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Karl-May-Premiere: In der Welt von Winnetou gibt es kein Corona

Die Schauspieler Jean-Marc Birkholz (Winnetou, l.) und Martin Krah (Old Shatterhand) reiten bei einer Probe zum Stück "Der Ölprinz" auf der Freilichtbühne des Elspe Festivals auf ihren Pferden.

Elspe.Die Karl-May-Spiele Elspe enden traditionell mit einem großen Knall. Mal versinkt ein Bergwerk in der Erde, mal bricht ein Vulkan aus, mal steht ein Bohrturm in Flammen. Die Zuschauer wissen dann, dass die Welt noch im Lot ist, weil der Bösewicht seine gerechte Strafe bekommen hat. Diese Gewissheit gab es auch am Freitagabend bei der Premiere von „Der Ölprinz“ - und diesmal war das wahrscheinlich wichtiger denn je. Die 1200 Zuschauer konnten sich dadurch dem Gefühl hingeben, dass sie ihr altes Leben zurück hatten.

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So ganz stimmte das allerdings noch nicht, denn der Zuschauerraum unter dem regensicheren Zeltdach war nur zu weniger als der Hälfte gefüllt. Jede Familie und jede Gruppe wurde von der nächsten durch leere Sitzplatze auf Abstand gehalten. Und jeder Besucher trug einen Transponder in Form eines Amuletts um den Hals: Der registrierte, ob man jemandem zu nahe kam. Dies für den Fall, dass im Nachhinein eine Corona-Infizierung bekannt werden sollte. Was eigentlich gar nicht passieren dürfte, denn zugelassen wurde nur, wer geimpft, genesen oder getestet war.

Freude bei den Darstellern ist groß

„Wir freuen uns so dermaßen, dass wir spielen können“, versichert Winnetou-Darsteller Jean-Marc Birkholz (47). Er selbst hatte sich erst vor wenigen Wochen Corona eingefangen. „Es war wie eine sehr schwere Grippe“, erzählt er. „Ich habe zwei Tage über 39 Fieber gehabt und die anderen beiden Tage am Stück durchgeschlafen.“

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Die Erkrankung sei für ihn aber nicht sein persönlicher Tiefpunkt in der Pandemie gewesen. „So richtig reingehauen hat eher das Fehlen der Karl-May-Festspiele.“ Im vergangenen Jahr musste das Sommer-Festival wie alle anderen auch abgesagt werden. „Ich bin grenzenloser Optimist und habe auch letztes Jahr dran geglaubt bis zum Schluss, und dann kam die Ernüchterung. Das war schon hart. Da saß ich erstmal 'ne Stunde auf dem Bett und musste überlegen, was das bedeutet.“ In diesem Jahr habe er nicht mehr so viel Optimismus gehabt, und sei jetzt umso glücklicher.

„Merkt genau, wie sehr das den Leuten gefehlt hat“

Um die Zeit zu überbrücken, hatte er sogar einmal im Monat Karl-May-Online-Meetings organisiert, zusammen mit einem Country-Sänger-Kollegen. „Da gab's soviel Zuspruch, da merkt man genau, wie sehr das den Leuten gefehlt hat.“

Dennoch gibt es auch noch Skepsis unter den Elspe-Stammgästen, wie Geschäftsführer Philipp Aßhoff festgestellt hat. „Viele Leute sagen: "Wir freuen uns drauf, dass endlich wieder was machbar ist", andere sagen "Es ist uns noch ein bisschen zu gefährlich."“ Er glaubt jedoch, dass sich die Sache am Ende tragen wird.

Auf der Bühne erinnert nichts an Corona

Auf der Bühne selbst erinnert nichts an Corona. Winnetou und Old Shatterhand begrüßen sich mit Handschlag, Gangster und Indianer halten bei Schlägereien keinen Abstand, und Mundschutz tragen ausschließlich Banditen bei Überfällen. Anspielungen auf die Pandemie gibt es auch nicht. „Das haben wir noch nie gemacht“, sagt Aßhoff, und Winnetou-Darsteller Birkholz bestätigt: „Das wäre nicht Elspe-Stil. Hier soll man hinkommen, in die Karl-May-Welt abtauchen und alles vergessen.“ Winnetou kennt kein Corona.

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RND/dpa

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