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Kinostart im Saarland: Filme schauen mit gemischten Gefühlen

  • Seit dem 6. April dürfen im Saarland Kinos wieder ihre Türen für Besucher öffnen.
  • Doch weil die Filme fehlen und ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich sei, bleiben Vorführungen die Ausnahme.
  • „Ich sehe das sehr ambivalent“, sagt ein Kinobetreiber aus Saarbrücken.
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Saarbrücken/Mainz. Über fünf Monate hat er auf diesen Moment gewartet. Doch als Leiter Waldemar Spallek vom kommunalen Kino „Achteinhalb“ in Saarbrücken zum ersten Mal wieder ein Filmplakat ins Schaufenster hängt, mischt sich Skepsis in die Freude. „Ich sehe das sehr ambivalent“, sagt er. „Ich freue mich, den Gästen wieder ein Erlebnis bieten zu können. Aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir: Die Leute sind genauso verzweifelt wie ich, und bei steigenden Inzidenzzahlen wird die Sinnfälligkeit immer fragwürdiger.“ Viele Besucher, ist er überzeugt, werden sich fragen, ob sie kommen sollen.

Zwar ermöglicht das sogenannte Saarland-Modell Kinobetreibern seit dem 6. April, wieder zu öffnen, doch bislang hat sich noch kein Vorhang in einem Kinosaal gehoben. Das „Achteinhalb“ wagt die Ausnahme: Zwischen dem 21. und 29. April sind insgesamt sechs Vorstellungen dreier ausgewählter Filme für Zuschauer mit negativem Corona-Test geplant. „Wir tun das aus Solidarität“, sagt Kinoleiter Spallek. „Wenn es schon ein Modellprojekt gibt, wollen wir mitmachen.“ Den Auftakt nach der Zwangspause seit dem 2. November bildet die saarländische Produktion „Der Soldatenmord von Lebach“, es folgen „M.A.S.H.“ und „Aalto - Architektur der Emotionen“.

Spallek ist sich bewusst, dass sein Kino, das von Stadt und Land unterstützt werde, in einer besonderen Situation sei: „Wir basteln unser Programm wie ein Theater, für uns ist die Verleihsituation nicht ausschlaggebend. Da geht es den Kommerziellen viel schlechter: Wenn sie aufmachen, fragen sie sich, was sie spielen sollen.“

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„Man kann nicht von heute auf morgen öffnen“

Bei der Kette Cinestar, die bundesweit 48 Häuser betreibt, darunter welche in Saarbrücken, Mainz und Ludwigshafen, stellt sich für Geschäftsführer Oliver Fock die Frage nach Öffnung derzeit auch im Saarland nicht. „Ein einzelner Standort bringt uns gar nichts, man muss das große Ganze sehen“, sagt er. Nur wenn tatsächlich mindestens 80 Prozent der Kinos in Deutschland geöffnet seien, wäre es möglich, ein breites Angebot an neuen Filmen zu präsentieren. Vorher würden die meisten neuen Filme nicht auf den Markt gehen.

Deshalb seien die Kinos zurzeit im engen Austausch darüber, was ein realistisches Zeitfenster für eine bundesweite Wiedereröffnung sein könnte. Hinzu komme, dass Kinos für die Wiederaufnahme des Betriebs bis zu vier Wochen benötigten. „Man kann also weder von heute auf morgen öffnen, als auch den Betrieb kurzfristig rauf- und wieder runterfahren“, betont er. Zunächst müsse Ware eingekauft und müssten Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt werden. Und da man als Unternehmen mit 2500 Mitarbeitern gerade einmal einen Teil der November- aber weder Dezember- noch Überbrückungshilfe 3 erhalten haben, „wäre es fatal, jetzt eine kostenintensive Wiedereröffnung einzuleiten, um die Häuser dann womöglich nach einer Woche wieder zuzumachen.“

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In Rheinland-Pfalz ist man ebenfalls skeptisch, dass Modellversuche in einigen ausgewählten Kreisen, wie sie hier im Gespräch seien, zu Kino-Öffnungen führen würden. „So etwas hilft gar nichts“, meint Ralf Holl, Chef des Kino-Centers Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis und Mitglied im Hauptausschuss des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater. Der Filmverleih benötige jeweils sechs Wochen im Vorfeld fürs Marketing und anschließend als Auswertzeit, wenn er einen neuen Film „einigermaßen gewinnbringend“ ins Kino bringen möchte. „Das wird in solch einer wackeligen Zeit wie heute, wo die dritte oder vierte Welle bevorsteht, ganz schwer“, sagt er. „Den Verleihern können wir da gar nicht böse sein.“

Geschäftsführer Jochen Seehuber von den Programmkinos Capitol & Palatin in Mainz sieht über die Landesgrenzen hinaus. „Für die Kinobranche sind Öffnungen in einzelnen Bundesländern nahezu irrelevant. Um das Kino wieder auferstehen zu lassen, sind bundesweite beziehungsweise internationale Öffnungen notwendig.“

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Wie lange kleinere Kinos finanziell durchhalten können, hängt nach Ansicht von Holl auch mit der Überbrückungshilfe 3 zusammen und ob es bei der Unterstützung neue Ansätze geben wird. „Wichtig ist für uns im Mittelstand, dass man ein Stück weit weg kommt von den Betriebskosten und man auch an Unternehmerlohn denkt ähnlich wie bei Soloselbstständigen.“ Ein Betrieb, der nur 25 Prozent der Besucherzahlen erlaube, sei wirtschaftlich nicht machbar.

Ziel von Cinestar-Chef Fock ist es, mit einem Hygienekonzept zu öffnen, das jeweils in alle Richtungen neben einer zulässigen Gruppe einen Platz frei lässt. „Nur dann werden wir gegenüber der Regelung aus dem ersten Lockdown (1,50 Meter Abstand = maximal 25 Prozent Auslastung) Auslastungszahlen erreichen, die sich überhaupt wieder im Bereich der Wirtschaftlichkeit bewegen.“ Eine weitere Bedingung für die Wiedereröffnung sei der Wegfall der Maskenpflicht am Platz. Der Verzehr von Speisen und Getränken sei für einen wirtschaftlichen Kinobetrieb unerlässlich.

Im „Achteinhalb“ in Saarbrücken wird Leiter Spallek am nächsten Mittwoch mit verstärkten Hygienevorschriften aufmachen. Zusätzlich zu den AHA-Regeln und einer Begrenzung auf höchstens 27 Besucher auf 90 Plätzen müssen die Gäste einen negativen Corona-Test vorweisen.

RND/dpa

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