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Kinomusical „In the Heights“: große Stadt der kleinen Träume

  • Aus Lin-Manuel Mirandas Musical „In the Heights“ hat Regisseur Jon M. Chu einen Kinofilm gemacht (Start am 22. Juli).
  • Im Schatten der Washington Bridge streben junge Männer und Frauen nach dem „amerikanischen Traum“.
  • Mehr als 500 Tänzerinnen und Tänzer wirbeln durch die Stadt, die wieder einmal beweist, dass sie nie schläft.
Margret Köhler
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Usnavi de la Vega (Anthony Ramos) betreibt in Washington Heights eine Bodega, ein Lebensmittelgeschäft mit Kaffeebar, Treffpunkt der Nachbarschaft. Die Herkunft seines seltsamen Vornamens ist skurril. Als sein Vater aus der Dominikanischen Republik übers Meer Amerika erreichte, sah er ein Schiff mit den Lettern „U.S. Navy“, seitdem heißt der Sohn lautmalerisch Usnavi.

Lin-Manuel Miranda setzt dem Stadtteil Washington Heights ein Denkmal

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Der junge Mann verfolgt den „American Dream“ vom Aufstieg, sehnt sich aber gleichzeitig ins Palmenparadies seiner Eltern zurück. Dem Stadtviertel im nördlichen Manhattan hat Autor und Komponist Lin-Manuel Miranda, der in einer Nebenrolle als Straßenverkäufer auftaucht, in seinem bereits 2005 aufgeführten Broadway-Musical „In the Heights“ ein Denkmal gesetzt.

Das hat Jon M. Chu jetzt schwungvoll und mit märchenhafter Anmutung für die Leinwand adaptiert und entführt in die Latino-Community mit ihren „suenitos“, den kleinen Träumen.

Eine bunte Truppe macht das Musical zum Genuss

Usnavi ist in die Kubanerin Vanessa (Melissa Barrera) unsterblich verliebt, die möchte Modedesignerin werden und nur weg aus der Enge. Kindheitsfreundin Nina (Leslie Grace) schien den Absprung geschafft zu haben, kommt aber frustriert von der Stanford-Universität zurück, wo sie sich ausgegrenzt fühlte.

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Zur bunten Truppe gehörten noch ein paar heiße Ladys aus dem Schönheitssalon, die ein Geschäft in Downtown Manhattan planen, Usnavis illegaler Cousin, einer der „Träumer“, die Trump ausweisen wollte. Und da ist noch Matriarchin Abuela Claudia (Olga Merediz), die die Gemeinschaft zusammenhält und für jeden ein offenes Ohr hat.

Sie alle wollen der Welt zeigen, dass sie nicht unsichtbar sind. Im schwülen Sommer werden Frust und Lust herausgesungen und herausgetanzt in einem mitreißenden Rhythmenmix von Hip-Hop bis hin zu lateinamerikanischer Salsa und Merengue, dazu klassische Musicalklänge. Die Choreografie ist herausragend, nicht nur bei den Hauptfiguren, sondern auch bei den insgesamt 500 Tänzerinnen und Tänzern. Der Film versprüht gute Laune, da explodieren die Emotionen. Oft im Bild: die wuchtige Washington Bridge, die sich nach New Jersey spannt, Symbol eines möglichen Aufbruchs.

Manchmal wird ein wichtiges Thema wie Rassismus nur angetippt

Manchmal kommt das Musical zu nett daher, werden gesellschaftlich brisante Themen wie Rassismus oder Chancenungleichheit nur angetippt, wirkt das Spiel mit hispanischen Klischees folkloristisch, gehen die leisen und kritischen Zwischentöne unter. Aber wenn Ninas Vater seiner Tochter rät, „Prellungen einzustecken, aber nie den Ring zu verlassen“, findet der Film den richtigen Ton.

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Der Ort, wo Henry Kissinger nach der Flucht aus Deutschland aufwuchs und die legendäre Sextherapeutin Dr. Ruth Westheimer lebte, Iren und später Latinos eine neue Heimat fanden, ist inzwischen von Gentrifizierung bedroht. So ist „In the Hights“ auch ein Abgesang auf das Verschwinden eines sympathischen Einwandererviertels im Melting Pot New York und seiner Kultur.

„In the Heights: Rhythm of New York“, Regie: Jon M. Chu mit Anthony Ramos, Melissa Barrera und Leslie Grace, 143 Minuten, FSK 6

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