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Kinofilm “King of Staten Island”: Ein Nesthocker wird flügge

  • Hinter der Komödie “King of Staten Island” lauert eine Familientragödie.
  • Judd Apatows Film ist ein bisschen mehr als die übliche Slackerkomödie.
  • Erst auf der Zielgeraden zum Happy End geht dem Film die Puste aus.
Martin Schwickert
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Scott (Pete Davidson) ist 24, aber immer noch ein bekennender Nesthocker. Das Leben im Hotel Mama ist bequem. Einen Kellerraum, in dem man ungestört mit den Freunden kiffen kann, gibt es auch. Was will man mehr vom Leben? Auf diese Frage würde Scott nur mit den Achseln zucken. Dass die jüngere Schwester auszieht und aufs College geht, scheint ihn kaum zu berühren.

Seine Versuche, die Mutter Margie Carlin (Marisa Tomei) nach dem Auszug der Schwester zu trösten, scheitern auf liebenswerte Weise. Scott hat keine Ambitionen oder Träume. Das entspannte Dasein auf Staten Island reicht ihm voll und ganz. Manhattan, das nur zwanzig Fährminuten entfernt liegt, ist für ihn ein anderer Planet.

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Mit seiner Sandkastenfreundin Kelsey (Bel Powley) geht Scott zwar gelegentlich ins Bett, aber eine echte Liebesbeziehung zu ihr sprengt Scotts limitiertes Vorstellungsvermögen. “Mit mir stimmt etwas nicht im Kopf”, erklärt er Kelsey. “Ich habe Angst vor mir selbst.” Scott war sieben Jahre alt, als sein Vater als tapferer Feuerwehrmann unter den Flammen begraben wurde. Der Verlust ist Ursache, aber wohl auch Ausrede für seine unentschlossene Haltung gegenüber der Welt, der Zukunft, den Mitmenschen und sich selbst.

Aber dann bricht die Veränderung über ihn herein und fühlt sich wie eine Apokalypse an. Seine Mutter bandelt mit dem schnauzbärtigen Feuerwehrmann Ray (Bill Burr) an, und der scheint es ernst zu meinen – auch mit seiner Vaterrolle.

Familiendrama inklusive

“King of Staten Island” von Regisseur Judd Apatow wirkt zunächst wie eine typische Slackerkomödie, die ihre indifferente Hauptfigur mit Sympathie und feiner Beobachtung charakterisiert. Aber unter der Oberfläche blitzt auch immer wieder ein Familiendrama hervor. Ein traumatischer Verlust muss überwunden werden. In kleinen Schritten traut sich Scott aus der eigenen Stagnation heraus. Er bringt seine neuen Stiefgeschwister zur Schule und erweist sich als kompetenter großer Bruder, gerade weil in ihm noch das Kind im Manne steckt.

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Dennoch eskaliert der Konflikt zwischen ödipalem Sohn und dem vermeintlichen Ersatzvater auf unausweichliche Weise, bis die Mutter ihren Sohn rauswirft. Weil er nicht weiß, wohin, heuert er als Hilfskraft bei der Feuerwehrwache an, wo er die Welt seines verstorbenen Vaters neu kennenlernt.

Apatows Komödien (“Dating Queen”, “Immer Ärger mit 40”) haben sich stets durch einen mäandernden Erzählstil ausgezeichnet, der hier bestens zur Lebenshaltung der Hauptfigur passt. Das Drehbuch wurde von Hauptdarsteller Davidson verfasst, der in “King of Staten Island” die eigene Familiengeschichte aufgearbeitet hat. Beides gibt dem Film einen authentischen Flow, der dem frisch aufspielenden Ensemble genug Entfaltungsspielräume lässt und erst in der Zielgeraden zum Happy End etwas von seiner Wirkung einbüßt.

“King of Staten Island”, Regie: Judd Apatow, mit Pete Davidson, Marisa Tomei, 136 Minuten, FSK 12

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