Kinogrusel „Schlaf“ – Hotel der ruhelosen Geister

  • Eine Frau hat Albträume von einem Hotel, entdeckt die Herberge in einer Anzeige und es fällt ihr nichts Besseres ein, als hinzureisen.
  • In Michael Venus’ „Schlaf“ (Kinostart am 29. Oktober) machen die Heldinnen dieselben alten Fehler, die Horrorfilmpersonal immer macht.
  • Aber mit Sandra Hüller (Bild) und Gro Swantje Kohlhof sind die Rollen hervorragend besetzt.
Margret Köhler
|
Anzeige
Anzeige

Im HoteI „Sonnenhügel“ möchte man trotz des vielversprechenden Namens nicht unbedingt übernachten. Dunkle Geheimnisse, drei Selbstmorde, ein Eigentümerpaar, das Gäste mit einer Axt begrüßt, lassen nichts Gutes erwarten. Die Flugbegleiterin Marlene (Sandra Hüller) landet dennoch in der Provinz von Stainbach, weil sie unter Alpträumen leidet, und genau dieses Hotel, das sie nachts in Schrecken versetzt, in einer Werbeanzeige entdeckte.

Den Rat von Tochter Mona (Gro Swantje Kohlhof), psychologische Hilfe zu suchen, schlägt sie in den Wind und quartiert sich in der im Wald versteckten Herberge ein. In gespenstischer Atmosphäre ereilt sie ein Nervenzusammenbruch, sie schrappt am Wahnsinn entlang. Mona besucht sie in der Psychiatrie und nimmt ebenfalls ein Zimmer in der Absteige, erlebt eine grauenvolle erste Nacht mit Atemnot, flüsternden Stimmen und Halluzinationen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Auftakt zu einem Horrortrip, der die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie verschwimmen lässt. Mit langen Gängen, leeren Zimmern und bröselnder Patina glaubt man sich in einem Geisterhaus, in dem die Seelen Verstorbener herumspuken, Teile der verdrängten Familiengeschichte ans Tageslicht kommen. Der Wald mit den Ruinen einer Sprengstofffabrik aus der NS-Zeit ist kein idyllischer Märchenhain, sondern ein Hort der Grausamkeit und unverarbeiteter Traumata.

Anzeige
Das Stream-Team Was läuft bei den Streamingdiensten? Was lohnt sich wirklich? Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. gibt‘s jetzt im RND-Newsletter „Stream-Team“ – jeden Monat neu.

Regisseur Michael Venus lässt sich von seinen Vorbildern David Lynch („Eraserhead“) und George A. Romero („Zombie“) inspirieren, verbindet verschiedene Zeitebenen, schlägt den Bogen vom Faschismus zum heutigen Rechtsradikalismus und verziert die von Angst und Verdrängung, Schuld und Sühne begleitete Spurensuche mit harten Schockmomenten. Der etwas verworrene und überfrachtete Horrorheimatfilm kann aber mit einem unschlagbaren Pfund wuchern: zwei perfekten Hauptdarstellerinnen.

Anzeige

„Schlaf“, Regie: Michael Venus, mit Sandra Hüller, Gro Swantje Kohlhof, 102 Minuten FSK 16 (Kinostart am 29. Oktober)

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen