem um kleine Kinos

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Zumindest habe die Politik die Kultur inzwischen auf dem Schirm, und das müsse auch über das Ende der Schließungen hinaus so bleiben, wann immer das so weit sei. Auch dann könnten Filme vermutlich nur mit reduzierter Besucherzahl gezeigt werden – nach zehn Monaten, von denen sechs komplett ausgefallen seien. Die Hilfen dürften nicht sofort gestoppt werden.

Bräuer hat Sorge vor allem um die kleinen Kinos auf dem Lande, die ohne Rücklagen in den Lockdown gegangen und deren Betreiber mit besonders viel Engagement bei der Sache seien. „Wenn Kultur nur noch im Internet stattfindet, bleibt die gesellschaftliche Interaktion auf der Strecke“, so Bräuer.

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Hoffnung auf neuen James-Bond-Film

Gleichzeitig bleibt er optimistisch: „Das Bedürfnis ist groß, wieder vor die Leinwand zurückzukehren.“ Einen entscheidenden psychologischen Impuls erhofft er sich vom neuen James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“, der nach jetzigem Stand Ende März in die Kinos kommen soll.

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Im Arthouse-Bereich seien die Lager übervoll mit ersehnten Werken wie „Der Rausch“ (Europäischer Filmpreis), „Nomadland“ (Venedig-Sieger) oder auch Wes Andersons „The French Dispatch“ (schon im Vorjahr beim dann ausgefallenen Cannes-Festival gebucht). „Nicht nur die Seele von Kinobetreibern, auch die der Fans sehnt sich nach diesen Filmen“, so Bräuer.

Hintergrund: Bund und Länder haben sich angesichts der weiter hohen Corona-Zahlen auf eine Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar verständigt. Die Maßnahmen waren bisher bis zum 10. Januar befristet. Seit dem 16. Dezember gilt eine Schließung von weiten Teilen des Handels, der Gastronomie und auch der Kinos.

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