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Kinoverbands-Chef über Öffnungen: „Es fehlen realistische Auflagen“

  • Nach einer baldigen Öffnung der Kinos sieht es derzeit nicht aus.
  • Dabei sollte bei der MPK am Montag eigentlich auch über Perspektiven für die Kultur geredet werden.
  • Überlegungen gibt es zumindest bereits, ob Schnelltests bei der Öffnung helfen könnten.
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Für die Kinos im Land war 2020 ein schwieriges Jahr. Nur wenige Monate zwischen dem ersten Lockdown im Frühjahr und dem zweiten Lockdown im November konnten sie öffnen. Und während es in den vergangenen Wochen in einigen Branchen schon Lockerungen das Thema waren, Museen und Zoos mancherorts schon öffnen durften, sind Kinoöffnungen vom Tisch, bevor sie überhaupt diskutiert werden konnten.

Für die heutige Ministerpräsidentenkonferenz stehen die Zeichen eher auf erneuten Schließungen als auf weitere Lockerungen. Kinofans werden deshalb noch einige Zeit warten müssen, bis sie wieder im Kinosaal Platz nehmen können.

An neuen Filmen mangelt es den Kinos nicht

Aber auch wenn es nach einer schnellen Kinoöffnung momentan nicht unbedingt aussieht, an guten Filmen würde es aber keinesfalls mangeln, sagt Christian Bräuer, der Vorstandsvorsitzende des Verbandes AG Kino dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Natürlich würden wir gern schnellstmöglich wieder loslegen. Vom Berlinale-Beitrag über Oscar-Kandidaten bis zum Familienfilm haben wir viele tolle Filme, die endlich gezeigt werden wollen.“

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Christian Schwochow und Christian Bräuer, Vorstand der AG Kino, vor dem Kino International-. © Quelle: imago images/Future Image

Die Großen der Branche haben sich längst an die neue Situation angepasst. Statt neue Filme auf der Kinoleinwand zu zeigen, setzt unter anderem Disney darauf, seine Filme vor dem Kinostart auf dem eigenen Streamingdienst Disney+ zu zeigen. Andere Filmstarts werden verschoben, so verkündeten die 007-Macher im Januar die fünfte Verschiebung vom James-Bond-Film „No Time To Die“. Statt Ende März soll der Film nun am 8. Oktober starten, vorausgesetzt, die Pandemie lässt es zu.

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Testpflicht für den Kinobesuch, da ist Bräuer skeptisch

Viel wird zur Bekämpfung der Pandemie jetzt auf Schnelltests gesetzt. Schulen werden damit ausgestattet, in Rostock konnte zum ersten Mal seit Monaten wieder Fußball vor Zuschauern gespielt werden, weil eine Teststrategie der 777 Zuschauer es möglich machte. Auch für die Kinos könnte so eine mögliche Öffnungsstrategie aussehen.

Doch hat Bräuer, der mehr als 300 unabhängige Programm- und Filmkunstkinos vertritt, seine Zweifel: „Was fehlt, sind ein verlässlicher Planungshorizont und realistische Auflagen. Den Kinobesuch an eine Testpflicht zu koppeln, ohne dass es eine etablierte Teststrategie gibt, kann nicht aufgehen.“ Kinos selbst könnten diesen Nachweis nicht leisten. Für sie sei es schon aus Platzgründen gar nicht möglich, selbst am Eingang zu testen. Sie könnte auch nicht entscheiden, welcher Schnelltest von welchem Anbieter gültig sei. Der Staat dürfe seine Verantwortung nicht abwälzen.

Tests als Ergänzung zum bewährten Hygienekonzept

Dennoch können für Bräuer die Tests Teil einer Öffnungsstrategie sein. Er verweist außerdem auf „bewährte und wissenschaftlich bestätigte Hygienekonzepte“ der Kinos. Dazu könnten Tests eine zusätzliche Absicherung sein – aber nur dann, wenn es „flächendeckend an jeder Ecke kostenfreie Testmöglichkeiten und einen einfachen Nachweis“ gebe.

Egal ob mit oder ohne Tests, die Kinobetreiber hoffen auf eine langfristige Perspektive für ihre Häuser. Denn: „Für die Kinos ist das Hin und Her sehr frustrierend“, sagt Bräuer. Er hat deshalb eine klare Forderung an die Politik: „Für die Kultur ist es wichtig, dass die Aussetzung der nächsten Öffnungsschritte nicht zu einer neuen Hängepartie wird. Um planen zu können, brauchen wir eine verlässliche Perspektive.“

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Aber auch wenn es eine Öffnungsstrategie geben sollte, ein generelles Problem bleibt, das nach Meinung der Kinobranche schon den Neustart nach dem ersten Lockdown erheblich erschwert hat: Der Kinomarkt funktioniere bundesweit. Nur wenn die Filme überall in der Republik zeitgleich starten könnten, würden Verleiher ihre teuren und so lange schon zurückgehaltenen Produktionen freigeben.

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