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Kinofilm „Lindenberg!“: Der Schlaks mit dem staunenden Blick

  • Der Kinofilm über Udo Lindenberg zeigt den Menschen hinter dem Gesamtkunstwerk.
  • Udo Lindenberg ist hier keine Lichtgestalt: Er kann hartleibig sein, egoistisch, ungerecht.
  • Manch kleine Überraschung aus Lindenbergs erster Lebenshälfte kommt zutage.
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Der Vater kniet im Bad unterm Waschbecken und hat mal wieder den „Nazi-Befehlston“ drauf, wie das der Sohn viel später nennen wird. Eines muss Vater Gustav mal klarstellen: „Aus Lindenbergs werden Klempner.“ Der kleine Udo soll ihm schleunigst den Schraubenschlüssel rüberreichen. Zack, zack!

Lindenberg gehört zum Promi-Inventar

So ist es nicht gekommen. Heute gehört Udo Lindenberg zum lebenden Promi-Inventar der Republik. Der 73-Jährige füllt noch immer die Hallen mit seinen poetisch-politisch-schrulligen Rocksongs wie „Sonderzug nach Pankow“, „Hinterm Horizont“ oder „Keine Panik auf der Titanic“. Sogar den Bundesverdienstorden hat der Mann mit dem schwarzen Hut bekommen – und in diesem Aufzug gibt sich Original-Udo am Ende von Hermine Huntgeburths Spielfilm „Lindenberg! Mach dein Ding“ die Ehre.

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Der echte Lindenberg singt in einer Bar mit rauchiger Stimme: „Ich hab nie daran gezweifelt, dass ich das überstehe / nie daran gezweifelt ich krieg’s hin.“ Das soll wohl heißen: Lindenberg gibt diesem Film seinen Segen. Das Gesamtkunstwerk Udo Lindenberg hat Huntgeburth („Effi Briest“) auszublenden versucht, um die Geschichte des jungen Mannes dahinter zu erzählen.

Die schönsten Momente sind jene, in denen man vergisst, was aus dem Schlaks mit dem staunenden Blick geworden ist. Dass dies gelingt, ist Hauptdarsteller Jan Bülow zu verdanken: Er spielt Lindenberg mit ähnlicher Hingabe, wie das Alexander Scheer als singender Baggerfahrer Gerhard Gundermann getan hat.

Wir lernen kennen: den Loser Lindenberg. Von einer Band zur nächsten stolpert er und singt mal auf Englisch und mal auf Deutsch. Er zieht nach Libyen als musizierender Truppenbetreuer der US-Army. Er sitzt an der Trommel, als Klaus Doldinger 1970 die „Tatort“-Erkennungsmelodie einspielt. Am liebsten würde er Kellner werden und auf Schiffen um die Welt segeln.

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Lindenberg findet seinen rotzigen Ton

Mit Lindenberg atmen wir den Mief der frühen Bundesrepublik. Wenn er sich in Hamburgs Kaschemmen auf den nötigen Alkoholpegel bringt, würde man sich nicht wundern, wenn Frauenmörder Fritz Honka aus dem „Goldenen Handschuh“ um die Ecke biegt. Dazwischen Rückblenden in Udos Kindheit, mit denen die Regisseurin die Chronologie klug aufbricht. Am Ende fügen sich die Zeitebenen wie zu einem Puzzle zusammen.

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Allmählich findet Udo Lindenberg den bekannt rotzigen Ton, egal ob er die Prostituierte Paula (Ruby O. Fee) beschützt, sich mit Vater Gustav (Charly Hübner) anlegt oder Mutter Hermine (Julia Jentsch) zu erfreuen versucht. Mit dem Produzenten Mattheisen (Detlev Buck) philosophiert er über das eingeplante Leben als Star: Muss ein Star tun, was der Markt will (Mattheisen), oder muss ein Star seinen eigenen Weg gehen (Lindenberg)?

Lindenberg ist keine Lichtgestalt

Dieser Udo Lindenberg ist keine Lichtgestalt, er kann hartleibig sein, egoistisch, ungerecht. Ihm geht es auch um den schicken Porsche. Sein Ding hat er trotzdem durchgezogen.

Und so wird er nun nicht mehr nur mit einem Udo-Lindenberg-Musical und einem Udo-Lindenberg-Museum (auf der Reeperbahn) gewürdigt, sondern auch mit einem sehenswerten Udo-Lindenberg-Film. Und weil dieser in den Siebzigern endet, ist eine Fortsetzung möglich. Das Leben des Udo Lindenberg ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

„Lindenberg! Mach Dein Ding!“, Regie: Hermine Huntgeburth, mit Jan Bülow, Detlev Buck, Charly Hübner, 135 Minuten, FSK 12


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