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Von Liebe und Versteinerungen: Drama „Ammonite“ mit Kate Winslet und Saoirse Ronan

  • Francis Lee erzählt in seinem Historiendrama „Ammonite“ (Kinostart am 4. November) von einer Frau, die im 19. Jahrhundert Fossilien fand und freilegte.
  • Um ihren Charakter plastisch zu machen, erfindet der Regisseur eine lesbische Liebesgeschichte.
  • Die von den fantastischen Darstellerinnen Kate Winslet und Saoirse Ronan einfühlsam auf die Leinwand gebracht wird.
Jörg Brandes
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Alt ist sie nicht geworden. Mit nur 47 Jahren starb die 1799 geborene Mary Anning an Krebs. Doch sie hat einige bedeutsame wissenschaftliche Spuren hinterlassen. An den Klippen ihres Heimatortes Lyme Regis in Dorset, auch als „Jurassic Coast“ bekannt, fand sie viele Fossilien und legte sie frei. Neben den titelgebenden versteinerten Kopffüßern etwa das Skelett eines Fischsauriers, das sie ans British Museum verkaufte.

Gleichwohl blieb der Paläontologin die ihr gebührende Anerkennung lange versagt. Zu männerdominiert war die Gesellschaft – nicht nur die wissenschaftliche. Klassenschranken taten ein Übriges.

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Immerhin hat sich ihr Ruf bis zu dem begüterten Roderick Murchison herumgesprochen. Der taucht im Biopic „Ammonite“ eines Tages in dem Laden auf, in dem Mary mit Unterstützung ihrer Mutter Fossilien an Touristen verhökert. Lyme Regis ist die erste Station einer Studienreise, zu der der naturhistorisch interessierte Mann aufgebrochen ist. Und da erscheint ihm seine Frau Charlotte, die sich seelisch noch nicht von einer Fehlgeburt erholt hat, bei der Weiterfahrt eher hinderlich.

Erst Abneigung, dann Liebe – die beiden Frauen nähern sich an

Deshalb lässt er sie zurück bei Mary, die davon zwar wenig erbaut ist, die großzügige Entlohnung freilich gut gebrauchen kann. Die Fossilienexpertin begegnet ihrem Gast zunächst kühl. Doch das ändert sich, als Charlotte schwer erkrankt. Nachdem ihre Wirtin sie gesund gepflegt hat, nähern sich die beiden Frauen einander an. Auch sexuell.

Anders als von ihren Verdiensten um die Paläontologie ist von einer Beziehung Mary Annings nichts überliefert. Weder von einer hetero- noch von einer homosexuellen. Die hat ihr Francis Lee, der mit einem Film um die Liebe zwischen einem englischen Schafzüchter und einem rumänischen Wanderarbeiter („God’s Own Country“) bekannt wurde, einfach angedichtet. Das mag etwas fragwürdig erscheinen. Aber zumindest hat der Regisseur und Drehbuchautor zwei vorzügliche Schauspielerinnen für die fiktive Romanze verpflichten können.

Kate Winslet verleiht ihrer Figur eine bewegende Schroffheit

Kate Winslet wetteifert in ihrer Rolle mit der Küstenlandschaft, die Kameramann Stéphane Fontaine in rau-pittoresken Aufnahmen einfängt, lange erfolgreich um das größtmögliche Maß an Schroffheit. Ihre Mary führt ein hartes Leben. Die von Saoirse Ronan ebenfalls famos gespielte Charlotte, die kaum mehr als ein Anhängsel ihres Mannes ist, hat den Selbstfindungsweg am Anfang des Films noch vor sich.

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Es spricht für die Darstellerinnen, dass es kaum der Worte bedarf, wenn sich zwischen ihren Figuren allmählich etwas mehr entwickelt als nur Freundschaft. Auch eine Scheu vor freizügigen Szenen ist bei beiden nicht erkennbar. Allerdings lässt sich Regisseur Lee aufreizend viel Zeit, bis er Mary und Charlotte aus ihrer inneren Erstarrung löst. Und dann bricht auch nicht unbedingt die ganz große Leidenschaft aus ihnen heraus. Doch das ist sicher auch der viktorianischen Ära geschuldet, in der die Geschichte spielt.

„Ammonite“, Regie: Francis Lee, mit Kate Winslet, Saoirse Ronan, Gemma Jones, 118 Minuten, FSK 12

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