Kinofilm über Marie Curie: Eine Frau wie eine Auster

  • Regisseurin Marjane Satrapi widmet sich in ihrem neuen Kinofilm (Start: 16. Juli) der Forscherin Marie Curie.
  • Hauptdarstellerin Rosamund Pike kitzelt wunderbar auch das Komische aus der Wissenschaftlerin hervor.
  • Bis heute ist die zweifache Nobelpreisträgerin Curie eine Ausnahmeerscheinung unter Männern.
|
Anzeige
Anzeige

Selbstbewusst steht Marie Curie vor den Wissenschaftlern der Pariser Sorbonne: “Ich nenne diese Strahlen Radioaktivität”, sagt sie und strahlt dabei selbst. Als die versammelten Herren staunend schweigen, schickt sie einen Satz hinterher: “Wir sind hier, um Ihnen zu sagen, dass Ihr Wissen über Atome grundlegend falsch ist.”

Mit einem solch forschen Auftreten macht sich niemand Freunde – schon gar nicht eine Frau in dieser von graubärtigen Honoratioren dominierten Runde. Und wenn diese Frau auch noch aus Polen zugereist und keine gebürtige Französin ist, wird es noch einmal komplizierter.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Marie Curie – eine unbequeme Frau setzt sich in der Männerwelt durch

Aber so ist Marie Curie (Rosamund Pike) nun mal in diesem Film – und womöglich war sie wirklich so. Wie sonst hätte sie sich in der Männerwelt durchsetzen und gleich zwei Nobelpreise gewinnen können, einen mit ihrem Ehemann Pierre 1903 in Physik und noch einen 1911 in Chemie – dieses Mal allein.

Jene Marie Curie, die wir nun im Film der iranisch-französischen Comiczeichnerin und Regisseurin Marjane Satrapi (“Persepolis”) kennenlernen, ist störrisch, fordernd, kompromisslos, spröde. Rosamund Pike kitzelt wunderbar das Komische aus dieser unbequemen Zeitgenossin hervor. Ihre Curie kann zuschnappen wie eine Auster, wenn sie ihre Autonomie gefährdet sieht. Und sie sieht diese oft gefährdet.

Ausnahmeerscheinung bis heute

Anzeige

Curie ist nicht nur aus der Rückschau einer bis heute mühevoll nach Gleichberechtigung strebenden Gesellschaft eine Ausnahmeerscheinung. Eine ganze Reihe von Filmen ist über sie entstanden. Erst vor vier Jahren verwandelte sich Karolina Gruszka in Marie Curie. Regisseurin Marie Noëlle betonte die Liebesgeschichte mit Pierre Curie. Auch der als Skandal empfundenen Affäre mit dem Physiker Paul Langevin nach dem Tod Pierres 1906 widmete sich Noëlle.

Satrapi schiebt stärker das Wissenschaftliche in den Vordergrund ihres nach dem Comicroman der US-Künstlerin Lauren Redniss entstandenen Films. Die Regisseurin vergisst den Forschungsantrieb auch dann nicht, wenn es um Curies Beziehung zu Pierre (Sam Riley) geht.

Näher kommen sich die beiden nur, weil auch er ihre aktuelle Publikation zu würdigen weiß. Als sie sich notgedrungen in seinem Labor einquartiert, sagt sie: “Ich möchte betonen, dass ich nicht Ihre Geliebte werde.” Sie wurde seine Frau, aber nicht sein Eigentum, wie er lieber gleich bei seinem herrlich missglückten Heiratsantrag hinzufügt.

Die ganze Curie soll es sein

Die Regisseurin nimmt die ganze Curie in den Blick: Wir sehen sie mit Tochter Irène im eigenhändig konzipierten Röntgenwagen im Ersten Weltkrieg herumkutschieren. Auf dem Schlachtfeld will sie verwundeten Soldaten das Leben retten.

Anzeige

Weniger elegant sind die weit in die Zukunft reichenden Einschübe gelungen, die von den Folgen von Curies Entdeckungen künden: Nicht nur bei der Heilung von Krebs halfen sie, auch Hiroshima und Tschernobyl wurden möglich. Forschung kann helfen, und sie kann töten: Marie Curie wusste das.

“Marie Curie – Elemente des Lebens”, Regie: Marjane Satrapi, mit Rosamund Pike, Sam Riley, 110 Minuten, FSK 12

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen