Kinder, Nachrichten!

  • In seiner Kolumne „Über Leben in Deutschland“ wirft Imre Grimm einen satirischen Blick auf den deutschen Alltag.
  • Diesmal geht es um die Kindernachrichten „logo!“ und sprechende Tiere.
  • Und um einen Vorschlag für Claus Kleber und Gundula Gause.
|
Anzeige
Anzeige

Der durchschnittliche Zuschauer der „Sendung mit der Maus“ ist 39 Jahre alt. Daran musste ich jüngst denken, als ich mit den Kindern „logo!“ guckte. So heißen die Kindernachrichten des ZDF. Sie erklären dort die Welt so, dass auch ich sie verstehe. Reinhard Mey hat einst bewiesen, dass lyrisches Liedgut selbst Wörter wie „Luftaufsichtsbaracke“ enthalten kann.

„logo!“ beweist täglich, dass man sogar Begriffe wie „Länderfinanzausgleich“ und „Kryptowährung“ in einer Form erklären kann, dass ich sie begreife. Sie basteln dafür in der Redaktion gern kleine Animationsfilme mit lustigen Männchen und Blub- und Ploppgeräuschen. Das funktioniert meistens, es wirkt nur manchmal grenzwertig, wenn es um Völkermord oder Hitler geht.

Video
Die „Sendung mit der Maus“ wird 50
0:56 min
Am 7. März 1971 war Deutschland liebstes Fernsehtier erstmals im WDR zu sehen.  © RND
Anzeige

Das Beste an „logo!“ aber ist das Ende. Nicht unbedingt, weil die Moderatorin Linda immer „Bis morgen, ihr Lieben“ sagt und dann so „hmm, hmm“ schmunzelt. Das sollte sie besser lassen. Aber nach dem Wetter kommt ein kleiner Tierfilm mit sprechenden Tieren. Die Tiere sagen manchmal lustige Dinge. Neulich sagte ein Dromedar: „In meiner Familie heißen alle Udo. Außer Horst, der heißt Günther.“ Ich weiß nicht, woran es lag, aber wir sind vor Lachen fast vom Sofa gekippt. In der Fachsprache heißt das „Comic Relief“, seelische Entlastung durch Komik.

Ich glaube, die Welt wäre eine bessere, wenn die „Tagesschau“ nach all den Kriegen und Katastrophen am Ende auch einfach einen lustigen Tierfilm zeigen würde. Erst kommt „Undnundaswetterfürmorgensonntag…“. Und dann erscheint zum Beispiel ein Emu, der sagt: „Wisst ihr, wie der nordische Gott der Ungeduld heißt? Hammersbald!“ Oder ein Huhn, das sagt: „Wie heißt der Bruder von Elvis? Zwölvis!“

Und im „heute-journal“ könnten Claus Kleber und Gundula Gause auch einfach selbst einen kleinen Sketch als Rausschmeißer spielen: „Was machst du eigentlich beruflich, Gundula?“ – „Ich mache Schlüssel nach, Claus.“ – „Ach ja? Wie machen Schlüssel denn?“ Ich würd’s gucken. Schönes Wochenende!

Anzeige

In seiner Kolumne „Über Leben in Deutschland“ wirft Imre Grimm einen satirischen Blick auf den deutschen Alltag – dazu gehören persönliche Erlebnisse, aber auch Kuriositäten aus Politik, Gesellschaft und Kultur.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen