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Kinofilm “Drei Tage und ein Leben”: Wenn ein Dorf am Tod eines Kindes zerbricht

  • Ein Kind verschwindet, ein anderes Kind hat den kleinen Rémi umgebracht und behält sein Geheimnis für sich.
  • Und ein Dorf zerbricht an Verdächtigungen und Hass.
  • Nicolas Boukhriefs “Drei Tage und ein Leben” (Kinostart: 3. September) ist Drama und Thriller zugleich.
Martin Schwickert
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Der Morgen ist frisch, kühl und unverbraucht, als der 12-jährige Antoine (Jeremy Senez) vor die Tür tritt. Seine Mutter (Sandrine Bonnaire) ist noch im Dunkeln zur Arbeit aufgebrochen. Jetzt scheinen die ersten Wintersonnenstrahlen auf die grauen Häuser, die sich in dem Ardennen-Dorf entlang der gewundenen Straße aufreihen.

Gegenüber kommt Émilie mit ihrem sechsjährigen Bruder Rémi aus dem Haus. Antoine ist schwer verliebt in das etwas ältere Nachbarmädchen. Seine Augen funkeln vor Bewunderung, wenn er am Bahnübergang zu ihr aufsieht. Sehnsüchtig schaut er ihr nach, als sie in die andere Richtung abbiegt und er mit Rémi in den nahe gelegenen Wald aufbricht. Hier hat Antoine eine geheime Hütte gebaut, die er morgen seiner Liebsten zeigen will.

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Ein polnischer Metzger aus dem Nachbarort wird verhaftet

Aber schon am Abend sind alle Illusionen zerstört. Antoine hat Émilie mit einem älteren Jungen knutschend beobachtet. Aus Wut zerlegt er die Hütte im Wald. Als der kleine Rémi dazukommt, wirft Antoine im Affekt mit einem Stück Ast nach ihm. Der Junge fällt mit dem Kopf auf einen Stein und ist sofort tot. Erst will Antoine Hilfe holen. Von Panik getrieben, schleppt er den leblosen Körper weg und lässt ihn in einer Felsspalte verschwinden. Am Abend ist das ganze Dorf in Aufruhr. Die Polizei befürchtet ein Sexualdelikt. Sogar Rémis Vater gerät unter Verdacht und ein polnischer Metzger aus dem Nachbarort wird verhaftet.

In der folgenden Nacht fegt der Jahrhundertsturm “Lothar” durch die Ardennen und zerstört das ganze Waldgebiet. Unter den Trümmern des Sturmes wird auch Antoines Geheimnis begraben, der nicht den Mut zum Geständnis aufbringt. 15 Jahre später kehrt er als angehender Mediziner in sein Heimatdorf zurück, in dem die Wunden von Rémis Verschwinden noch immer nicht verheilt sind. Ein Holzunternehmen beginnt im Wald mit der Beseitigung der Sturmschäden und durch die Aufräumarbeiten droht auch Antoines Geheimnis ans Licht zu kommen.

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Als junger Mann sucht Antoine Wege der Wiedergutmachung

Mit dem Kriminaldrama “Drei Tage und ein Leben” bringt der französische Regisseur Nicolas Boukhrief den gleichnamigen Bestsellerroman von Pierre Lemaitre auf die Leinwand. Der Autor hat das Drehbuch selbst verfasst und die dramatische Dichte der Vorlage erfolgreich ins Kinoformat übersetzt. Dadurch, dass hier ein Kind zum Täter wird und das Geheimnis in der eigenen Seele vergräbt, erörtert der Film seine komplexen Schuldfragen im moralischen Niemandsland. Auch später als junger Mann durchläuft Antoine keine reinigende Katharsis, sondern sucht verzweifelt nach eigenen Wegen zur Wiedergutmachung.

Boukhrief liefert ein spannendes, höchst differenziertes Schuld-Sühne-Drama, das den dörflichen Mi­krokosmos in seiner heimatlichen Vertrautheit wie klaustrophobischen Enge ausleuchtet und bis in die kleinste Nebenrolle hinein durch ein hervorragendes Ensemble überzeugt.

“Drei Tage und ein Leben”, Regie: Nicolas Boukhrief mit Jeremy Senez, Sandrine Bonnaire, 119 Minuten, FSK 12 (Kinostart am 3. September)

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