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Liebe in der Zeit der Kassette

„Die Magnetischen“ – Ein Leben für die Musik

Vom Piratensender zum Soldatenfunk: Philippe (Timothée Robart) wird beim britischen Militär zum DJ „Mr. Frog“.

Vom Piratensender zum Soldatenfunk: Philippe (Timothée Robart) wird beim britischen Militär zum DJ „Mr. Frog“.

Endlich ist was los in diesem verlorenen Städtchen in der Bretagne, tiefste französische Provinz. François Mitterrand hat im Mai 1981 die Präsidentschaftswahl gewonnen, und das wird feste gefeiert. Nach Ende der 1970er-Jahre endlich wieder ein Stück Utopie am Horizont, ein Politikwechsel, neue Chancen für die junge Generation, ein Versprechen auf die Zukunft.

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Mittendrin in der euphorisierten Menge sind der bescheidene Philippe (Timothée Robart) und sein älterer charismatischer Bruder Jerôme (Joseph Olivennes), No-Future-Freigeist und Frauenheld. Mit ein paar Freunden betreiben die beiden auf einem Dachboden einen Piratensender und frönen ihrer Leidenschaft für Rockmusik und Punk. Ein Rückzugsort, wo sie sich ganz der Musik hingeben und den Alltag in der Garage ihres strengen Vaters vergessen.

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Als die attraktive Marianne (Marie Colomb) mit ihrer kleinen Tochter aus Paris kommt, um im Friseursalon zu arbeiten, wird’s kompliziert. Die Jungs werden zu Rivalen und verlieben sich in die junge Frau , die erst einmal den Avancen des stürmischen Jerôme erliegt. Und der Träumer Philippe muss auch noch zum Militärdienst nach West-Berlin.

Der Film schwelgt nicht in falscher Nostalgie

Vincent Maël Cardona entführt in seinem magisch-traurig-schönen Debütfilm in eine Ära des Um- und Aufbruchs, erzählt von der Kluft zwischen Stadt und Land, der vibrierenden Kunst- und Musikszene in Paris oder Berlin und dem dortigen Nachtleben, von dem Kontrast zwischen Wunsch und Wirklichkeit ohne in falscher Nostalgie zu schwelgen.

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Er hat die Zeit zwar nicht erlebt, bringt uns aber eine fremde Welt näher, in der man Kassetten überspielt, Experimente mit Alltagsgeräuschen wagt und unbekümmert Mixtapes herstellt. Das Gefühl des Erwachsen­werdens mit Melancholie und Resignation steht auf der einen und pulsierende Energie und Kreativität auf der anderen Seite: Hunger nach Abenteuer und Angst vor dem Scheitern.

Regisseur Cardonas Held versucht, seinen Weg zu finden

Erst einmal genießt es der französische Soldat, beim Radiosender des britischen Militärs aufzulegen, als DJ „Mr. Frog“ die Hörer zu begeistern und im Ostteil Berlins in die Partyszene der Subkultur einzutauchen. Wenn er in einem Anfall von Mut seiner Marianne via Radio seine Liebe gesteht, sogar heimlich die Kaserne verlässt, um bei ihr zu sein, scheint er ein Stück Selbstsicherheit gewonnen und innere Zwänge überwunden zu haben, versucht er doch, seinen eigenen Weg zu finden.

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Aber nicht alle Träume gehen in Erfüllung, manchmal heißt Abschied auch Neuanfang. „Die Magnetischen“ ist eine Liebeserklärung an die Musik und das Jungsein, das Unfertigsein, das Rohe und Ungeschliffene. Der Soundtrack der Achtziger mit Joy Division, Iggy Pop oder The Undertones, dem Metalsound in Berlin mit Die Krupps oder Malaria begleitet die Entwicklung dreier Menschen zwischen Anpassung und Rebellion, ihre Sehnsucht, ihr Versagen, ihre Hoffnung. Dazu Ian Curtis mit dem Songtext „Here are the young men, the weight on their shoulders … well, where have they been?“. Ein Meisterwerk mit Gänsehautfeeling.

„Die Magnetischen“, Regie: Vincent Maël Cardona, mit Timothée Robart, Marie Colomb und Joseph Olivennes, 98 Minuten, FSK 16

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